Actualia 2017
Actualia · DBG · Outreach

„Wissenschaft lebt von Netzwerken“

Prof. Dr. Karl-Josef Dietz. Foto: Kim-Christ

Die Wissenschaft wird derzeit von Kritikern herausgefordert. Gleichzeitig sollen die Pflanzenwissenschaften Lösungen für drängende Probleme der Menschheit finden. Anlässlich seiner Wiederwahl im September beschreibt der Präsident der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG), Professor Karl-Josef Dietz von der Uni Bielefeld, welche Herausforderungen es zu bewältigen gilt, was die DBG dazu beitragen kann und wie er einst selbst zum Pflanzenforscher wurde. Und er schildert warum die DBG sich – anders als früher – auch außerhalb der Wissenschaft für die Forschung einsetzt.

Dieses Jahr wird die DBG 135 Jahre alt. Was treibt sie derzeit am heftigsten um?

Die Akzeptanz von Forschung an Pflanzen zu erhöhen bleibt auch in den kommenden Jahren unser Ziel. Die Bedeutung neuer Erkenntnisse über die Pflanzenbiologie muss klar herausgestellt werden, denn Pflanzen sind wichtig für eine intakte Umwelt, für eine gesunde Ernährung, als Rohstoff- und Wirkstofflieferanten. Das ist zwar vielen Menschen bewusst. Weniger klar ist leider oft, dass Forschung an Pflanzen hohe Priorität hat, um die Herausforderungen des 21ten Jahrhunderts zu bewältigen. Unser neues Motto Pflanzenwissen schafft Lösungen beschreibt diesen Zusammenhang und unsere Motivation.

Um welche konkreten Herausforderungen handelt es sich dabei?

Spontan fallen mir drei aktuelle Themen ein:

  • Wie gewinnen wir Studierende für die Pflanzenwissenschaften? Kann die DBG hierbei helfen, den passenden Rahmen an Modernität und Faszination zu schaffen?
  • In der Öffentlichkeit wird vielfach ein Gegensatz von Pflanzen als Organismen auf der einen und molekularer Wissenschaft auf der anderen Seite wahrgenommen. Was aber kein Widerspruch ist. Daraus ergeben sich leider Hindernisse, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Vor- und Nachteile gezielter genetischer Änderungen tatsächlich ergebnisoffen zu diskutieren. Welcher gesundheitlicher und ökologischer Vorteil lässt sich hier erzielen?
  • In welchem Zusammenhang stehen genetische Möglichkeiten zur Reduzierung von Chemie in der Landwirtschaft und zu nachhaltigen Anbaumethoden? 

Was sind daher die Schwerpunkte im Engagement der DBG?

Die DBG vertritt die Pflanzenwissenschaften in ihrer gesamten Breite, unabhängig und wissensbasiert. Unverändert stehen drei Schwerpunkte im Zentrum unserer Arbeit:

  • Wir wollen das Forum zur Interaktion von Pflanzenwissenschaftlern sein.
  • Wir wollen den studierenden Nachwuchs für die Pflanzenwissenschaften begeistern.
  • Wir wollen Ansprechpartner in Entscheidungsprozessen sein.

Dazu setzen wir uns für die Belange unserer Mitglieder ein und machen uns gemeinsam für sie stark. Und so gewinnen wir auch neue Mitglieder. Auf jedem dieser drei Felder müssen wir aktiv und innovativ sein, um in einer schnellen und globalen Umgebung attraktiv zu bleiben und unseren Beitrag zur Förderung der Pflanzenwissenschaften zu leisten.

Die DBG integriert alle pflanzenwissenschaftlichen Disziplinen. Ist es nicht schwierig für eine Gesellschaft alle diese verschiedenen Disziplinen unter einen Hut zu bringen?

Unsere Stärke ist, dass sechs Fachsektionen in der DBG die Pflanzenwissenschaften in ihrer ganzen Breite abdecken: Sie reichen von der Ökologie bis hin zu angewandter Forschung, Genetik und Biochemie. Unsere Fachsektionen organisieren eigene wissenschaftliche Netzwerke und Workshops. Die DBG unterstützt diese Aktivitäten sowohl finanziell, wie auch ideell und organisatorisch. Besonders freut uns, wenn unsere Förderung dabei dem wissenschaftlichen Nachwuchs zugutekommt. Diese Aktivitäten der DBG und die alle zwei Jahre stattfindende Botanikertagung führen alle diese Disziplinen zusammen.

Müssen sich Forscherinnen und Forscher überhaupt noch auf Kongressen treffen? Mit den neuen Medien können sie sich doch jederzeit einfach und unkompliziert von überall aus der Welt untereinander austauschen?

Tagungen erleichtern den direkten Kontakt. Sie vereinfachen Nachfragen und Diskussionen nach Vorträgen, am Poster und in der Pause. Dort sind Ideen und Konzepte unkompliziert thematisierbar. Unsere Botanikertagung katalysiert interdisziplinäre Kooperationen und ermöglicht das Eintauchen in die Wissenschaft. Die Botanikertagung in Freiburg 1982 war seinerzeit die erste internationale Tagung für mich. Übrigens wurde ich damals von einem älteren Kollegen gerügt, weil ich ein englischsprachiges Poster aufgehängt hatte. Das sei bei einer deutschen Tagung doch deplatziert, meinte er. Inzwischen sind die Botanikertagungen alle international und brauchen den Vergleich mit anderen Konferenzen in der EU und anderswo nicht zu scheuen.

Die weltweite Vernetzung mit anderen Forscherinnen und Forschern, was bringt das?

Nur wenige Forschungsprojekte lassen sich alleine durchführen. In der Regel sind Kooperationen mit in- und ausländischen KollegInnen wichtig, um die notwendige Tiefe der Analyse und Erkenntnis zu erreichen. Genauso wichtig ist aber, dass der internationale Austausch bestes Beispiel für eine friedliche Globalisierung ist. Dies wird unseren Teams ebenso vermittelt wie den in unseren Labors arbeitenden Gästen. Diese internationalen Netzwerke sind ein kleines aber wichtiges Gegengewicht gegen zunehmend autokratische und isolationistische Tendenzen in vielen Ländern. Seit vielen Jahren bieten die Botanikertagungen hochkarätige Wissenschaft auf allerhöchstem Niveau, so auch diejenigen in Tübingen, Freising und Kiel. Es wäre schön, wenn auch in Zukunft die Arbeitsgruppenleiter ihre DoktorandInnen zunächst auf die Botanikertagung mitnähmen, um diesen Spirit zu vermitteln.

Gibt es weitere Aktivitäten in der DBG, um dies zu fördern?

Wir beobachten unsere Angebote und Maßnahmen. Bei Bedarf ergänzen oder modernisieren wir sie. Seit fünf Jahren geben wir den Newsletter heraus, um unsere Mitglieder mit aktuellen Informationen zu versorgen. Die Resonanz, die uns erreicht, ist überaus positiv. Die seit vier Jahren vergebenen Preise für beste Masterarbeiten motivieren den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ich bitte unsere Kolleginnen und Kollegen an allen Universitäten im deutschsprachigen Raum, diese Auszeichnung für Masterstudierenden gemeinsam mit der DBG zu vergeben. Eine geringe Zeitinvestition in den Prüfungsämtern bringt so ein Sternchen in den Lebenslauf der PreisträgerInnen. Damit erreichen wir Publicity für die Pflanzenwissenschaften.

Und was bietet die DBG für DoktorandInnen und PostDocs?

Der Eduard Strasburger-Workshop, den PostDocs gemeinsam mit Doktorandinnen und Doktoranden für den Nachwuchs organisieren, wird mit bis zu 5.000 Euro gefördert. Auch hier können die Organisatoren nachweisbar Soft Skills erwerben und gleichzeitig einen spannenden Wissenschaftsaustausch in ihrer Disziplin planen und erleben. Unsere vor zwei Jahren neu gestalteten Internetseiten werden auch sehr gut angenommen, wie die nun verdoppelten Besucherzahlen belegen. Dies reicht noch nicht. Wir wollen weitere Schritte gehen, um attraktiv zu bleiben. Dies betrifft Studierende, die Politik, Redaktionen und die Öffentlichkeit.

Früher war es weniger wichtig, dass sich wissenschaftliche Gesellschaften auch an die Öffentlichkeit wenden. Warum hat sich dies geändert?

Die methodischen und experimentellen Möglichkeiten der Pflanzenwissenschaften haben sich in den letzten Jahren in beeindruckender Weise weiterentwickelt. Wir können Genome editieren, Metagenome der Rhizosphäre entschlüsseln oder Populationsgradienten molekular beschreiben. Gleichzeitig beobachten wir Wissenseinschränkungen durch Politiker wie in den USA, wie im europäischen Ungarn sowie in der Gesetzgebung. Es scheint, dass sich die Entscheidungsträger von gesellschaftlichen Stimmungen leiten lassen, anstatt evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen.

Welche politischen Entscheidungen stehen demnächst an?

Hier sind Herausforderungen wie das Access and Benefit Sharing zu nennen, wenn digitale Gen-Informationen in Zukunft möglicherweise unter das Nagoya-Protokoll fallen. Verschärfungen des Gentechnikgesetztes stehen ebenfalls im Raum. Es gilt aber auch den hohen Wert der Grundlagen- und angewandten Pflanzenforschung für die moderne Ausbildung unserer Studierenden zu vermitteln. Die globale Konkurrenzfähigkeit dieses in Deutschland aus meiner Sicht exzellenten Forschungszweigs muss erhalten bleiben. Diese Ziele können wir nur erreichen, wenn wir die Öffentlichkeit, Redaktionen und die Politik ansprechen und inhaltlich überzeugen.

Die Gesellschaft für Molekularbiologie (GBM) plant derzeit aus dem Biologen-Dachverband VBIO auszutreten. Ist das auch für die DBG eine Option?

Der VBiO vertritt als Dachgesellschaft derzeit 25*) biologische Fachgesellschaften und setzt sich damit für mehr als 30.000 biowissenschaftlich arbeitende Personen ein. Dazu kommen noch 6000 individuelle Mitglieder. Seine duale Struktur wird durch die beiden Geschäftsstellen in Berlin und München widergespiegelt und hat historische Gründe. Die Struktur kann als Stärke gesehen werden, nämlich auch föderal als Ansprechpartner auf Landesebene aufgestellt zu sein. Die GBM scheint darin ein grundlegendes strukturelles Problem zu sehen. Ehrlicherweise sind mir persönlich Strukturen egal, wenn die Leistung stimmt.

Welche Leistung meinen Sie?

Der VBiO wird von der Politik und der Presse als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen. Die Geschäftsstelle in Berlin erarbeitet beispielsweise Positionspapiere und Stellungnahmen und nimmt teil an Anhörungen zu Gesetzgebungsverfahren. Jüngst beispielsweise am Naturschutzgesetz, dem Gentechnikgesetz und zum Access und Benefit-Sharing im Nagoya-Protokoll. All dies ist sehr wichtig und kann durch die DBG als wesentlich kleinere Gesellschaft mit ihren viel geringeren Ressourcen nicht gestemmt werden. Deshalb wäre ein Austritt keine kluge Option. Im Gegenteil, die Entscheidung der GBM ist inhaltlich für mich nicht nachvollziehbar.

Sie sprachen vorhin den wissenschaftlichen Nachwuchs an. Welche Türen stehen jungen Forschenden aus den Pflanzenwissenschaften offen?

Diese Frage ist nicht geradlinig zu beantworten, da jede Disziplin eigene Chancen bietet, wenn auch nicht in gleichem Umfang. Expertise in Artenkenntnis und ökologischen oder ökotoxikologischen Zusammenhängen wird vermehrt benötigt, weil Gutachter und Mitarbeiter in Umweltbehörden oder Unternehmen gesucht werden. Biochemiker, Molekularbiologen, Genetiker und Zellbiologen entwickeln methodische und fachliche Kenntnisse, die für eine Beschäftigung in den Pflanzenwissenschaften sowie in einer beliebigen verwandten Disziplin inklusive Biomedizin und Laborleitung qualifizieren. Dabei erlernen Nachwuchskräfte ebenso komplexes Denken, Planung von Experimenten und wissenschaftliche Analyse, den Umgang mit großen Datenmengen und statistische Bewertung. Wichtig sind weiterhin Begeisterung und Selbständigkeit, die dann später Personalchefs sowie Auswahlkommissionen zu überzeugen vermögen.

Sie engagieren sich stark für andere Pflanzenwissenschaftler und für die DBG. Wie kam es dazu?

Meine Entscheidung für die Pflanzenwissenschaften fiel am Ende des Grundstudiums. Die Pflanzenphysiologie fand ich modern und molekular-biochemisch. Der Schwänzeltanz der Biene und die Schwimmblase des Fisches im tierphysiologischen Praktikum zogen mich nicht an. Seitdem begeistert mich die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen mehr und mehr, denn Pflanzen können Stressoren ja nicht ausweichen, sondern müssen sich Strategien einfallen lassen, an Ort und Stelle auf Stress zu reagieren. Auf diesem Weg haben mich viele engagierte MitarbeiterInnen sowie nationale und internationale Kooperationspartner begleitet. Dafür bin ich außerordentlich dankbar und möchte mit meinem Engagement für die DBG etwas dafür zurückgeben. Denn Wissenschaft lebt von Netzwerken und einer lebhaften Community. Für diese leistet die DBG auch 135 Jahre nach ihrer Gründung einen wichtigen Beitrag. In den vergangenen sechs Jahren konnte einiges bewegt werden. Alles in Allem ist die Aufgabe als Präsident der DBG herausfordernd und motivierend. Mein Dank gilt allen KollegInnnen, die sich im Vorstand und in den Sektionen für die DBG engagieren.

Was sind die nächsten Schritte, die die DBG nun einschlagen will?

Die DBG möchte sich weiterentwickeln und attraktiv für junge Mitglieder bleiben. Nach vierjähriger Diskussion erschien dem Vorstand die Zeit reif, auch soziale Medien in unser Portfolio einzubinden. Wenn die Wissenschaft dort unsichtbar bleibt, führt dies auch dazu, dass wir das Feld unnötig Wissenschaftskritikern überlassen. Die Mitgliederversammlung informierten wir in Kiel von diesem neuen Plan. Natürlich werden wir den Erfolg genau verfolgen, zumal wir dort fremde Felder bestellen deren Geschäftsbedingungen sich über Nacht ändern können. Wichtig ist daher eine Strategie, die Soziale Medien geschickt mit den Aktivitäten der DBG und der Website verknüpft, die der DBG gehört. Wir sind zuversichtlich, mit dieser Maßnahme die Attraktivität und Modernität der DBG 135 Jahre nach ihrer Gründung zu erhöhen und Mitglieder vermehrt in unsere Aktivitäten einbinden zu können. Dies wäre ein großer Gewinn.

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*) Im Jahr 2018 kommen noch zwei weitere Fachgesellschaften hinzu.

Das Interview führte die Redakteurin Dr. Esther Schwarz-Weig im Dezember 2017

Actualia · Tagungsbericht

10. Internationales Doktorandenkolleg für Entwicklungsbiologie

Die jungen Teilnehmenden tauschten sich intensiv über ihre wissenschaftliche Arbeit aus, sowohl untereinander als auch mit den geladenen etablierten Forschenden. Auch neue Kooperationen und Netzwerke sind schon Dank der PhD School entstanden. Foto: PhD School

Knapp 60 vorwiegend junge Forschende aus elf Ländern trafen sich zur zehnten International PhD School Plant Development, die in Retzbach nahe Würzburg stattfand. Professorin Rita Groß-Hardt schildert in ihrer Tagungsnachlese die Motivation der Gründungsväter, schildert das Konzept der Tagung und die technischen Fortschritte in der pflanzlichen Entwicklungsbiologie. Und sie nennt die beiden Preisträger für den besten Vortrag und das beste Poster zu den Themen Pflanzen mit drei Eltern sowie Epigenetik.

Als die beiden Professoren Thomas Dresselhaus und Rüdiger Simon vor zehn Jahren beschlossen, eine PhD School für Plant Development ins Leben zu rufen, war unklar, ob das Angebot überhaupt angenommen werden würde. Die beiden Gründungsväter griffen den Trend einer sich dynamisch entwickelnden pflanzlichen Entwicklungsbiologie auf und entwickelten ein Konzept, um international führende Expertinnen und Experten im Feld mit talentierten und motivierten NachwuchswissenschaftlerInnen zusammenzubringen.

Der kleine Rahmen von rund 50 bis 70 TeilnehmerInnen ermöglicht jedes Jahr einen sehr intensiven und inspirierenden wissenschaftlichen Austausch, ohne dabei mit Informationen zu überfordern. Rüdiger Simon betont, dass es ihnen bei der Planung wichtig war, "dass die Nachwuchswissenschaftler immer im Mittelpunkt stehen. Außer bei den Keynote lectures werden alle Vorträge von DoktorandInnen gehalten". Auch die Moderation der Sessions übernehmen jeweils die jungen Teilnehmenden. "Neben dem Trainingsaspekt bei der Darstellung und Diskussion von Forschungsergebnissen soll die PhD School DoktorandInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern auch als Plattform zur Etablierung zukünftiger Kooperationen dienen", ergänzt Thomas Dresselhaus.

57 Forschende aus 14 Ländern

In diesem Jahr kamen die 57 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Belgien, Dänemark, Schweden, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Spanien, der Schweiz, Österreich, der Tschechische Republik, Frankreich, Irland und Südkorea. Die hohe Akzeptanz, nicht nur beim wissenschaftlichen Nachwuchs, sondern auch bei den etablierten Forschenden zeigt, dass das Konzept nicht nur trägt, sondern eine wichtige Lücke geschlossen hat. Dank großzügiger Unterstützung verschiedener Sponsoren kann das Meeting einschließlich Kost und Logis für unter 200 Euro angeboten werden. Die niedrigen Kosten sind Teil des Konzeptes und "erlauben es auch Doktoranden aus schlecht finanzierten Forschungseinrichtungen an diesem Meeting mit herausragenden Gastsprechern teilzunehmen“, betont Rüdiger Simon.

Die PhD School war in verschiedene Sessions aufgeteilt, die jeweils durch einen internationalen Experten im Feld eingeführt wurde. Wichtige Impulse beim Verständnis der molekularen Grundlagen von Entwicklungsentscheidungen setzen technologische Fortschritte im Bereich des Genome Editings, der High-Throughput-Sequenzierung und dem Computer-gestützten Modellieren. Darüber hinaus beeindruckten die Teilnehmenden die Fortschritte im Verständnis des pflanzlichen Gedächnisses.

Den Preis für den besten Vortrag hat in diesem Jahr Thomas Nakel von der Universität Bremen erhalten. Nakel hat Ergebnisse präsentiert, die zeigen, dass pflanzliche Eizellen mit mehr als einer Spermazelle verschmelzen können und dass dieses seltene sogenannte Polyspermie Ereignis zu polyploiden Pflanzen führen kann. Der Preis für das beste Poster ging in diesem Jahr in die Schweiz an Lena Hyvärinen von der Universität in Genf. Die junge Wissenschaftlerin untersucht die spannende Frage, ob und wie die Information über Wetterbedingungen epigenetisch im Samen gespeichert werden und damit der nächsten Generation verfügbar gemacht werden.

Zum Schluss noch ein Dank an die Sponsoren, die Deutsche Botanische Gesellschaft, die Gesellschaft für Entwicklungsbiologie und Conviron, sowie an Dr. Juliane Heydlauff von der Universität Bremen, die große Anteile der Organisation übernommen hat und dem Organisationsteam (Kay Schneitz, Markus Schmid und Rita Groß-Hardt) damit geholfen hat, die PhD School auch in ihrem zehnten Jahr zu einem Erfolg zu machen. Ab dem nächsten Jahr übernehmen Dr. Angela Hay, Dr. Moritz Nowack und Prof. Arp Schnittger die Organisation. Die PhD School wird vom 10. bis 12. Oktober 2018 wieder in Retzbach-Zellingen stattfinden. Bitte notieren Sie sich diesen Termin.

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Bremen im Dezember 2017

Prof. Rita Groß-Hardt, Molekulare Genetik, Universität Bremen

Actualia · Tagungsbericht

Endosymbioseforscher am Bodensee

Viele Nachwuchsforscher tauschten sich mit Etablierten über (zell-)innere Symbiosen aus und kamen zum Foto auf dem Universitätscampus zusammen. Foto: Alexander Haas

In Konstanz am Bodensee traf sich vom 3. bis 6. September 2017 die Deutsche Sektion der International Society of Endocytobiology (ISE). Organisator Professor Peter Kroth berichtet in seiner Tagungsnachlese von Vorträgen über Zellen, Organellen und Symbiosen, den Sonderfall Plastiden und von Meeresschnecken, die sich Plastiden einverleiben und für sich nutzen. Die Teilnehmenden erinnerten sich in einem Ehrenvortrag an den Ulmer Professor Dr. Axel Brennicke, der vielen Forschenden weit über die Biologie hinaus bekannt war, und kürten Preisträger für beste Vorträge und Poster. 

Die Grundlagen von Symbiosen, Endosymbiosen, und Endocytobiosenen sind spezifische Interaktionen zwischen Organismen. Ähnlich verhält es sich mit Tagungen, auch hier stehen die Interaktionen zwischen den Wissenschaftler/innen im Vordergrund. Die ISE trifft sich alle drei Jahre; in den jeweils dazwischen liegenden Jahren finden sich die deutschen Forschenden jährlich zu kleineren Tagungen. Bei der 18. Jahrestagung der Deutschen Sektion der ISE trafen sich diesmal knapp 80 Teilnehmende vom 3. - 6. September 2017 in Konstanz am Bodensee, um die neuesten Ergebnisse ihrer Arbeiten zu diskutieren. Die Tagung wurde organisiert von Professor Peter Kroth und seinem Team. Die meisten Teilnehmenden reisten aus Deutschland an, die übrigen aus Frankreich, Österreich, Kanada und Japan. Das Besondere dieser Tagungen ist stets der hohe Anteil junger Nachwuchswissenschaftler, die hier eine willkommene Gelegenheit erhalten, ihre Arbeiten präsentieren zu können und Erfahrungen zu sammeln.

Auftakt im Naturkundemuseum mit Aussicht

Das Treffen begann mit einem gemeinsamen Abend im Bodensee-Naturmuseum und einem spektakulären Blick aus dem Panoramafenster auf den Bodensee. In den nächsten zweieinhalb Tagen wurden in 10 Symposien insgesamt 40 Vorträge zu verschiedenen Aspekten von Zellen, Organellen und Symbiosen präsentiert. Einen großen Bereich nahmen hier die Plastiden ein, sowohl hinsichtlich ihrer Funktion, als auch ihrer Entstehung. Auch molekulare Aspekte der Mitochondrien sowie die Nutzung von Algen-Plastiden durch Meeresschnecken waren spannende Themen. Neben den Vorträgen wurden insgesamt 19 Poster präsentiert. Der Präsident der ISE-G, Professor Jörg Nickelsen aus München, zeigte sich hoch zufrieden über die hohe Teilnehmerzahl und Aktualität sowie Qualität der Beiträge.

Ansichten eines Profs

Ein besonderes Ereignis in diesem Jahr war der Vortrag von Professor Stefan Binder, der einfühlsam an den kürzlich mit 64 Jahren viel zu früh verstorbenen Ulmer Professor Dr. Axel Brennicke erinnerte. Brennicke hatte sich mit Mitochondrien aus der Nachtkerze, Oenothera berteriana, und später auch aus Arabidopsis thaliana beschäftigt. Neben seinen international vielbeachteten Arbeiten war Schreiben seine große Leidenschaft. Der Pflanzenforscher wurde auch durch seine ironischen wie kritischen Töne zum täglichen Wissenschaftsbetrieb einem breiteren Publikum bekannt. So schrieb er regelmäßig Artikel in der Fachzeitschrift „Laborjournal“ in einer eigenen „Ansichten eines Profs“ genannten Rubrik und verfasste Bücher wie „Wollen Sie wirklich Wissenschaftler werden? …dann los!“, aber auch Lehrbücher wie „Mohr/Brennicke: Pflanzenphysiologie“.

Preise

Auch dieses Mal hatte die Firma Eppendorf Preise in Form von automatischen Pipetten gespendet, so dass drei Eppendorf-Preise für die besten Vorträge von Nachwuchswissenschaftlern vergeben werden konnten. Diese gingen an Athena Hristou (Bochum, 1. Preis für den Vortrag "Interaction studies of cpSRP54 and chloroplast ribosomes within the cotranslational cpSRP pathway"), Matthias Burger (Ulm, 2. Preis für den Vortrag "Assembling RNA editosomes in Marchantia polymorpha") und an Daniel Neusius (München, 3. Preis für den Vortrag "Molecular characterization of the RNA-binding activity of the E2-subunit of the chloroplast pyruvate dehydrogenase complex"). Zudem wurde Marie-Kristin Nagel (Konstanz) mit dem Peter Sitte-Posterpreis ausgezeichnet für Ihre Präsentation von "Function of AMSH3 and SH3P2 in intracellular membrane trafficking in Arabidopsis thaliana". Dank der Förderung durch die DBG konnte vielen Nachwuchsforschern die Teilnahme ermöglicht werden.  

Konstanz, im Oktober 2017

Prof. Dr. Peter Kroth, Lehrstuhl Pflanzenökophysiologie, Universität Konstanz

Actualia

Nachruf: Professor Dr. Otto Kandler (1920–2017)

Professor Dr. Dr. h.c. Otto Kandler mit dem Modell von Pseudomurein. Foto: privat, mit freundlicher Genehmigung der Familie Kandler

Ehrenmitglied der DBG Otto Kandler, Inhaber des Lehrstuhls für Botanik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wurde als Kind für seine Darwin-Begeisterung bestraft, doch sein biologisches Interesse blieb. Er widmete sich zahlreichen Disziplinen: Er untersuchte Physiologie, Biochemie und Systematik von Pflanzen und Bakterien und entdeckte physiologische Prozesse, wie erstmals die lichtabhängige ATP-Bildung in vivo oder die Synthese verzweigt-kettiger Monosaccharide. Gemeinsam mit Carl Woese entwickelte er das Drei-Domänen-Konzept des Lebens. Kandler ist vor kurzem im Alter von 96 Jahren verstorben. Sein Schüler, Professor Dr. Widmar Tanner, erinnert in seinem Nachruf an Leben und wissenschaftliches Werk der vielfach ausgezeichneten, temperamentvollen und diskutier-freudigen Wissenschaftlerpersönlichkeit.

Otto Kandler verstarb am 29. August 2017 in München. Am 23. Oktober 1920 in Deggendorf in Niederbayern als sechstes Kind einer Gärtnerfamilie geboren, besuchte er acht Jahre die Volksschule und interessierte sich früh für Botanik bzw. für Biologie ganz allgemein. Als er mit 12 Jahren dem Religionslehrer davon berichtete, dass er Bücher über Charles Darwin lese, bekam er dafür Stockhiebe; möglicherweise bestärkte dies aber nur sein Interesse, so dass ihn ein Leben lang evolutionsbiologische Fragestellungen besonders beschäftigten. Seine Lehrer ermunterten die Eltern, ihren Sohn weiter studieren zu lassen. So besuchte er von 1935 bis 1938 die „Deutsche Aufbauschule“ in Straubing, eine Lehrerbildungsanstalt für begabte Kinder aus nicht vermögendem Hause.

Notabitur, Schuttschaufeln und Photosynthese

Während des gesamten 2. Weltkrieges diente Otto Kandler als Bodenfunker in der Wehrmacht in Russland, bevor er 1946 nach einem Notabitur das Studium der Botanik, Zoologie, Chemie und Physik an der Ludwig Maximilians-Universität in München aufnahm. Als Voraussetzung für die Zulassung zum Studium musste er, wie damals üblich, Schutträum- und Aufbauarbeiten nachkommen; es waren für ihn etwa 500 Stunden. 1949 promovierte er mit „summa cum laude“ mit einer Arbeit über die Nutzung pflanzlicher Gewebekulturen für stoffwechselphysiologische Fragestellungen, die er bei Karl Suessenguth anfertigte. Von 1949 an war er als wissenschaftlicher Assistent, bzw. nach seiner Habilitation 1953 als Privatdozent bis 1957 an der LMU tätig. Ein Rockefeller-Stipendium ermöglichte ihm 1956/57 einen Aufenthalt in den USA; dort arbeitete er in den Laboratorien von Martin Gibbs und Melvin Calvin an zentralen Fragen der Photosynthese.

Bakterienzellwände, Resistenz und Milchwirtschaft

Neben seinen pflanzenphysiologischen Kerninteressen hat sich Kandler parallel schon früh für Bakterien, vor allem für das Vorhandensein bzw. Fehlen ihrer Zellwände interessiert. Zusammen mit seiner Doktorandin und späteren Ehefrau, Gertraud Schäfer, publizierte er aufsehenerregende Arbeiten über die sog. PPLOs, zellwandlose, Penicillin-resistente Bakterien (jetzt Mycoplasmen); Arbeiten, die selbst heute noch zitiert werden, so z. B. 2009 in "Nature".

Im Jahr 1957 übernahm Otto Kandler die Leitung des Bakteriologischen Instituts der Süddeutschen Versuchs- und Forschungsanstalt für Milchwirtschaft in Freising-Weihenstephan; eine sehr mutige Entscheidung, da ihm jedwede milchwirtschaftlich-mikrobiologische Erfahrung fehlte. Auch nach seiner im Jahre 1960 erfolgten Berufung auf den Lehrstuhl für Angewandte Botanik an der TU München – inzwischen längst ein weithin anerkannter milchwirtschaftlicher Experte – behielt er bis 1965 die Leitung des Freisinger Instituts bei. 1968 wurde Otto Kandler auf die Professur für Allgemeine Botanik an die LMU berufen;1985 wurde er emeritiert.

Systematik bis Physiologie

Als Wissenschaftler verfügte Kandler über eine erstaunliche Breite, wie wir sie heute kaum noch finden. So hat er nicht nur in der Botanik und in der Mikrobiologie durch seine Publikationen großes nationales und internationales Ansehen erworben, sondern sah sich als Pflanzenphysiologe über Jahre hin auch in der Lage, die Pflanzensystematik durch eine mehrstündige Vorlesung in der Lehre zu vertreten. Auch die Ökophysiologie hat er vermittelt und auf Exkursionen alle einschlägigen Messmethoden praktisch angewandt und gelehrt. Entsprechendes gilt für die Mikrobiologie, wo er taxonomische ebenso wie physiologisch-biochemische, Arbeiten mit großem Erfolg durchgeführt hat. Die wichtigsten Entdeckungen bzw. grundlegenden Arbeiten, die mit Kandlers Namen verbunden sind, stammen aus den Gebieten der Photosynthese, des pflanzlichen Kohlenhydratstoffwechsels, der Strukturaufklärung bakterieller Zellwände (Mureine/Peptidoglykane), der Systematik von Lactobazillen und einer Neukonzeption zur Phylogenie der Organismen; dazu gehören aber auch die engagierten und kritischen Beiträge zum sog. Waldsterben.

ATP und Zucker

So hat Kandler zu Beginn der 1950er Jahre bereits aus in vivo-Versuchen auf eine lichtabhängige ATP-Bildung geschlossen, Befunde, denen Daniel Arnon, der die Photophosphorylierung in isolierten Chloroplasten nachgewiesen hat, später vollen Kredit gezollt hat. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hat Kandler das Vorkommen von ADP-Glucose, den Glucose-Donor der Stärkebiosynthese, zum ersten Mal in Pflanzen nachgewiesen. Er hat wesentlich zur Aufklärung der komplizierten Biosynthese verzweigt-kettiger Monosaccharide (Hamamelose, Apiose) beigetragen und schließlich die Biosynthese der in Pflanzen häufigsten Oligosaccharide, der Zucker der Raffinose-Familie, aufgeklärt. Im Zusammenhang mit dem zuletzt genannten Befund wurde die Funktion des Galaktinols, eines Galaktosids des Inositols, als Galaktosyl-Donor und somit jene des Inositols als Cofaktor von Zuckertransfer-Reaktionen in Pflanzen entdeckt.

Drei Domänen der Organismen

Die Untersuchungen zur Zusammensetzung und Primärstruktur des bakteriellen Mureins, dessen Vielfalt Kandler überhaupt erstmals erkannte, führte zu einer verbesserten Klassifizierung der Gram-positiven Bakterien. Der von seiner Arbeitsgruppe geführte Nachweis des Fehlens eines echten Murein-Sacculus bei den Archaebakterien (heute „Archaeen“) war ein wesentlicher Befund für die Abtrennung dieser Organismengruppe von den Bakterien. Bei einigen der Archaeen konnte eine neuartige Zellwandkomponente, das Pseudomurein, nachgewiesen und in seiner Struktur aufgeklärt werden. Ein besonderes Steckenpferd Kandlers war die Physiologie und Systematik der Lactobazillen, über die er auch das einschlägige Kapitel in „Bergey’s Manual“, der „Bibel“ der Mikrobiologen, verfasste. Zuletzt hat er sich mit auf-sehenerregenden Arbeiten zur Evolution und zu einer globalen Klassifizierung aller Organismen in drei Domänen hervorgetan, eine Neugliederung, die er in Zusammenarbeit mit Carl Woese konzipierte, den er den „Darwin des 20sten Jahrhunderts“ nannte. Schließlich war es Kandler, der als erster deutscher Mikrobiologe die Bedeutung der Archaeen erkannte und dem es durch seine Überzeugungskraft gelang, in Deutschland eine Forschungsaktivität auf diesem Gebiet auszulösen, wie sie weltweit einmalig war.

Gegen den Trend: Waldsterben früh angezweifelt

So wie sein großer mikrobiologischer Wissensfundus dazu beigetragen hat, die Lösung bestimmter Umweltprobleme praktisch voranzutreiben, so haben Kandler, den Botaniker, in der Diskussion um das sog. Waldsterben besonders einseitige Darstellungen und einfältige Deutungen auf den Plan gerufen. Der Vorstellung von der anthropogenen Zerstörung des Ökosystems Wald hielt er seine Epidemie-Hypothese entgegen, getragen von dem Bewusstsein, dass die mitteleuropäischen Wälder in vergangenen Jahrhunderten, also lange vor Industrialisierung und Autoverkehr, schon mehr als eine Kalamität überstanden hatten. Dabei hat Kandler nach seiner Emeritierung neben intensiven Ortsbegehungen eine immense Archivauswertung und Dokumentation durchgeführt, die in ihrer Solidität Ihresgleichen sucht. Es muss ihn in seinen letzten Jahren gefreut haben, dass sich mehr und mehr die Meinung durchsetzt, dass das Waldsterben keine wissenschaftliche Hypothese, sondern eher ein politischer Irrweg war. 

Auszeichnungen und Ehrungen

Kandler hat sich auch in der Hochschul- und Wissenschaftspolitik für die Universitäten und für die Fächer Botanik und Mikrobiologie verdient gemacht. Er war 1962 Dekan der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften der TU München und 1973/74 Dekan der Fakultät für Biologie der LMU. Von 1969 bis 1976 war er Mitglied des Senats und des Hauptausschusses der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er war Mitherausgeber der „Zeitschrift für Pflanzenphysiologie“, der „Archives of Microbiology“ und der „Systematic and Applied Microbiology“; letztere  hat er gegründet. Otto Kandler war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft, der ältesten botanischen Gesellschaft der Welt. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Gent, Belgien, und jene der Technischen Universität München. Für seine grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiet der Bakteriensystematik wurde er 1982 mit dem Bergey-Award ausgezeichnet und 1989 mit der Ferdinand Cohn-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Von seinen Schülern wurden vier auf einen pflanzenwissenschaftlichen und 13 auf einen mikrobiologischen Lehrstuhl berufen.

Otto Kandler war eine außerordentlich vitale, temperamentvolle und diskutier-freudige Wissenschaftlerpersönlichkeit. Hinter seiner kämpferischen Natur hat man den feinsinnigen Kunstkenner und -sammler nicht vermutet. Trotz seiner vielen beruflichen Aktivitäten war Kandler auch ein ausgesprochener Familienmensch; seine Frau Gertraud, drei Töchter und vier Enkel könnten viel davon erzählen.

Die deutsche Botanik und Mikrobiologie hat mit Otto Kandler, einer Forscher- und Lehrerpersönlichkeit mit seltener Ausstrahlung, einen auch international hochangesehenen Wissenschaftler verloren.

Im November

Prof. em. Dr. Widmar Tanner, Uni Regensburg

Actualia · Tagungsbericht

Botanikertagung 2017: Dänische und internationale Perspektive

Ein Teil der Teilnehmer fand sich in einer Pause zum Gruppenfoto auf dem Campus der Universität Kiel (CAU) zusammen. Foto: Christian-Urban, CAU

„Pflanzenwissenschaften in einer sich wandelnden Welt“, war das Motto, unter dem die diesjährige Botanikertagung vom 17. bis zum 21. September an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel stattfand. Erstmals war die Tagung in enger Kooperation mit dänischen Kollegen durchgeführt worden, die vom interdisziplinären Konzept begeistert waren. Tagungspräsidentin Professorin Karin Krupinska berichtet in ihrer Tagungsnachlese außerdem von den Vorteilen für Nachwuchswissenschaftler und warum der interdisziplinäre Austausch wichtig bleibt, um die Zukunft zu sichern.

Von den 470 Teilnehmern der Tagung, die die DBG im zweijährigen Turnus veranstaltet, kamen 20 Prozent aus dem Ausland und fast die Hälfte aus Übersee. Die Kollegen aus dem benachbarten Dänemark hielten Vorträge und waren auch an der Organisation der Symposien beteiligt. Am ersten Tag fand ein Symposium zum Andenken an Prof. Diter von Wettstein statt, der mehr als 20 Jahre am Carlsberg-Forschungszentrum in Kopenhagen gewirkt hatte und am 13. April 2017 verstarb. Er hatte unzählige Schüler, von denen viele Professuren in Dänemark und Deutschland innehaben. Sechs Vorträge deckten wesentliche Aspekte seiner umfassenden Forschungsaktivitäten ab: Photosynthese, Entwicklung des Gerstenkorns, Speicherproteine, Hefe-Genetik sowie biotechnologische Ansätze.

Internationale Bühne

Für internationales Flair sorgten 21 Vortragende, die aus Übersee und dem europäischen Ausland angereist waren. 17 Plenarvorträge international ausgewiesener Experten sorgten für ein hohes wissenschaftliches Niveau der Tagung. Der persönlich wie wissenschaftlich eindrucksvolle Vortrag von Katayoon Dehesh von der University of California Riverside (USA) war ihrem Mentor Klaus Apel gewidmet, der von 1982 bis 1990 Professor am Botanischen Institut der CAU zu Kiel war und der am 30. Juni verstorben war.

Am Montagabend trug Andreas Graner, der Direktor des Leibniz-Instituts für Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, in einer öffentlichen Veranstaltung über die globale Ernährungssicherung vor. Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema. Eine Ausstellung zu den Schätzen des Kieler Universitätsherbariums sowie Exkursionen am Donnerstagnachmittag rundeten das Programm ab.

17 Plenarvorträge und 11 Symposien

Im Fokus der Tagung standen Biodiversität und Ökosysteme, Interaktionen von Pflanzen mit der Umwelt, Evolution, Zellbiologie, Photosynthese, Algen, Organisation und Expression von Genomen, Wachstum und Entwicklung, Naturstoffe und Sekundärstoffwechsel, Biotechnologie sowie Nutzpflanzen. Zusätzlich zu den elf Symposien, die sich diesen vielfältigen Themen widmeten, gab es sieben Workshops zu speziellen Themen, zum Beitrag der Pflanzenwissenschaften zur Züchtung neuer Kulturpflanzen, zur Messung von Biodiversität, zur Phänotypisierung von Pflanzen, zu speziellen methodischen Aspekten.

Angeregt durch interdisziplinären Austausch

Die 40-minütigen Plenarvorträge waren durchgängig gut besucht. Durch die Themenvielfalt konnten sich die Zuhörer einschließlich der eingeladenen Gäste einen breiten Überblick über die aktuellen Forschungsarbeiten in den Pflanzenwissenschaften verschaffen. Der interdisziplinäre Austausch regte einzelne Gastredner an, ihre Vorträge inhaltlich abzuändern. Michael Broberg Palmgren von der Universität Kopenhagen nahm die öffentliche Veranstaltung am Montagabend zum Anlass, überzeugende Ansätze zur Erhöhung der Stressresistenz von Nutzpflanzen durch „Rewilding“ vorzustellen.

In elf Symposien wurde ein breites Spektrum der Pflanzenwissenschaften abgedeckt. Die Symposien fanden am Nachmittag in der Regel in zwei parallelen Sitzungen statt und wurden durch Workshops in der Mittagszeit oder am Abend ergänzt. Durch die geringen zeitlichen Überschneidungen der einzelnen Veranstaltungen war es den Tagungsteilnehmern möglich, sich auch über die Forschungsaktivitäten in Feldern der Pflanzenwissenschaften, die keinen direkten Bezug zu ihren Forschungsarbeiten haben, zu informieren. Zusätzlich zu den 77 Vorträgen in den Symposien präsentierten Wissenschaftler 235 Poster.

Förderung des Nachwuchses

Ein besonderes Ziel der Botanikertagungen ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der Besuch dieser Tagung ist bekanntermaßen für viele junge Wis-senschaftler nicht nur wichtig für den Aufbau ihres wissenschaftlichen Netzwerkes, sondern auch für ihre berufliche Orientierung. Außerdem eignet sich die Tagung dazu, diejenigen kennen zu lernen, denen man später in Berufungskommissionen gegenüber sitzen könnte.

Drei Nachwuchswissenschaftler erhielten Preise, die die DBG mit Unterstützung der Pfeffer-Stiftung und dem Springer-Spektrum-Verlag für besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Pflanzenwissenschaften vergibt. Zusätzlich vergab die DBG zwölf Preise für die besten Poster.

Um den wissenschaftlichen Austausch auch außerhalb des Terminplans der Tagung zu fördern, waren alle Poster über den gesamten Zeitraum der Tagung zugänglich. Zwei Workshops, - zur schriftlichen Abfassung und zur Medienpräsenz von Forschungsarbeiten -, wandten sich gezielt an Nachwuchswissenschaftler.

Aktuelle Herausforderungen erfordern Vernetzung statt Spezialisierung

Das Motto der Tagung wurde von vielen Vortragenden aufgegriffen. So spielten der Klimawandel und die sich daraus ergebenden Anforderungen an die Pflanzenwissenschaften in vielen Vorträgen eine bedeutende Rolle. In Vorträgen zur Biodiversität wurden klimabedingte Veränderungen in Pflanzenpopulationen vorgestellt. Pflanzenphysiologen und Molekularbiologen beschäftigten sich mit der Anpassung an Stressfaktoren, wie Überflutung, Trockenheit und Hitze. Es wurde deutlich, dass wir ein wesentlich besseres Verständnis der Mechanismen brauchen, mit denen sich Pflanzen an eine sich immer schneller verändernde Umwelt anpassen.

Die Forschung an Nutzpflanzen war ein besonderer Schwerpunkt des breit gefächerten Programms und wurde in verschiedenen Symposien unter unterschiedlichen Blickwinkeln thematisiert. Im öffentlichen Abendvortrag stellte Andreas Graner, der Direktor des Leibniz Instituts für Pflanzenforschung in Gatersleben (IPK), die Frage „Können wir mit unseren Nutzpflanzen in 20 Jahren noch die Welt ernähren?“ In der Podiumsdiskussion im Anschluss an den Vortrag diskutierte Andreas Graner mit vier Vertretern aus Grundlagenforschung und angewandten Wissenschaften sowie Gesellschaft (siehe auch: https://www.deutsche-botanische-gesellschaft.de/wochenchronik-aktuell/alle-chroniken-2017-tabelle/dbg-chronik-43-2017/#c10179) unter Leitung von Karl-Josef Dietz, ob und wie die Pflanzenwissenschaft auf die Zunahme der Weltbevölkerung und den Klimawandel reagieren kann. Um Kulturpflanzen mit erhöhter Widerstandskraft gegenüber schnell wechselnden und immer extremer werdenden Umweltsituationen züchten zu können, müssen die Stress-Resistenz-Mechanismen von Pflanzen noch besser erforscht werden. Um das vorhandene Potenzial der Pflanzen zur Anpassung an Umweltfaktoren besser ausschöpfen zu können, muss die oft starke Spezialisierung auf einzelne Modellpflanzen und Methoden zugunsten vernetzter Forschungsansätze aufgegeben werden.

Resümee

Die Kieler Pflanzenwissenschaftler, die die Tagung gemeinsam mit dänischen Kollegen organisiert hatten, freuen sich über das hohe wissenschaftliche Niveau der diesjährigen Botanikertagung. Der wissenschaftliche Austausch war intensiv und brach trotz flotter Musik selbst auf dem „Think-Ship“ nicht ab. Die Stimmung unter den Teilnehmern, Organisatoren und deren Helfern - vorwiegend Doktoranden aus den an der Organisation beteiligten Instituten - war durchweg gut. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Tagung. Die dänischen Kollegen teilten mit, dass mit der Tagung eine Saat gelegt wurde, die in Zukunft in einer engeren Zusammenarbeit aufgehen wird. Da es im Hinblick auf die thematische Vielfalt keine vergleichbare Tagung im skandinavischen Raum gibt, darf bei den kommenden Botanikertagungen vermehrt mit Teilnehmern aus Dänemark gerechnet werden.

Kiel, November 2017
Tagungspräsidentin Karin Krupinska, Botanisches Institut der CAU zu Kiel

Actualia · Tagungsbericht

Symposium zum Andenken an Prof. Diter von Wettstein

Mehr als 50 Forschende gedachten dem Forscher, die schon vor der Start der Botanikertagung teils aus Übersee nach Kiel gereist waren. Foto: Karl-Heinz Kogel
Diter von Wettstein. Mit freundlicher Genehmigung von Penny von Wettstein

Diter von Wettstein war ein renommierter Pflanzengenetiker und -züchter, der 13. April 2017 nach einem erfüllten Leben als Wissenschaftler im Alter von 87 Jahren in Kopenhagen verstarb. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler gedachten seiner in einem wissenschaftlichen Satellitensymposium vor der diesjährigen Botanikertagung der DBG am 17. September in Kiel. In seinem Bericht erinnern die Organisatoren Prof. Karl-Heinz Kogel (Gießen), Prof. Mats Hansson (Lund) und Prof. Karin Krupinska (Kiel) an Wettsteins berufliche Stationen, Forschungsthemen und Auszeichnungen und spannen eine Brücke hin zu den aktuellen Forschungsthemen und –vorträgen der Wegbegleiter von Wettsteins.

Von Wettstein wurde am 20. September 1929 in Göttingen geboren und wuchs in einer Familie mit starker Verankerung in der akademischen Gesellschaft Österreichs und Deutschlands auf. Er promovierte 1953 in Tübingen über die Polarität von Moossporen. Im Anschluss war er Rockefeller Stipendiat am California Institute of Technology, Pasadena, sowie an der Carnegie Institution of Washington in Cold Spring Harbor und Stanford. Im Jahr 1957 promovierte von Wettstein ein zweites Mal in Schweden über die Ultrastruktur des Gerstenkorns und erhielt eine Assistenzprofessur für Genetik an der Universität Stockholm. Im Alter von 32 berief ihn die Universität in Kopenhagen zum Professor der Genetik. Ab dem Jahr 1972 war er Professor für Physiologie im Kopenhagener Carlsberg Laboratorium und seit 1996 R. A. Nilan Distinguished Professor an der Washington State University.

Themen, Schüler, Publikationen

Von Wettstein hat seine Arbeiten aus der Genetik, Pflanzenzüchtung Entwicklungsphysiologie, Zellbiologie, Biochemie und Molekularbiologie der Pflanzen in 350 Publikationen dokumentiert. Er bildete 55 Masterstudierende und 69 Promovierende aus und wirkte als Mentor für unzählige Postdoktorandinnen und Postdoktoranden aus zahlreichen Ländern; viele von ihnen sind heute Professorinnen und Professoren.

Seine zahlreichen Publikationen lassen sich folgenden Hauptthemen zuordnen:

  • Biogenese von Chloroplasten und Biosynthese von Photosynthese-Membranen,
  • Paarung von Chromosomen, Mechanismen des crossing-over und Genomanalyse,
  • biotechnologische Ansätze zur Erzeugung von Gerste ohne Proanthocyanidine,
  • Synthese und Mobilisierung von Endosperm-Proteinen in Gerste,
  • gentechnologische Ansätze zur Erzeugung von Gerste mit verbesserter Futterqualität und erhöhter Krankheitsresistenz,
  • Züchtung von Brauhefe.

Ehrungen

Von Wettsteins herausragende Arbeiten brachten ihm viele bedeutende Ehrungen ein. Er war unter anderem Mitglied der National Academy of Sciences USA, der Königlichen Dänischen Akademie der Wissenschaften, der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften, der Königlichen Physiographischen Gesellschaft in Lund sowie der European Molecular Biology Organization (EMBO), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Akademie der Technischen Wissenschaften in Kopenhagen, der Academia Europaea, Académie Royale des Sciences in Belgien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Er war Ehrenmitglied der Schwedischen Seed Association in Svalöf und ihm wurde u.a. die Gregor Mendel Medaille sowie die Kurt Mothes Goldmedallie der Leopoldina verliehen.

Symposium der Weggefährten

Das Symposium sollte einen repräsentativen Querschnitt über die großen wissenschaftlichen Erfolge von Wettsteins im Bereich der Pflanzenforschung und Hefegenomik geben. Dazu wurden hochkarätige WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Fachbereich eingeladen, die von Wettstein ein Stück des Weges begleitet haben, um von ihren damaligen und aktuellen Arbeiten zu berichten. Das Symposium wurde von Prof. Mats Hansson (Lund), Prof. Karin Krupinska (Kiel) und Prof. Karl-Heinz Kogel (Gießen) moderiert.

Photosynthese

In einem ersten “Photosynthese-Block” berichtete Prof. Mats Hansson, University of Lund, Schweden, über die Arbeiten an Photosynthesemutanten „Employing barley mutants to dissect a chlorophyll biosynthetic enzyme”, Prof. Roberto Bassi, University of Verona, Italien, über Arbeiten zur Photorezeption “Light use efficiency and photoprotection” und Prof. Henrik Vibe Scheller, Joint BioEnergy Institute, California, USA, über Aspekte der Zellbiomasse “Making a plant out of thin air - the role of cell walls in plant interaction with mycorrhizal fungi and rhizobia”.

Proteine und Genome

Nachfolgend berichtete Prof. Birte Svensson, Technical University of Copenhagen, Dänemark, über Arbeiten zu Gerstenspeicherproteinen und der Entwicklung des Gerstensamens “Proteins and enzymes behind barley grain development and germination” und Prof. Brigitte Regenberg, University of Copenhagen, Dänemark, über wegweisende Arbeiten zur Hefegonomik “Extrachromosomal circular DNA are common products of cross-over in the eukaryotic genomes“.

Genetik und Zöliakie

Abschließend stellte Prof. Sachin Rustgi, Clemson University, Florence, USA, der in den letzten Jahren mit von Wettstein an der Washington State University Pullman zusammengearbeitet hat, seine aktuelle Forschung über Weizengenetik mit Schwerpunkt auf den Zöliakie auslösenden Samenproteinen dar.  

Das Symposium war insbesondere durch die Darstellung bahnbrechender historischer Forschung und neusten diesbezüglichen Forschungsergebnissen sehr gelungen und war ganz im Sinne von Diter von Wettstein von einer hohen wissenschaftlichen Qualität der Beiträge geprägt.

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Im November

Karl-Heinz Kogel (Uni Gießen, http://www.uni-giessen.de/phyto) , Karin Krupinska (Uni Kiel, https://www.uni-kiel.de/krupinska/index.html) und Mats Hansson (Uni Lund, http://www.biology.lu.se/mats-hansson)

Actualia · Nachwuchsförderung · Tagungsbericht

Strasburger-Workshop: Kooperation und Konflikt zweier Genome

Die Teilnehmenden am dritten Workshop zur Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses waren aus mehr als fünf Ländern angereist. Foto: Niklas Buhk
Christina Wesse begeisterte die Zuhörenden mit ihrer Präsentation über die Verbreitungsanalyse einer Population des Hirtentäschel-Krautes, der den Preis für den besten Vortrag erhielt. Foto: Niklas Buhk
Die Teilnehmenden JungforscherInnen und ProfessorInnen lauschen einer Präsentation. Foto: Niklas Buhk

Der 3. Eduard Strasburger Workshop mit dem Titel Two Genomes in one Cell - Communication and Conflict lockte mehr als 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Polyploidie- und Hybridisierungsforschung nach Bremen. Dort thematisierten sie, welche Schwierigkeiten Zellen meistern, die ihre Chromosomensätze mischen oder gar vervielfältigen. Der Workshop fand vom 30. August und 1. September 2017 statt unter der Regie der Nachwuchswissenschaftler Dawit Girma Tekleyohans, Niklas Buhk und Thomas Nakel der Universitäten Oldenburg und Bremen. Die vorwiegend jungen Nachwuchskräfte reisten aus mehreren Nationen an, darunter Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden und Pakistan, was die internationale Relevanz des Themas unterstreicht. Die Organisatoren berichten in ihrer Tagungsnachlese unter anderem über neue Modellpflanzen, einen Genomschock, eine Methode zum Nachweis von drei Eltern und in welcher Weise junge Forschende bevorzugt wurden.

Dank der logistischen Unterstützung der Universität Bremen konnte der Workshop im Haus der Wissenschaft inmitten der historischen Altstadt stattfinden. Der prächtige Olbers Saal bot zwischen den Präsentationen genug Raum für Gespräche bei Kaffee und Gebäck. Schon das Treffen am Mittwochabend führte zum ersten wissenschaftlichen Austausch und es kristallisierten sich schnell zentrale Fragestellungen heraus, die uns auch nach dem Workshop weiter begleiten werden: Welche Auswirkung hat ein Hybridisierungs- oder Polyploidisierungsereignis auf die Programmierung einer Zelle? Was sind die Auslöser und welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Die resultierenden, angeregten Diskussionen boten eine ideale Grundlage, um Erfahrungen und Ergebnisse auszutauschen sowie Netzwerke und Kooperationen zu knüpfen.

Inhaltlich war der Workshop in drei Schwerpunkte unterteilt, die das gesamte Spektrum des Themas abdeckten. Der Fokus der ersten Session mit dem Titel “Fertilization and the Origin of Polyploidy” lag auf Befruchtungsprozessen, die zur Entstehung der Polyploidie beitragen können. Die Teilnehmenden diskutierten dabei lebhaft den Einfluss der Umwelt auf die evolutionäre Entwicklung von Polyploiden. Eingeladene Referenten, darunter auch erfahrene Professoren und Professorinnen, berichteten von ihren neuesten Ergebnissen:

Neue Modellpflanzen

Dr. Stephan Greiner vom Max Planck Institut für Molekulare Pflanzen Physiologie sowie Prof. Sabine Zachgo der Universität Osnabrück stellten die Pflanzen Oenothera (Nachtkerze) und Marchantia (Brunnenlebermoos) als zwei neue Modellorganismen vor. Beide Referenten verdeutlichten, dass der Einsatz neuer Modellorganismen von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis komplexer Entwicklungsprozesse ist. Diese Prozesse können auch zur Entstehung von Hybridisierungsbarrieren führen, wodurch Rückschlüsse auf generelle Evolutionsereignisse möglich werden.  

Prof. Christian Parisod der Universität Bern hat die Relevanz von transposablen Elementen hervorgehoben. Durch die veränderte epigenetische Kontrolle in Hybriden kommt es vermehrt zur Transposon Aktivierung. Diese Fehlregulationen verursachen weitgehende Änderungen am gesamten Genom, welche eine Schlüsselrolle in der Bildung von Artengrenzen spielen.

In diesem Zusammenhang berichtete Dr. Stephan Scholten von einem weiteren regulatorischen Mechanismus der genomische Inkompatibilität und somit Artenbildung beeinflusst. Er untersucht an der Universität Hamburg hybride Inzuchtmaislinien. In solchen Hybriden kommt es zur Fehlregulation von  sRNA (kleinen RNA) Fragmenten, die weitreichende Konsequenzen auf die Entwicklung der Nachkommen hat. So können einerseits positive Heterose Effekte, als auch negative Effekte, aufgrund der genomischen Instabilität beobachtet werden.  

Genomschock

Zwei Forscher der Universität Göttingen vertieften den Einblick in natürliche Hybridisierungsereignisse. Prof. Elvira Hörandl  berichtete, dass Kreuzungen von Salix und Ranunculus einen Genomschock auslösen. Dieser beeinflusst das Schicksal der Nachfolgegenerationen entscheidend. In diesem Zusammenhang, konnte  Bahrum Ulum auch einen Einfluss externer Paramater auf die Artenbildung zeigen. Er berichtete, dass photoperiodischer Stress die meiotische Phase, sowie die Sporogenese verändert.
Elvis Katche der Universität Gießen untersucht Entwicklungsdefizite in allopolyploiden Pflanzen auf genetischer Ebene. In solchen Kreuzungen liegen unterschiedliche Genome mit oftmals ungerader Anzahl an Chromosomen vor. Seine Resultate zeigen, dass die Restrukturierung, Teilung und Fusion der einzelnen Subgenome zur Evolution von neuen homologen Chromosomen führen kann. Diese Ereignisse stellen einen ersten Schritt hin zur Entwicklung neuer stabiler Spezies dar.

Polyploidisierungereignisse sind ein grundlegender Bestandteil der pflanzlichen Evolution. Die Rekonstruktion solcher historisch, evolutionärer Ereignisse ist aufgrund von fehlenden Methoden, mit denen sich Phylogenien korrekt rekonstruieren lassen, erschwert. Eine neue Methode, präsentierte Christoph Oberprieler, welche computergestützte Multi-Lokus Sequenzdaten mit einem MSC (Multi Spezies Coalescence) Modell verknüpft.

Nachweis von drei Eltern

Eine andere interessante Methode um der Evolution auf die Spur zu kommen wurde von Dr. Dawit Tekleyohans vorgestellt. Die Forschenden modifizierten ein Zweikomponentensystem und konnten so Nachkommen identifizieren, die durch die Fusion einer Eizelle mit zwei Spermien entstehen. In diesem spannenden Vortrag konnte gezeigt werden, das Pflanzen mit drei Eltern existieren und somit Polyspermy eine plausible Route zur Polyploidisierung darstellt.
Die Konsequenz von Genomduplikationen auf die Blütenentwicklung war der Schwerpunkt des Vortrags von Dr. Mariana Mondragon-Palomino der Universität Regensburg. Mit der Hilfe Ihrer Erkenntnisse können gewünschte genetische Eigenschaften in wichtigen Nutzpflanzen gestärkt werden.

Niklas Buhk von der Universität Oldenburg berichtete von neuen Forschungsergebnissen zu Salicornia (Queller). Diese Pflanzen weisen je nach Standort unterschiedliche Ploidien auf. Bemerkenswert ist, dass Queller abhängig von Standort und Ploidiegrad von unterschiedlichen endophytischen Pilzen kolonisiert wird. Diese Plastizität ermöglicht den Pflanzen eine Anpassung an extreme Standorte.  

Ein inspirierender Vortrag wurde von Christina Wesse aus der Universität Osnabrück gehalten. Sie untersuchte im Zuge ihrer Doktorarbeit, welche Rollen phänotypische Plastizität und ökotypische Differenzierung auf die invasive Kapazität der Capsella bursa-pastoris (Hirtentäschel) ausüben.

Die letzte Einheit des Workshops leitete Dr. Michael Nodine vom Gregor Mendel Institut in Wien (Österreich) ein.  Dr. Nodine beschäftigt welchen Einfluss miRNA (mikro RNAs) auf die Pflanzenembryoentwicklung ausübt. Diese kleinen Moleküle beeinflussen sowohl die Musterentwicklung als auch die zeitliche Kontrolle des Übergangs von der Morphogenese in die Reifungsphase des Embryos.

Genomisches Ungleichgewicht

Auch Hormone spielen in der Entwicklung von Pflanzenembryos eine Schlüsselrolle. In Pflanzen wird nicht nur die Eizelle sondern auch die Zentralzelle befruchtet. Während das genetische Material der Eizelle an die nächste Generation weitergegeben wird, bildet die Zentralzelle das Endosperm. Dieses Gewebe dient der Ernährung des Embryos. Das Endosperm toleriert genomisches Ungleichgewicht kaum und dessen genetische Fehlregulation führt meist zum Absterben des gesamten Samens. Das Pflanzenhormon Auxin ist einer der Faktoren, die die interzelluläre Kommunikation zwischen dem Endosperm und der Samenschale kontrollieren, erklärte Dr. Duarte Figueiredo der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften.

Auch an der Universität Bremen wird an der Wirkung von Pflanzenhormonen geforscht. Das gasförmige Hormon Ethylen spielt eine zentrale Rolle in vielen pflanzlichen Prozessen. Vor kurzem konnte gezeigt werden, dass der Ethylen-Signalweg auch eine entscheidende Rolle in der Befruchtung spielt. Dr. Juliane Heydlauff referierte über die Auswirkungen, die eine Unterbrechung des Ehtylen-Signalweges auf die Endosperm-Entwicklung hat.

Alle jungen WissenschaftlerInnen präsentierten sehr gute Arbeiten. Christina Wesse von der Universität Osnabrück konnte die Jury überzeugen und bekam den Preis für Ihren Vortrag mit dem Titel: „Geographical Structure of Shepherd´s Purse Population: A worldwide perspective“.

Junge Forschende bevorzugt

Gern angenommen wurde auch das soziale Programm, zu dem eine Besichtigung der historischen Altstadt sowie ein ausgezeichnetes Abendessen im Louis & Jules an der Schlachte zählte. An den beiden Workshop-Tagen knüpften die Teilnehmenden zahlreiche Kontakte, die zu verstärkter Zusammenarbeit und gemeinsamen Projekten führen werden. Im Vordergrund standen dabei junge WissenschaftlerInnen sowie die Studierenden, die beispielsweise in der Diskussion zuerst Fragen an die Vortragenden stellen durften. Die eingeladenen ProfessorInnen konnten dank ihrer Erfahrung sowohl über aktuelle Forschungsfragen informieren als auch detaillierte Einblicke in ihr spezielles Forschungsfeld geben. Die Doktorandinnen und Doktoranden konnten dadurch den Blick über ihre Arbeit hinaus schärfen und sich für zukünftige Herausforderungen wappnen. Dank des überragenden Feedbacks und der vielen Anfragen von interessierten Studierenden, Doktorierenden und PostDocs denken die drei Organisatoren bereits über eine Fortsetzung des Workshops in den kommenden Jahren nach. Dank der finanziellen Unterstützung der DBG konnten die Reisekosten der eingeladenen SprecherInnen, der Vortragsraum, das Programmheft und der Vortrags-Preis finanziert werden.

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Im Oktober 2017

Niklas Buhk (Uni Oldenburg https://www.uni-oldenburg.de/plant-evol/) und Thomas Nakel (Uni Bremen, http://www.uni-bremen.de/en/molgen.html) und Dawit Tekleyohans (Uni Bremen, http://www.uni-bremen.de/en/molgen.html)

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N-term 2017: Proteinspezialisten treffen sich in Halle

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „N-term 2017“ kurz nach der Aufforderung ...and now, show your favorite N-terminal amino acid in single-letter code! Foto: Antje Hellmuth, IPB Halle
Verleihung des EMBO-Posterpreises von Dan Gibbs (links) an Sjon Hartman (Utrecht) sowie der Springer Nature-Posterpreise an Leah Taylor-Kearney (Oxford, links) und Su Hyun Lee (Seoul), die über aktuelle Aspekte molekularer proteostatischer Mechanismen in Pflanzen und Säugerzellen sowie evolutionsbiologische Ansätze berichteten. Foto: Pavel Reichman, IPB Halle
N-Term Konferenz-Poster

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt thematisierten vom 11.-13. September 2017 am Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle/Saale das Schicksal von Proteinen. Die Tagung N-term 2017 – Proteostasis via the N-terminus lockte über 100 SpezialistInnen zu über 40 Vorträgen aus Tier- und Pflanzenwissenschaften sowie Medizin und Biotechnologie in die Saalestadt. Trotz dieser vermeintlich unterschiedlichen Fachgebiete vereinte die Experten die Proteinhomöostase oder Proteostase, also die Regulierung von Eiweißen in lebenden Zellen. Hauptorganisator Nico Dissmeyer berichtet in seiner Tagungsnachlese über das erste interdisziplinäre Zusammentreffen der Proteinexperten, die besten Poster und Vorträge sowie über ein Forschungsthema, in dem die Pflanzenwissenschaften stark vertreten sind. Eine Fortführung der Tagung ist bereits geplant.

Die Prozesse der Proteostase werden durch posttranslationelle Modifikationen (PTMs) gesteuert und führen bis hin zu Proteinrelokalisierung und Proteinabbau (Proteolyse). Unter Proteostase versteht man die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen den Proteinen, die als Enzyme alle physiologischen Prozesse wie zum Beispiel Atmung, Verdauung, Entwicklung oder Immunabwehr in allen Lebewesen steuern. Um das korrekte Zusammenspiel aller Proteine, des Proteoms, zu gewährleisten, müssen sie stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort und in der richtigen Art und Weise wirken. Das dynamische Proteom unterliegt daher einem ständigen Auf- und Abbau. Proteine können nach Bedarf produziert und nach Erfüllung ihrer Funktion inaktiviert und abgebaut werden. Auch fehlgefaltete, beschädigte und nichtfunktionierende Proteine werden von der Zelle erkannt und entsorgt.

Spezifische Erkennung und Modifikationen am N-Terminus

Eine mögliche Information über die natürliche Lebensdauer liefert jedes Protein gleich mit: Sie befindet sich am Amino- oder N-Ende des Proteins. Ein Themenschwerpunkt lag auf proteolytischen Prozessen, die u.a. an diesen N-Termini von Proteinen stattfinden oder diese bspw. durch molekulare Erkennungsprozesse involvieren. Viele Beiträge hatten dem sogenannten N-end Rule Pathway zum Thema. Diese N-terminalen Aminosäuren können u.U. Schicksal und Lebensdauer des gesamten Proteins bestimmen. Eine Fehlfunktion in diesem feinregulierten Gleichgewicht kann die Ursache sein für viele schwerwiegende Krankheiten von Pflanzen, Tieren und Menschen.

Das Organisationsteam, Nico Dissmeyer (Halle), Daniel Gibbs (Birmingham), Emmanuelle Graciet (Maynooth) und Michael Holdsworth (Nottingham), setzte sich zum Ziel, die erste international und interdisziplinär ausgelegte Fachtagung für posttranslationelle Modifikationen durchzuführen, die an oder durch den Amino-Terminus von Proteinen stattfinden bzw. durch diesen vermittelt werden. Unter dem Titelthema der Proteostase wurde während N-Term 2017 ebenso über neurodegenerative Krankheiten und neue Therapien gegen das Leberzellkarzinom diskutiert, wie über pflanzliche Stressreaktionen bei Sauerstoffmangel und Krankheitsbefall.

Mechanismen und Phänotypen N-termininaler (Fehl-) Regulation

Highlights waren die beiden Plenarvorträge von Prof. Dr Andreas Bachmair von den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) an der Universität Wien sowie von Prof. Dr. Yong Tae Kwon vom Protein Metabolism Medical Research Center an der Seoul National University in Korea. Sie vermittelten umfassende, klare Bilder sowohl von historischen Aspekten als auch konzeptionellen Neuheiten im Feld. Sie verknüpften nicht nur elegant den Spagat zwischen PTMs im proteasomalen Proteinabbau versus desjenigen, der durch Autophagie stattfindet, sondern ebenso zwischen Mechanismen aus Modellsystemen, wie sie fast unterschiedlicher nicht sein können: Hefe und Pflanze oder Säugetiere und Massenspektrometrie. „Of mice, rats and leaves: Comparative N-terminomics“ war dazu der passend programmatische Beitrag von Pitter Huesgen (Jülich). Durch den Vortrag von Martin Zenker (Magdeburg) beispielsweise konnten sich die Teilnehmenden mit humangenetischen und krankheitsbedingten Details des Johanson-Blizzard-Syndroms am Menschen auseinandersetzen. Inhaltlich kann die Tagung als wahrlich interdisziplinär dargestellt werden; was sie von zahlreichen anderen Tagungen unterscheidet. Alle aktuellen Aspekte der Forschung konnten durch die Auswahl der Teilnehmenden abgedeckt werden, egal, in welchem organismischen Kontext sich die Fragestellungen ergaben.

Interdisziplinäre Konzepte und Pflanzenforschung stark vertreten

Ausweislich der Schwerpunkte der Beiträge dreht es sich in der aktuellen Forschung im Themengebiet der Tagung im Allgemeinen um molekulare Enzymologie, Biochemie und Strukturbiologie sowie der Bedeutung der Proteostase in physiologischen Kontexten. Im Speziellen drehte es sich um Proteinaggregation und -abbau neuronaler Proteinfragmente, um Humangenetik und Organentwicklung, um Proteinmodifikationen im Kontext des programmierten Zelltods, neue Funktionen in der pflanzlichen Entwicklung und Anpassung an Umweltstresse sowie biotechnologische und massenspektrometrische Methoden. Die Pflanzenwissenschaften waren im Vergleich zu den Nachbardisziplinen leicht überrepräsentiert, was zu einer intensiven Diskussion der N-end Rule in der pflanzlichen Signaltransduktion und der pflanzlichen Antwort auf biotische und abiotische Stressoren führte.

Immer stärker wird im Feld eine Verbindung von N-terminalen posttranslationellen Modifikationen, insbesondere der Arginylierung, und Autophagie deutlich. Dies wurde durch zahlreiche Beiträge erläutert, die Rezeptoren, Substrate und mögliche Funktionen von N-terminaler Arginylierung präsentierten. Im intensiven Austausch der Kolleginnen und Kollegen wurde ebenfalls festgehalten, dass die sogenannte N-Ende-„Regel“ (N-end Rule) weitaus plastischer und komplexer ist, als lange angenommen und auch in Literatur und Lehrbüchern festgehalten ist. Viele als destabilisierend angenommene PTMs führten nachweislich weder zu Erkennung durch die molekularen „Rezeptoren“ noch zu einem letztendlichen Proteinabbau. Dennoch war man sich einig darüber, dass von einem „Trend“ zu sprechen ist, aber eben nicht jede potentiell destabilisierende Modifikation zu Proteinabbau führen müsste.

NachwuchswissenschaftlerInnen hoch im Kurs

Die Organisierenden luden gezielt TeilnehmerInnen verschiedener Karrierestufen zum Meeting ein und schufen so eine Atmosphäre, die einen generationenübergreifenden Diskurs ermöglichte. Das Organisationsteam konnte viele GruppenleiterInnen überzeugen, JuniorwissenschaftlerInnen (DoktorandInnen, Postdocs) mitzubringen, besonders natürlich aus Deutschland und Europa; auch in Korea war diese Strategie erfolgreich. Die Reisekosten der NachwuchswissenschaftlerInnen konnten gezielt durch Mittel der Boehringer Ingelheim Stiftung und des Fonds der Chemischen Industrie unterstützt werden. Von den über 100 Teilnehmenden stammten mehr als 50% aus dem Ausland, ein Viertel etwa aus Übersee. Ein Drittel der Gäste aus dem europäischen Ausland waren zudem Promovierende, mehr als ein Viertel aller Gäste waren Postdocs und 15 WissenschaftlerInnen leiten Nachwuchsgruppen.

Ausgezeichnete Nachwuchskräfte

Die „Nachwuchsforschenden“ oder „JuniorwissenschaftlerInnen“ kamen besonders bei den Vorträgen und Posterpräsentationen zum Zuge, so gaben zehn von ihnen zusätzlich zu ihren Posterpräsentationen Kurzvorträge, um die Arbeit vorzustellen, und machten alleine damit schon ein Viertel der Vorträge aus. Für die Beiträge der Studierenden wurden drei Posterpreise von EMBO und Springer Nature gestiftet und von allen Teilnehmenden anhand ihrer Präsentationsmethoden, Klarheit und experimenteller Herangehensweise ausgewählt. Der EMBO-Posterpreis ging an Herrn Sjon Hartman, Universität Utrecht (bei Prof. Rens Voesenek) mit dem doppeldeutigen und für das Pflanzenfeld programmatischen Titel „NO problem: ethylene-induced regulation of nitric oxide confers flooding tolerance in plants.“ Die beiden Buchpreise von Springer Nature gingen an Frau Leah Taylor-Kearney, Universität Oxford (bei Dr. Emily Flashman) über „Conserved Function of a Plant Cysteine Oxidase from Marchantia polymorphia“ sowie an Frau Su Hyun Lee, Seoul National University (bei Prof. Yong Tae Kwon) zu „p62 is an N-recognin of the N-end Rule pathway which modulates autophagosome biogenesis.“

Fortsetzung bereits geplant

Die Methoden, Fragestellungen und Ansätze der Prämierten unterstreichen aktuelle Trends in der Community, in der besonders die Pflanzenforschung in den letzten 10 Jahren an Popularität und Aufmerksamkeit beispielslos gewann sowie neue Verschaltungen von N-end Rule Pathway und Autophagie beschrieben wurden. Ein besonderer und nachhaltiger Erfolg ist, dass der erste Schritt geschafft wurde, den Grundstein für ein wiederkehrendes Treffen zu legen und der „Staffelstab N-term“ weitergegeben werden konnte an Prof. Yong Tae Kwon. Er wird als Hauptorganisator von N-term 2019 an der Seoul National University in Südkorea fungieren.

Maßgebliche Unterstützung erhielten die OrganisatorInnen von der EU COST Action BM1307: “European network to integrate research on intracellular proteolysis pathways in health and disease (PROTEOSTASIS)” und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Deutsche Botanische Gesellschaft (DBG) hostete die Website der Konferenz (nterm2017.org) und das eingebundene Tagungsmanagement wurde maßgeblich unterstützt von Dr. Luise Brand, MPI für Pflanzenzüchtungsforschung, ehemals Arabidopsis Functional Genomics Network (AFGN). Die Infrastruktur der Website steht für Konferenzen und Tagungen allen Mitgliedern der DBG offen und wird von den Organisatoren von N-term 2017 ausdrücklich empfohlen.

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Im November 2017

Dr. Nico Dissmeyer, www.ipb-halle.de und www.dissmeyerlab.org;
Twitter: @NDissmeyer

Actualia

Fotos: Botanikertagung 2017 in Kiel

Alle Bilder der Tagung.

Im Intranet sind nun die Aufnahmen der Botanikertagung 2017 verfügbar. Herzlichen Dank an alle Fotografinnen und Fotografen.

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Actualia · Tagungsbericht

Wenn Botanik, Kunst, Kultur und Literatur zusammentreffen

Der mehr als 300 Jahre alte Botanische Garten von Halle mit der von Carl Gotthard Langhans erbauten Sternwarte sorgte für eine wunderbare Tagungsatmosphäre. Foto: Jana Kittelmann
Extra für die Tagung war eine Pflanzendarstellung von Karl Blossfeldt im Botanischen Garten Halle aufgestellt. Foto: Jana Kittelmann
Kristin Victor vom Herbarium Haussknecht Universität Jena gab einen Einblick in die kaum bekannten Mooslandschaften des Moosforschers Adalbert Geheeb. Foto: Jana Kittelmann
Maria Will von der Universität Oldenburg faszinierte die Zuhörenden mit ihren Ausführungen zu historischen Obstkabinetten des 19. Jahrhunderts. Foto: Jana Kittelmann
Jonas Maatsch von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachen Hannover eröffnete mit seinen Ausführungen zum Ästhetiker Alexander Gottlieb Baumgarten neue Sichtweisen auf den Austausch und Wissenstransfer zwischen Botanik und Ästhetik im 18. Jahrhundert. Foto: Jana Kittelmann
Um 1900 entstandene touristische Blumenalben des Heiligen Landes werden von Tobias Mörike (links) erforscht. Mit Joachim Wolschke-Bulmahn übernahm ein international bekannter Forscher die Moderation dieser Sektion. Foto: Jana Kittelmann

Mehr als 60 Teilnehmende kamen im September in Halle zum internationalen Symposium „Botanik und Ästhetik“ zusammen. Sie tauschten sich auf dem interdisziplinären Treffen erstmals medien-, epochen- und fächerübergreifend über das Thema aus und verbanden Buchillustrationen, Pflanzenbildherstellung, Kunst, Literatur, Philosophie, Architektur, Gartenkunst, Pflanzengeographie und Pflanzenökologie. Neben den Naturforschern Goethe, Humboldt, von Haller und Haeckel fielen Namen wie Wassily Kandinsky und Paul Klee. Die Vorträge hielten Doktoranden und PostDocs der verschiedensten Disziplinen und international bekannte Forschende, berichtet Dr. Jana Kittelmann in ihrer Tagungsnachlese.

Vom 14. bis 16. September fand am Institut für Geobotanik / Botanischer Garten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg das von der Deutschen Botanischen Gesellschaft maßgeblich geförderte Symposium „Botanik und Ästhetik“ statt. Die interdisziplinäre Veranstaltung kam dank einer Kooperation zwischen dem Institut für Geobotanik / Botanischer Garten, dem Institut für Germanistik (beide MLU Halle-Wittenberg) sowie dem Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur der Leibniz Universität Hannover zustande.

Mit dem Thema der von mehr als 60 Teilnehmenden besuchten und auch in den Medien (MDR Kulturradio) reflektierten Tagung setzten die Organisatoren und Vortragenden auf einen bislang in der Forschungs- und Konferenzlandschaft so noch nicht dagewesenen  und zugleich vernachlässigten Austausch zwischen natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Erstmals wurden hier medien-, epochen- und fächerübergreifend die Wechselbeziehungen, Transfers und Schnittstellen zwischen Botanik und Ästhetik von der Frühen Neuzeit bis ins frühe 20. Jahrhundert in den inter- und transdisziplinären Blick genommen und diskutiert.

Bewertung und Klassifikation

Gefragt wurde unter anderem nach einem wechselseitigen Austausch von Bewertungsmaßstäben, Klassifikationssystemen, Ordnungskriterien, Terminologien, Themen und Motiven. Bildliche Repräsentationen von Pflanzen, Buchillustrationen, die Herstellung von Pflanzenabbildungen, die Verwendung floraler Motive in der bildenden Kunst und im Kunstgewerbe waren ebenso Thema wie Beispiele aus der Literatur, Philosophie, Architektur und Architekturtheorie, Gartenkunst, Pflanzengeographie und Pflanzenökologie.

Dem thematisch bewusst breit angelegten Programm und dem interdisziplinären Charakter der Veranstaltung entsprechend nahmen WissenschaftlerInnen verschiedener Fachbereiche und Forschungsfelder daran teil. Die 27 Referentinnen und Referenten (darunter 10 Doktoranden und 12 Postdoktoranden) aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gehörten den Bereichen Botanik, Biologie, Ethnologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft, Gartendenkmalpflege, Landschaftsarchitektur, Germanistik und Philosophie an. Dank der Unterstützung mit Reisestipendien durch die DBG konnten zahlreiche NachwuchswissenschaftlerInnen an dem Symposium teilnehmen und Einblicke in Ihre aktuellen Forschungsarbeiten geben. Das erwies sich als besonders ertragreich, da hier innovative Fragestellungen sowie neue Perspektiven und Forschungsansätze an der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften eröffnet und beschrieben wurden.

Mooslandschaften und Samenschränke

Nachdem am ersten Tag etablierte und international bekannte Forscher wie Hans Walter Lack, der über die botanischen Illustrationen im Reisewerk Alexander von Humboldts referierte, einen gelungenen und diskussionsreichen Einstieg in die Tagung gegeben hatten, waren die weiteren Beiträge vornehmlich den Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses (Doktoranden und Postdocs) gewidmet. Als auffällig und zugleich äußerst gewinnbringend erwies sich hier die hohe Dichte an unbekanntem historischem Quellen- und Bildmaterial sowie der meist neue Themenfelder beschreitende Charakter der Präsentationen. So sind etwa die frühneuzeitlichen Naturselbstdrucke Zenobio Pacinos,  die filigranen Mooslandschaften Adalbert Geheebs, Samenschränke des 18. Jahrhunderts, die  kunstgewerblichen Arbeiten der Vertreter des sogenannten „Hamburger Pflanzenstils“ oder um 1900 in Jerusalem entstandenen Blumenalben bislang kaum bekannt und ebenso wenig erforscht.

Auch die zahlreichen Beiträge zur Philosophie, Garten- und Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts machten deutlich, in welch hohem Maß hier Diskurse der zeitgenössischen Botanik aufgenommen und reflektiert wurden. Zugleich zeigten die Beiträge, und das war durchaus neu und wurde umfassend diskutiert, dass Botaniker wie Charles Bonnet oder der mit Goethe befreundete Jenaer Naturforscher August Batsch  philosophische und ästhetische Themen  in ihrem Werk aufgriffen und mit einer ‚Ästhetisierung der Botanik‘ reagierten.

Naturforscher und Künstler

Neue Aspekte und Fragestellungen warfen nicht zuletzt die Einzelpersönlichkeiten gewidmeten Beiträge auf. Die Vorträge zu Goethe, Albrecht von Haller, Ernst Haeckel – der bislang kaum als Botaniker wahrgenommen wurde – oder zu Moritz Meurer – dem weitgehend in Vergessenheit geratenen und nun durch eine Forschungsarbeit wieder stärker ins wissenschaftliche Bewusstsein gerückten Lehrer Karl Blossfeldts – machten deutlich, wie vielfältig und zugleich differenziert der Austausch zwischen botanischen und ästhetischen Themen in den verschiedenen Epochen ablief. Ein Beitrag zu den Pflanzenstudien und botanischen Lektüren von Wassily Kandinsky und Paul Klee rundete diese Sektion ab.

Der von der Tagung angestrebte Austausch zwischen verschiedenen Wissenschaftskulturen war zunächst ein Versuch mit offenem Ausgang, der jedoch, wie die TeilnehmerInnen bestätigten, außerordentlich gut funktionierte und zahlreiche Ideen und Anregungen für eine weitere interdisziplinäre Zusammenarbeit gab.

Darüber hinaus blieb nicht nur im Rahmen der Vorträge, sondern auch während der Spaziergänge und Exkursionen durch den Botanischen Garten, der mit seiner Vielfalt an Pflanzen, seiner fast 300 Jahre alten Geschichte, der von Carl Gotthard Langhans erbauten Sternwarte und der historischen Herbariensammlung die TagungsteilnehmerInnen schnell in seinen Bann zog, viel Zeit und Raum für den fächerübergreifenden Austausch.
Ausgewählte Beiträge der Tagung werden voraussichtlich 2018 im Fachjournal „Annals for History and Philosophy of Biology“ erscheinen.

Im September

Dr. Jana Kittelmann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der europäischen Aufklärung (IZEA), www.schriftkultur.uni-halle.de, www.janakittelmann.de

Actualia · DBG

Neu in das Präsidium gewählt

Caroline Müller (links) und Birgit Piechulla wurden einstimmig ins Präsidium der DBG gewählt. Fotos: privat
Professorin Caroline Müller von der Universität Bielefeld. Foto: privat
Professorin Birgit Piechulla von der Universität Rostock. Foto: privat

Die Professorinnen Caroline Müller von der Universität Bielefeld und Birgit Piechulla von der Universität Rostock wurden bei der jüngsten Mitgliederversammlung in Kiel einstimmig in das Präsidium der DBG gewählt. Müller wird neue Generalsekretärin und folgt zum Jahreswechsel auf Professor Volker Wissemann, der nach vielen Jahren im Amt nicht mehr kandidiert hatte. Als Professorin für chemische Ökologie untersucht Müller die Kommunikation zwischen Individuen derselben sowie verschiedener Arten sowie zwischen Pflanzen und anderen Organismen. Piechulla ist als Mitglied des erweiterten Vorstands gewählt und wird mit dem offiziellen Amtsantritt im Januar auf Professorin Karin Krupinska folgen. Sie ist Biochemikerin, Co-Verfasserin des bekannten Lehrbuchs Pflanzenbiochemie und wird 2019 die kommende Botanikertagung in Rostock organisieren. Alle anderen amtierenden Präsidiumsmitglieder wurden ebenfalls einstimmig im Amt bestätigt.

Actualia · DBG · Ehrenmitglied

Zwei neue Ehrenmitglieder

Prof. Hartmut Lichtenthaler und Prof.in Renate Scheibe wurden einstimmig in die Reihen der Ehrenmitglieder der DBG aufgenommen. Fotos: privat

Die Pflanzenphysiologin Professorin Renate Scheibe von der Universität Osnabrück und der Photosyntheseforscher Professor Hartmut Lichtenthaler sind in Kiel von den Mitgliedern der DBG zu zwei neuen Ehrenmitgliedern der Gesellschaft ernannt worden. Beide sind herausragende Forschende, haben sich für den wissenschaftlichen Nachwuchs und die DBG, insbesondere deren Sektion Pflanzenphysiologie und Molekularbiologie, stark gemacht.

Laudatio auf Professorin Renate Scheibe von Prof. Ekkehard Neuhaus (pdf-Datei)

Laudatio auf Professor Hartmut Lichtenthaler von Prof. Holger Puchta und Prof. Peter Nick (pdf-Datei)

Actualia · DBG · Botanik-Tagung

Eröffnungsrede: erfolgreiches Zusammenwirken

Karl-Josef Dietz ermunterte die Teilnehmenden ihr Netzwerk zu erweitern. Foto: esw
Average number of authors per paper in the journal Plant Physiology. The papers appeared in July and August of the years as indicated. The grey area marks the range, the individual numbers the highest numbers of authors. please click to enlarge

Der Präsident der Deutschen Botanischen Gesellschaft, Prof. Dr. Karl-Josef Dietz, begrüßte die Teilnehmenden der Botanikertagung 2017. Er zeigte anhand der zunehmenden Zusammenarbeit erfolgreicher Pflanzenforscher, wie wichtig das Netzwerken und Treffen Gleichgesinnter bleibt. Daher ermunterte er alle Teilnehmenden, die Chancen reichlich zu nutzen, die die internationale Botanikertagung und das große Netzwerk der DBG bieten. Sein Dank galt den Vortragenden und Postererstellern, der Tagungspräsidentin, Prof. Dr. Karin Krupinksa und ihrem Team, die viele Dänische Kolleginnen und Kollegen einbanden, und allen, die zur Tagung beitragen.

Lesen Sie die ganze Ansprache (mit weiterem Bild)

Dear participants of the Botanikertagung 2017 in Kiel,

on behalf of the Deutsche Botanische Gesellschaft, the German Society for Plant Sciences (DBG), I cordially welcome you to the Botanikertagung 2017, our biennial international conference. Our colleagues from Kiel have organized this conference on the topic Plant Research in a Changing World. Plant Science is a dynamic research field in the core of the needs of our society. Two years back in München, I opened the Botanikertagung with the perspective that the Vereinigung für Angewandte Botanik will be reunited with the DBG. Indeed this merging has been completed and since then our society has an additional Section for Applied Botany dedicated to plant biotechnology. With this and together with the research fields covered by the sections for Biodiversity & Evolution, Interactions, Natural Products, Phycology and Physiology & Molecular Biology, the DBG has emphasized its aspiration to function as the leading and comprehensive scientific organization dedicated to plants in German speaking countries.

Our ability and vigor as society depends on you as members. Please visit our booth to inform yourself about our activities. Become a member to strengthen the plant sciences, to support young scientists, to facilitate outreach in the society and to decision makers, and also to expand your own network. Plant research increasingly is a collaborative effort, regularly involving international cooperation. Therefore I am very happy that our president of the meeting, Prof. Karin Krupinska, has organized this Botanikertagung in close interaction with her colleagues from Denmark, particularly from Copenhagen. We are going to listen to many contributions from eminent Danish researchers. The DBG followed this idea of a joint meeting with a neighboring country before. But this time it will be the first meeting realizing the concept of including a non-German speaking country in a somewhat preferred and focused manner. Thanks to Karin Krupinska for your effort to successfully implement this idea. I expect this to be a fruitful development of our Botanikertagung.

The need for strong interactions and elaborated networks in plant science becomes evident when considering author lists of past and present publications. I analyzed the lists of authors of publications in the journal Plant Physiology that appeared in July and August of 1977, 1987, … until 2017. As you can see from the graphic: the average number of authors on a Plant Physiology paper in 1977 was 2.4. This number increased from decade to decade and has reached 6.8 in 2017. In addition the number of papers with long lists of authors has increased from decade to decade. Apparently, the ambition of the authors and the journal to cover a broad range of approaches and different methodology in each single paper has led to an increase in the number of contributors. This is telling us that successful networking, proper identification of suitable partners and efficient execution of the project is important, often more than ever, to push plant science. For this reason, I am convinced that meetings like the Botanikertagung with ample opportunities to build and expand the personal network play a central role in shaping the future of science.

My deep thanks go to you, Karin Krupinska as president of this meeting, your colleagues and the local organizing committee, the University of Kiel and all other supporters. You have enabled this meeting with a first class program in the field of plant science reaching from ecology, plant physiology, cell biology to molecular biology and genetics. Dear participants, as early-career scientist or leading expert from a wide range of disciplines in plant biology, you have followed the invitation of our colleagues. You are going to present talks or posters, discuss your recent results, search for new insight or cooperation, and build your network. I am convinced that the scientific and accompanying program provide the rich setting for an inspiring time. I wish you a splendid experience, a scientifically successful meeting and an enjoyable stay in Kiel.

Actualia · Botanik-Tagung · Nachwuchsförderung

Posterpreise Botanikertagung 2017

Aus den 235 während der Botanikertagung 2017 in Kiel präsentierten Poster wählten Fach-Jurys die besten aus. Folgende Poster von Nachwuchskräften erhielten eine Urkunde und den Betrag von 135 Euro, weil sich die Gründung der Deutschen Botanischen Gesellschaft in diesem Jahr zum 135ten Mal jährt.

Alle ausgezeichneten Nachwuchstalente und die von ihnen vorgestellten Poster (pdf-Datei)

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Actualia · Tagungsbericht

Fünf Tage intensive Pflanzenwissenschaft

23 Nachwuchskräfte aus neun Nationen kamen in Köln zusammen und trainierten eine Woche lang intensiv Pflanzenforschung. Foto: GSfBS

Die Plant Intensive Week fand dieses Jahr vom 24. – 28. April zum sechsten Mal in Köln statt. Sie bringt regionale, fortgeschrittene Masters Studierende und Promotionskandidierende zusammen mit den Studierenden des IBB (IGC PhD Programme - Integrative Biology and Biomedicine) in Portugal, die an einem halbjährigen intensiven Vorbereitungsprogramm für die Promotion teilnehmen. Sie trainierten und diskutierten gemeinsam alles rund um die Pflanzenforschung, vom Experiment, über Forschungsansatz und Publizieren, bis zur Forschungsfinanzierung. In ihrer Tagungsnachlese fasst Isabell Witt zusammen, was die angehenden Forschenden in nur einer Woche alles üben konnten.

Das Ziel der Plant Intensive Week organisiert durch die Graduate School for Biological Sciences ist es, die Teilnehmenden für die Pflanzenwissenschaften zu begeistern und gleichzeitig Methoden zur Förderung des wissenschaftlichen „mindsets“ zu nutzen und zu vermitteln. Das Programm ist sowohl auf Seiten der Studierenden (9 Nationen) als auch auf Seiten der WissenschaftlerInnen (7 Nationen) sehr international besetzt. Das diesjährige Programm kann hier angesehen werden.

Institutionen

Die beteiligten Institutionen sind das IGC (Instituto Gulbenkian de Ciência) mit seinem IBB Promovierendenprogamm (Oeiras, Portugal), dem ITQB (Instituto Tecnologia Química e Biológica) mit seinem Plants for Life International PhD program, das MPI für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln mit seiner IMPRS, CEPLAS mit seiner Graduiertenschule und als Hauptorganisator die Graduate School for Biological Sciences (GSfBS) des Departments für Biologie der Universität zu Köln.

Mutanten-Suche und Finanzierungsstrategie

Dieses Jahr waren 14 Studierende des IBB Programms aus Portugal, sechs Studierende von der RWTH Aachen und drei Studierende der HHU Düsseldorf zu Gast. Bestandteile der Plant Intensive Week sind wissenschaftsnahe Vorlesungen, Diskussionen, Aufgaben, Gruppenarbeit und Präsentationen der Teilnehmenden. Am Montag ging es mit Alga Zuccaro (UzK), Jane Parker (MPIPZ) und Gunther Döhlemann (UzK) um Aspekte der Pflanzeninteraktion mit Pilzen und Bakterien, um Abwehrstrategien aber auch um Symbiosen und welche Mechanismen sie in der Balance halten. Mit dem gerade Gelernten waren die Studierenden gefordert, Abstracts zu Publikationen zu schreiben, deren Zusammenfassungen zuvor entfernt worden waren. Jede Gruppe hat zudem als „Reviewer“ die Publikationen einer anderen Gruppe kritisch analysiert. Der nächste Tag war nicht weniger fordernd. Nachdem Ute Höcker (UzK) und Maria Albani (UzK) die molekularen Mechanismen der Lichtsignale und die Faktoren der Blühinduktion in ein- und mehrjährigen Kreuzblütlern vorgestellt hatten, wurde durch die Fragen und die Diskussion deutlich, dass klassische Genetik und die Suche nach dem perfekten Mutanten-Screen echte Herausforderungen sein können. In Gruppenarbeit wurden nun Experimente entwickelt, die dann einer „Funding Agency“ vorgetragen wurden. Jede Gruppe wollte unbedingt „gefördert“ werden.

Nachhaltige Nutzpflanzen

Am Mittwoch wurde es spannend mit angewandten Themen in der Pflanzenwissenschaft auch unter dem Aspekt der „Food Security“. Margarida Oliveira (ITQB) informierte eindrucksvoll über Wild-und Nutzpflanzen, die Züchtungserfolge in historischer Betrachtung, den Klimawandel, Bodenerosion, die wachsende Weltbevölkerung und mögliche Ertragsgrenzen. Markus Pauly (HHU) sprach über die Chancen und Limitierungen der Biokraftstoff-Gewinnung aus Pflanzen und wie seine Forschungsgruppe vorgeht, um störende Komponenten in den Zellwänden zu minimieren. Auch ihm ging es um Nachhaltigkeit und Möglichkeiten den CO2-Gehalt global zu senken. Ein ernstes und wichtiges Thema, das in Kleingruppen anhand von Publikationen und Kurzvorträgen bearbeitet wurde und, wie es nicht anders zu erwarten war, zu heftigen Diskussionen führte.

Forschungsansatz und Datenmanagement

Der pflanzliche Stress wurde am Donnerstag von Paula Duque (IGC) und Elena Baena Gonzales (IGC) genauer beleuchtet und die Studierenden aufgefordert, Ideen zu ungelösten Problemen molekularer Mechanismen in der Forschung der beiden Vortragenden zu entwickeln. Mit einer durch Stanislav Kopriva (UzK) angeleiteten GWAS-Analyse wurde in den 1001 genomes nach Genomabschnitten gesucht, die mit Stress durch Schwefelmangel korrelieren. Nach einem spannenden Vortrag zur Einführung in die Pollenentwicklung am Freitag, sollten originale Datensätze zur Genexpression analysiert werden. Nicht jedem fällt es spontan leicht mit großen Datenmengen umzugehen. It is always difficult to get along with a new PC program. Jörg Becker (IGC) hat darin sehr viel Expertise und hat sie gerne geteilt. Umständliche oder direkte Wege konnten zur Lösung der aufgetragenen Analysen beschritten werden. Der Lerneffekt war auf jeden Fall garantiert. Der anonymen Schlussbewertung zufolge war es eine anstrengende, aber auch eine sehr lernintensive und interaktive Woche, wie die Statements zeigen:
….danke nochmal für die tolle Woche in Köln, es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich hätte gerne das Zertifikat und ich war die komplette Woche dort.
……I really like the proposal exercise.
…..I enjoyed the discussion on Wednesday.

Die Graduate School for Biological Sciences bedankt sich herzlich für die äußerst hilfreiche finanzielle Unterstützung der Deutschen Botanischen Gesellschaft, die es ermöglicht hat, die Gäste aus Portugal in Köln adäquat unterzubringen.

Im Mai 2017

Dr. Isabell Witt, Koordinatorin der Graduate School for Biological Sciences

Actualia · Tagungsbericht

Mitteldeutsche Pflanzenphysiologie-Tagung

Junge Pflanzenphysiologinnen und –physiologen nutzten das Treffen, um ihre Ergebnisse erstmals einem großen Kreis außerhalb der eigenen Arbeitsgruppe vorzustellen. Foto: Udo Johannigmeier

Bereits zum 15. Mal kamen die mitteldeutschen Forscherinnen und Forscher der Pflanzenphysiologie zur diesjährigen Tagung zusammen. In Wittenberg tauschten sich die Arbeitsgruppen der Universitäten Jena, Dresden, Halle und Leipzig über jüngste Ergebnisse des wissenschaftlichen Nachwuchses aus, der diese in einem geschützten Rahmen präsentieren und intensiv diskutieren konnte. In ihrer Tagungsnachlese geben die Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Ralf Bernd Klösgen und Prof. Dr. Klaus Humbeck einen Überblick über die Titel und Themen der Referentinnen und Referenten.

Die diesjährige Tagung der mitteldeutschen Pflanzenphysiologen fand in der Leucorea in Wittenberg am 10. und 11. Februar 2017 statt. Sie bot wieder ein ideales Umfeld, um die laufende Forschung der Gruppen aus Jena, Leipzig, Dresden und Halle kennen zu lernen und darüber ausgiebig und tiefgehend zu diskutieren. Eine Besonderheit dieser Tagungsreihe ist, dass hier, bis auf den ersten Plenarvortrag, Master-Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Postdocs vortragen und den gesamten Tagungsablauf organisieren. Die Möglichkeit, die eigenen Forschungsergebnisse früh in der eigenen wissenschaftlichen Karriere vor einem großen Tagungspublikum vorzustellen und in einer Diskussion zu vertreten, wurde begeistert aufgenommen und von der DBG finanziell unterstützt.

Chloroplasten

Ein Schwerpunktthema bei dieser Tagung waren Arbeiten zur Biogenese und Funktion von Chloroplasten. Sacha Baginsky (Halle) hat diese Thematik in seinem Plenarvortrag zu Beginn der Tagung aufgegriffen und über neueste Erkenntnisse seiner Arbeitsgruppe zur Proteinphosphorylierung in Plastiden und beteiligten Kinasen berichtet. Weitere Vorträge thematisierten das Verhältnis von Photosynthese und Atmung bei wechselnden Umweltbedingungen (Deborah Bozzato, Leipzig), die Funktion und Regulation von Stromuli (Christina Lampe, Halle und Jessica Erickson, Halle), das Protein-Targeting zu den Plastiden und Mitochondrien (Bationa Bennewitz, Halle), den Proteintransport an der Thylakoidmembran (Sarah Zinecker, Halle) und einen RNAseq-Ansatz zur Aufklärung der biologischen Funktion von Aureochromen (Marcus Mann, Leipzig).

Stoffwechsel

Ein zweiter großer Themenkomplex war die Analyse komplexer pflanzlicher Stoffwechselwege. Hier wurden Arbeiten zur Polyketid-Synthase (Elisabeth Hommel, Jena), zur Astin-Produktion im Korbblütler Aster tataricus (Linda Jahn, Dresden), zur Biogas-Produktion aus Glycolat (Anja Taubert, Leipzig) und zur Homospermidin Synthase (Annemarie Lippert, Dresden) vorgestellt.

Regulation

Schwerpunktthema waren auch Vorträge zur Aufklärung regulatorischer Prozesse, bis hin zur Rolle einzelner Proteinkomponenten. Die Referentinnen und Referenten schilderten die Funktion von CRY-DASH2, einem Cryptochrom aus der Alge Chlamydomonas reinhardtii (Melvin Schubert, Jena), zeigten Ergebnisse zum Cacium-Signalling, bei dem Gen cycam1 eine wichtige Rolle zukommt (Johannes Thürich, Jena) und zur epigenetischen Regulation von pflanzlichen Stress- und Alterungsprozessen (Charlotte Ost, Halle).

Interaktionen

Darüber hinaus gab es eine Reihe interessanter Vorträge zur Interaktion von Pflanzen mit anderen Organismen, wie der Aufklärung von molekularen Faktoren bei der Infektion von Elefantengrass (George Ochieng Asudi, Jena), der bakteriellen Immobilisierung von Chlamydomonas reinhardtii über Einflussnahme auf Calcium-abhängige Signalwege durch Lipopeptide (Prasad Aiyar, Jena), einem Modellsystem zur Analyse von Interaktionen begeißelter Algen in mariner Umgebung (David Carrasco-Flores, Jena) und über Interaktionen zwischen Chlamydomonas reinhardtii und anderen Mikroorganismen (Daniel Schaeme, Jena).

Mai 2017

Prof. Dr. Ralf Bernd Klösgen, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Abteilung Allgemeine Botanik  und Prof. Dr. Klaus Humbeck, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Abteilung Pflanzenphysiologie

Actualia · Tagungsbericht

30. Molekularbiologie der Pflanzen in Dabringhausen

Die Teilnehmenden der Jubiläumstagung waren aus mehr als vier Ländern zusammengekommen. Foto: Nicole Linka
Organisator Andreas Weber begrüßte die Teilnehmenden der Jubiläumstagung. Foto: Nicole Linka
Das Organisationsteam Anja Nöcker, Marion Eisenhut und Nicole Linka (von links) empfing die Gäste in der Tagungslobby. Foto: Christopher Grefen

Mehr als 150 Teilnehmende diskutierten vier Tage lang über aktuelle Forschung in pflanzlicher Molekularbiologie. Sie waren im traditionellen Ambiente des Hotels „Maria in der Aue“ in Dabringhausen zusammengekommen, wo die 30. Tagung „Molekularbiologie der Pflanzen“ der Sektion für Pflanzenphysiologie und Molekularbiologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft vom 21. bis 24. Februar 2017 stattfand. Die Organisatoren der Jubiläumszusammenkunft, Andreas Weber, Marion Eisenhut und Nicole Linka, schildern in ihrer Tagungsnachlese die herausragenden Vorträge und welche Proteine, Enzymreaktionen und Interaktionen zwischen verschiedenen Organismenreichen die Vortragenden mit molekularbiologischen Methoden untersuchen und welche der Beiträge mit Preisen ausgezeichnet wurden.

Der diesjährige Organisator und derzeitiger Sektionssprecher Andreas Weber (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) begrüßte die Gäste und eröffnete die Tagung mit einem kurzen historischen Rückblick auf die inzwischen 30-jährige Geschichte der Sektionstagung. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die geplante Sonderausgabe der Zeitschrift der DBG, Plant Biology, hingewiesen. Danny Ducat von der Michigan State University (East Lansing, USA) stellte in seinem Eröffnungsvortrag die aktuellsten synthetisch-biologischen Ansätze zur Nutzung von Cyanobakterien in Bioindustriellen Anwendungen vor.

Herausragend

Einer der Höhepunkte der Tagung war der Festvortrag von Manajit Hayer-Hartl (MPI für Biochemie, Martinsried). Sie demonstrierte eindrucksvoll, wie ihre Gruppe mit Hilfe von struktur- und molekularbiologischen Methoden Chaperone identifizieren konnte, die an der Reifung und dem „metabolic repair“ des zentralen pflanzliche Enzyms RuBisCO (Ribulose-1,5-Bisphosphat-Carboxylase/Oxygenase) beteiligt sind. Mit ihrem „Farewell-Vortrag“ über die Interaktion zwischen dem Kohlhernie-Erreger Plasmodiophora brassicae und seinem pflanzlichen Wirt verabschiedete sich Jutta Ludwig-Müller (TU Dresden) aus der Riege der Tagungsorganisatoren.

Themen

Neben den genannten Hauptreferenten hielten 50 weitere ausgewählte Rednerinnen und Redner hochinteressante und exzellente Vorträge. Unter ihnen zahlreiche Doktorandinnen und Doktoranden, die ihre aktuellen und bislang unveröffentlichten Ergebnisse vorstellten. Sie informierten unter anderem über die mathematische Modellierung von Stoffwechselwegen, neue Komponenten in der pflanzlichen Signaltransduktion bei biotischem oder abiotischem Stress, neue wegweisende molekularbiologische Methoden und über aktuelle Erkenntnisse in der Moos-Forschung mit der Modellpflanze Physcomitrella.
Das breite Spektrum der wissenschaftlichen Themen spiegelte sich auch in den mehr als 70 Posterbeiträgen wider. Während bisher ein Komitee unter Mitwirkung der Teilnehmer die Preisträger der Reinhold von Sengbusch-Preise ausgewählt hatte, mit denen die besten Beiträge des wissenschaftlichen Nachwuchses ausgezeichnet werden, bestimmten dieses Jahr ausschließlich die Tagungsteilnehmer die Preisträger.

Gepreist

Die Reinhold von Sengbusch-Posterpreise wurden verliehen an:

  • Emese Derzsó (Universität Kiel): ERF VII transcription factors maintain lateral root growth at hypoxic conditions in Arabidopsis.
  • Franziska Kretzschmar (Universität Göttingen): A lipid droplet-associated scaffold protein potentially involved in protein quality control.
  • Hannah Elisa Krawczyk (Universität Münster): Hidden phenotypes of N-glycosylation mutant cgl1-2.

Die Reinhold von Sengbusch-Vortragspreise gingen an:

  • Jana Christin Askani (Universität Heidelberg): The role of membrane tethering complexes in vacuole development in Arabidopsis thaliana.
  • Shanshan Wang (Universität Heidelberg): The redox regulation of glutathione and cysteine biosynthesis in Arabidopsis thaliana.
  • Daniela Pezzetta (Freie Universität Berlin): The cytokinin status influences phytochrome-dependent seed germination in Arabidopsis thaliana.

Ein Bild der Preisträgerinnen ist auf der Website der Sektion veröffentlicht.

Unser Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, der Familie von Sengbusch, unseren Sponsoren, der DBG als Förderer und logistischen Partner, sowie allen Teilnehmenden, die die 30. Jubiläumstagung zu einem außergewöhnlichen und motivierenden Ereignis gemacht haben.

Wir freuen uns schon jetzt auf die 31. Tagung, die vom 20. – 23. Februar 2018 wieder in Dabringhausen stattfinden wird, und wünschen Dorothee Staiger (Universität Bielefeld) und ihrem Team viel Erfolg!

Mai 2017

Professor Dr. Andreas Weber und Dr. Marion Eisenhut, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf