Research Result

Wenn braune Blätter nicht Herbst bedeuten

Diese Eichenblätter erlitten Hitze- und Dürreschäden in einem Versuch mit offenen Klimakammern an der WSL. Foto und (c): Yann Vitasse

Aufgrund zunehmender Hitze und Dürre verfärben sich Wälder immer öfter schon vor dem normalen, herbstlichen Laubfall braun. Oft ist unklar, ob die Bäume das Laub aktiv abwerfen oder ob das unumkehrbare Blattschäden durch Hitze und Trockenheit sind. Studien sollten zwischen diesen beiden Prozessen unterscheiden; andernfalls könnten Klimamodelle verfälscht und die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Klimaextremen überschätzt werden. Davor warnen Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in einem Kommentar, der im Fachjournal Nature Climate Change erschien.

Quelle: WSL
Application · Research Result

Künstliche Intelligenz macht versteckte Wald-Invasion sichtbar

Götterbaum-Dickicht (Ailanthus altissima) im Unterwuchs eines Waldes in der Nähe des Naturschutzgebiets Kalksandkiefernwald bei Bickenbach, Pfungstadt und Seeheim-Jugenheim. Foto und (c): Vanessa Lozano

Mit handelsüblichen Drohnen, Schrägluftbildern aus mehreren Blickwinkeln und Künstlicher Intelligenz gelang es Forschenden erstmals, den invasiven Götterbaum auch dort zu kartieren, wo er bislang unsichtbar blieb – unter dem Kronendach eines dürregeschädigten Waldes in Südhessen. Die neue Methode hat ein Forschungsteam der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) entwickelt und die Ergebnisse in der Fachzeitschrift ISPRS Open Journal of Photogrammetry and Remote Sensing
veröffentlicht.

Quelle: Uni Giessen
People and Careers · Politics

Acht neue Mitglieder im Senat der DFG, darunter eine Pflanzenforschererin

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Bonn acht neue Mitglieder in den Senat der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Selbstverwaltungseinrichtung der Wissenschaft in Deutschland gewählt. Neu ist Pflanzenwissenschaften Professorin Dr. Karin Schumacher von der Uni Heidelberg, die gemeinsam mit sieben weiteren Professorinnen und Professoren anderer Fachrichtungen in den Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewählt wurde. Sie tritt ihr Amt zum 1. Januar 2027 an. Dann wird unser DBG-Präsident, Professor Dr. Andreas P. M. Weber von der Uni Düsseldorf, gemeinsam mit sieben weiteren derzeit amtierenden Mitgliedern anderer Fachrichtungen aus dem DFG-Senat ausscheiden.

Quelle: DFG
Funding

Neue Forschungsgruppe untersucht Biodiversität und Wasserhaushalt tropischer Nebelwälder

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neu geförderte Forschungsgruppe (FOR) „Wasserhaushalt und botanische Invasion nebelreicher Ökosysteme auf den Galápagos Inseln im Klimawandel (GArua)“ wird mit Feldexperimenten sowie Fernerkundungs- und Modellierungsansätzen die Prozesse und Mechanismen analysieren, die der Klimawandel auf Biodiversität und Wasserhaushalt in den tropischen Nebelwäldern auf Galápagos hat. Etwa die Ausbreitung invasiver Pflanzen oder den Rückgang an nebelliebender Arten wie Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) – mit Auswirkungen auf die Wasserversorgung des ganzen Ökosystems. Angesiedelt ist die neue FOR, die gemeinsam mit vier weiteren Gruppen gefördert werden wird, in der Klimatologie, der Pflanzen- und der Epiphytenökologie, der Hydrologie und der Bodenkunde; Sprecherin ist Professorin Dr. Maaike Bader von der Uni Marburg. Eine Verlängerung erhielt die FOR „Stammzellsysteme bei Getreide (CSCS): Etablierung, Aufrechterhaltung und Beendigung“ mit Sprecher Professor Dr. Thomas Dresselhaus von der Uni Regensburg, die im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) weiter gefördert werden wird.

Quelle: DFG
Politics

DFG-Jahresversammlung: Entschiedenes Eintreten für Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft

DFG-Jahresversammlung: Entschiedenes Eintreten für Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft 
Der Schutz und die Stärkung der Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft gegen inzwischen auch hierzulande zunehmende Anfeindungen und Angriffe war das zentrale Thema auf der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die am Mittwoch, den 1. Juli 2026, in Bonn zu Ende gegangen ist. Während des dreitägigen Treffens diskutierten die Gremien der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Einrichtung für die Selbstverwaltung der Wissenschaft in Deutschland grundsätzliche Fragen von Resilienz in der Wissenschaft und im Wissenschaftssystem. Mit Blick auf die im September anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ging es zudem um die Wissenschaftspolitik der „Alternative für Deutschland“ (AfD) und deren Folgen für den Fall einer möglichen Regierungsbeteiligung. DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker äußerte in Bonn deutliche Kritik an den wissenschaftspolitischen Positionen der AfD. Vor rund 400 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft rief Becker zu entschiedenem gemeinsamem Eintreten für die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft und einer erkenntnisgeleiteten Forschungsförderung auf, für die gerade die DFG in besonderer Weise stehe.

Quelle: DFG
Research Result

Komplexe Nahrungsnetze stärken Ökosystem-Funktionen

Nahrungsnetze prägen die Funktionsweise von Ökosystemen. Das Foto zeigt eine räuberische Bodenmilbe und einen Pauropoden (Zwergfüßer), der sich von Pilzen und abgestorbenem organischem Material ernährt. Foto und (c): Andy Murray

Gesunde Ökosysteme brauchen nicht nur viele Arten. Entscheidend sind die komplexen Beziehungen zwischen ihnen. Das zeigt eine internationale Studie unter Leitung der University of Waikato und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Die im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie zeigt: Je höher die Artenvielfalt eines Ökosystems ist, desto besser erfüllt es wichtige Funktionen. Besonders entscheidend ist dabei die Vielfalt der Räuber. Sie trägt dazu bei, natürliche Prozesse wie Schädlingskontrolle, Klimaregulation sowie die Stabilität von Ökosystemen aufrechtzuerhalten.

Quelle: iDiv
Education · VBIO

Biologieverband: Leitfaden zur KI in Studium und Lehre - Auf den Kompetenzerwerb kommt es an

Hochschulen sollen den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) nicht auf pauschale Verbote, isolierte Toolentscheidungen oder lokale Ad-hoc-Regelungen reduzieren. Entscheidend ist vielmehr, welche Kompetenzen erworben und nachgewiesen werden sollen. Dies stellt der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. (VBIO) in einem jüngst vorgelegten KI-Leitfaden (pdf) dar, der biologischen Fakultäten und Studiengängen Hilfestellung für den Umgang mit KI als Werkzeug in Lehre, Studium, Prüfungen und Studiengangsentwicklung geben soll. Der VBIO begrüßt zugleich auch den Vorstoß des Landes Bayern, den Einsatz von KI hochschulrechtlich zu rahmen. Alle Betroffenen sind aufgerufen, die Debatte weiterzuführen und anschlussfähige Lösungen zu finden.

Quelle: VBIO
Research Result

Wetterextreme im Regenwald mindern wichtige Rückkopplung zwischen Boden und Luft

MPI-Forscher Giovanni Pugliese erfasst mit einem Messgerät die Austauschprozesse des Bodens. Foto und (c): Dom Jack, MPI für Chemie

Extreme Wetterereignisse verändern die Isopren-Aufnahmekapazität des Bodens: Während der El-Niño-Dürre im Jahr 2023 führte eine Bodenfeuchte von unter 20 % zu einer starken Einschränkung der Bodenatmung und der Isoprenaufnahme des Bodens, wobei die Isoprenkonzentrationen in der Atmosphäre über dem Wald anstiegen. Das zeigen Forschende vom Max-Planck-Institut für Chemie in einer Studie, die im Fachmagazin Communications Earth & Environment veröffentlicht wurde, über die flüchtige organische Verbindung (VOC), die auf natürliche Weise von Pflanzen gebildet wird. Da der Klimawandel Dürren und Hitzeextreme verschärft, könnte eine verringerte Isoprenaufnahmekapazität des Bodens Auswirkungen auf die Oxidation in der Atmosphäre, die Aerosolbildung und die Lebensdauer von Methan haben. Die Berücksichtigung der Isoprenaufnahme durch den Boden in Modellen würde die Prognosen zu zukünftigen Klimarückkopplungen verbessern.

Quelle MPI für Chemie
Research Result

Der Mensch war nicht immer schlecht für die Artenvielfalt – im Gegenteil

Luftaufnahme des Hüttwilersees im Kanton Thurgau, Schweiz. Die Sedimente in diesem und zwei weiteren Seen gewähren Einblicke in die Pflanzenvielfalt seit der Jungsteinzeit. Foto und (c): Thomas Stadler, Zürich

Jahrtausende lang hat der Mensch mit landwirtschaftlicher Nutzung die Pflanzenvielfalt nicht verringert, sondern erhöht. Das haben Forschende der Universität Basel für die letzten 7000 Jahre detailliert nachgezeichnet. Erst in den letzten Jahrzehnten änderte sich das. Das Ende des Römischen Reichs und die grossen Pestwellen: Sie haben nicht nur die Menschen getroffen, sondern reduzierten auch die Pflanzenvielfalt im Schweizer Mittelland – weil der menschliche Einfluss zeitweise wegfiel. Von diesem überraschenden Ergebnis berichten Forschende um Dr. Fabian Rey und Prof. Dr. Oliver Heiri von der Universität Basel im Fachjournal Nature Communications.

Quelle: Uni Basel
Research Result

Nachhaltige Fasern von Brachflächen

Der Anbau von Brennnesseln in Kombination mit Pappeln kann auf Brach- und Konversionsflächen eine nachhaltige und vielseitige Landnutzungsoption darstellen. Das zeigt eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung der Hochschule Bremen (HSB), die im Fachjournal Remediation veröffentlicht wurde. So lassen sich biobasierte Rohstoffe erzeugen, ohne mit der Nahrungsmittelproduktion um wertvolle Anbauflächen zu konkurrieren.

Quelle: HSB
Research Result

Neue Peptidfamilie steuert Stickstoff-Fixierung ohne bakterielle „Opferstrategie“

Robinie im Botanischen Garten der TU Braunschweig. Foto und (c): Robert Hänsch, TU Braunschweig

Viele Hülsenfrüchtler decken ihren Stickstoff-Bedarf über eine Symbiose: Sie beherbergen Bakterien, die Luftstickstoff binden und der Pflanze verfügbar machen. Wie ein mehrjähriger Hülsenfrüchtler diese Symbiose steuert, ohne ihre bakteriellen Partner dabei zu zerstören, war bislang weitgehend unklar. Ein internationales Team unter Leitung der Technischen Universität Braunschweig hat nun einen bisher unbekannten Mechanismus beschrieben: Sie entdeckten in den Wurzelknöllchen der Robinie eine ungewöhnliche Gruppe von Peptiden, die die Stickstofffixierung der Bakterien stark anregen. Diese Peptide werden gebildet, sobald die Bakterien die Wurzeln besiedeln. Laborversuche zeigten, dass Bakterien, die den Peptiden ausgesetzt sind, ihre Genaktivität deutlich in Richtung Stickstofffixierung verschieben. „Besonders an den neu entdeckten Peptiden ist, dass sie die Knöllchenbakterien nicht so weit beeinträchtigen, dass sie sich nicht mehr fortpflanzen können. Das unterscheidet sie von allen bisher bekannten Peptiden, mit denen andere Vertreter der Hülsenfrüchtler ihre Symbiose kontrollieren“, sagt Robert Hänsch vom Institut für Pflanzenbiologie der TU Braunschweig. Damit geht die Robinie den umgekehrten Weg im Vergleich zu einjährigen Pflanzen: Die Bakterien bleiben lebens- und teilungsfähig und werden zu dauerhaften Mitbewohnern, wie die Forschenden im Fachjournal Science Advances belegen.

Quelle: TU Braunschweig
Methods · Application

KI Programm AlphaFold - nun experimentgeleitet

Anstatt heterogene Strukturen auf eine dominante Form zu reduzieren, wie AlphaFold3 (rot), sagt experimentgeleitetes AlphaFold eine größere Anzahl von möglichen Ubiquitin-Konformationen unter Verwendung von NMR-Daten (grün) voraus. Grafik und (c) Maddipatla et al., Nature Biotechnology

Das KI‑gestützte Programm AlphaFold sagt die 3D‑Struktur eines Proteins mit bemerkenswerter Genauigkeit voraus. Es neigt jedoch dazu, heterogene Strukturen auf eine dominante Konformation oder Form zu reduzieren und achtet nicht auf experimentelle Bedingungen, die lokale Strukturen verändern können. Wissenschafterinnen und Wissenschafter am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) und internationale Partner*innen haben nun eine Methode entwickelt, um AlphaFold mit experimentellen Daten zu ‚lenken‘. Ihr Ansatz, veröffentlicht in Nature Biotechnology, ebnet den Weg für zukünftige, verbesserte Vorhersagemodelle.

Quelle: ISTA
Research Result

Warum mehr Pflanzenarten in Europa kein Grund zur Entwarnung sind

Für die Studie wurde die Artenvielfalt in vielen Regionen Europas untersucht. Hier ist eine Untersuchung im Bjelasica-Gebirge in Montenegro zu sehen. Foto und (c): Milan Chytrý

In vielen Ökosystemen Europas ist die Zahl der Pflanzenarten in den vergangenen 100 Jahren eher gewachsen als gesunken. Das ist allerdings keine gute Nachricht: Dieser lokale Zuwachs kommt vor allem durch Generalisten und gebietsfremde Arten zustande, die mit den ursprünglich heimischen Arten konkurrieren. Zudem ist die Artenzahl europaweit nicht angestiegen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Für seine Studie, die das Team im Mai im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht hatte, wertete es die mehr als 57.000 Zeitreihenaufnahmen der verschiedenen Lebensräume zur Pflanzenvielfalt in Europa aus.

Quelle: MLU