Forschungsergebnis

Wie Brände, Stürme und Borkenkäfer Europas Wälder bis 2100 formen

Bäume mit sichtbaren Borkenkäferschäden. Wie sich diese und zwei weitere Faktoren auf Europas Wälder auswirken könnten, haben Forschende ausgerechnet. Foto und (c): Rupert Seidl, TUM

Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer haben großen Einfluss auf Wälder und die Leistung, die diese für Klima, Mensch und Umwelt erbringen. Ein internationales Forschungsteam hat erstmals berechnet, wie diese drei Faktoren Europas Wälder bis 2100 verändern könnten. Bereits im bestmöglichen Szenario sehen die Forschenden einen deutlichen Anstieg der geschädigten Fläche – im pessimistischsten Fall sogar eine Verdoppelung der Waldschäden. Die Ergebnisse veröffentlichte das Team um Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der Technischen Universität München (TUM), im Fachmagazin Science. Die Studie wurde im Rahmen des Projekts Resonate – Resilient Forests for Society durchgeführt, welches vom European Forest Institute (EFI) koordiniert wurde.

Quelle: TUM
Forschungsergebnis

Frankens Landwirtschaft der Zukunft: Oliven und Mandeln statt Gerste und Zuckerrübe?

Ein ungebremster Klimawandel wird die deutsche Landwirtschaft bis 2100 radikal verändern und könnte mediterrane Kulturen nach Franken bringen. Das zeigt die Studie eines Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Dabei dient die Region Franken als „Mitteleuropa im Kleinen“. Aufgrund ihrer heterogenen Topographie – von tiefgelegenen Flusstälern bis zu Mittelgebirgslagen über 1.000 Metern – ist die Region repräsentativ für weite Teile Zentraleuropas. Die Ergebnisse besitzen somit eine Signalwirkung für ganz Deutschland. Die Analyse zeigt eine massive Verschiebung der Klimazonen. Was das für die Landwirtschaft in Franken bedeutet, prognostiziert die Studie so: Einige weniger wärmeliebende Kulturen werden an Bedeutung verlieren. Dazu zählen in erster Linie Gerste, Zuckerrüben und Futterpflanzen wie Silomais und Futter-Ölsaaten. Andere Produkte können sich halten oder werden an Bedeutung gewinnen. Das gilt für Roggen, Weizen, Raps und Mais. Aber auch der Weinbau wird in fast allen Teilregionen Frankens deutlich an Bedeutung gewinnen. Durch die klimatische Annäherung an den Mittelmeerraum könnten neue Kulturen attraktiv werden, die heute in Franken als „exotisch“ gelten: Hierunter fallen vor allem Pfirsiche, Oliven, Südfrüchte sowie Mandeln, Haselnüsse und Kastanien. Die Ergebnisse hat das Team aus den Bereichen Klimaforschung, Informatik und Fernerkundung in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Quelle: JMU
Köpfe und Karrieren

Preis für Naturstoff-Forschung für Jakob Franke

Die DECHEMA-Fachgruppe Niedermolekulare Naturstoffe mit biologischer Aktivität hat Ende Februar während des 38th Irsee Natural Product Symposium die Forschungspreise für Nachwuchswissenschaftler vergeben. Prof. Dr. Jakob Franke vom Institut für Botanik der Leibniz-Universität Hannover erhielt den Nachwuchswissenschaftler-Preis für Naturstoff-Forschung 2026 für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der pflanzlichen Naturstoffe und seine Innovationskraft an der Schnittstelle zwischen klassischer Naturstoffchemie und datengetriebener Wirkstoffforschung. Mit den Preisen für Naturstoff-Forschung werden herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der niedermolekularen Naturstoffe mit biologischer Aktivität gewürdigt. Die Auszeichnungen sollen den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern, exzellente Forschung sichtbar machen und den Austausch innerhalb der Naturstoff-Community stärken.

Quelle: DECHEMA
Forschungsergebnis

Tomaten- und Paprika-Anbau gefährdet

Blatt-Ringflecken-Symptom, verursacht durch das Tomato spotted wilt virus an Paprika-Pflanzen. Foto und (c): DSMZ

Neue Virusvarianten des Tomato spotted wilt virus (TSWV) überwinden wichtige Resistenzgene bei Tomaten- und Paprika-Pflanzen, sodass der Anbau weltweit gefährdet wird. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass bestimmte agronomische Praktiken – wie der Wechselanbau resistenter Sorten oder der gleichzeitige Anbau resistenter Tomaten- und Paprikasorten in unmittelbarer Nähe – unbeabsichtigt die Selektion und Verbreitung aggressiverer Virusvarianten begünstigen könnten. Dieses Szenario wurde bereits in Italien beobachtet und könnte auch auf andere Regionen weltweit zutreffen. „Unsere Ergebnisse eröffnen neue Erkenntnisse für Produktionssysteme, in denen Tomaten und Paprika räumlich nah angebaut werden, und machen eine Neubewertung derzeitiger landwirtschaftlicher Praktiken und Strategien im Krankheitsmanagement notwendig. Besonders empfehlen wir ein systematisches Screening nach D-RB-Stämmen des TSWV überall dort, wo beide Kulturen in unmittelbarer Nähe wachsen. Überwachung und angepasste Managementansätze sind entscheidend, um Risiko, Ausbreitung und Auswirkungen dieser neuen Virusvarianten zu reduzieren und die Erträge zu sichern“, fasst Dr. Paolo Margaria zusammen, Leiter der Arbeitsgruppe Discovery and Diversity in der Abteilung Pflanzenviren des Leibniz-Instituts der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ). Die Ergebnisse haben Forschende des DSMZ, des italienischen Nationalen Forschungsrats (CNR) und von BASF-Nunhems Italy gestern in der international Fachzeitschrift Virology publiziert.

Quelle: DSMZ
Förderung · Politik

Neues Förderinstrument „Nexus“ für Exzellenznetzwerke der Forschung auf EU-Ebene vorgeschlagen

Wie lässt sich die europäische Wissenschaft im weltweiten Wettbewerb stärken? Zu dieser Frage haben Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Wissenschaftsrat (WR) am 3. März in Brüssel ein Diskussionspapier mit dem Titel Nexus – Networking excellence – Enabling participation – Transforming European Science vorgestellt (hier das ganze Konzept in English als pdf). Darin schlagen sie vor, die Spitzenforschung innerhalb des Europäischen Forschungsraums stärker zu vernetzen. Mit Nexus soll – in Ergänzung zu bereits bestehenden Förderinstrumenten – die institutionalisierte Zusammenarbeit der besten Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Europa gestärkt werden. Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Draghi-Bericht des früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit, der 2024 in Anlehnung an den European Research Council (ERC) einen „ERC für Institutionen“ als hoch kompetitives Programm für besonders forschungsstarke Einrichtungen skizziert hatte. 

Quelle: DFG
Projekt

Waldvielfalt in Zahlen - Projekt zum Vergleich von Biodiversität

Mehrschichtiger Buchenwald mit vielfältigen Strukturen. Foto und (c): M. Lauterbach, LWF

Wie lässt sich biologische Vielfalt im Wald objektiv messen? Mit dem neuen Forschungsprojekt DendroBiom, das Anfang des Jahres gestartet ist, entwickelt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) praxisnahe Lösungen, um die strukturelle und biologische Vielfalt bayerischer Wälder erstmals vergleichbar in Zahlen darzustellen. Ziel ist es, bestehende wissenschaftliche Ansätze für die forstliche Praxis nutzbar zu machen und quantitative Aussagen zur Waldvielfalt zu ermöglichen. Im Rahmen von DendroBiom werden die von der LWF entwickelten, frei verfügbaren Softwarepakete ForestElementsR und FeNEU weiterentwickelt. Künftig sollen sie neben Standartauswertungen dendrometrischer Daten auch eine quantitative Bewertung der Waldstruktur ermöglichen.

Quelle: LWF
Forschungsergebnis

Wie väterliche Mitochondrien die Fruchtbarkeit von Pflanzen wiederherstellen

Eine Tabakpflanze mit defekten Mitochondrien hat faltige und männlich-sterile Blüten (links). Diese Defekte können bei den Nachkommen durch die Vererbung gesunder väterlicher Mitochondrien behoben werden, was zur Wiederherstellung der Blütenpracht führt (rechts). Foto und (c): sevens+maltry, MPI-MP

Bei Tieren und den meisten Pflanzen werden Mitochondrien über die Mutter vererbt. Wie auch Mitochondrien bei Pflanzen vom Vater vererbt werden können, haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie (MPI-MP) entdeckt. Die Forschenden stellten fest, dass väterliche Mitochondrien unter normalen Bedingungen mit einer Häufigkeit von etwa 0,18 % vererbt werden. Dieser Anteil stieg jedoch auf über 7 %, wenn zwei Faktoren zusammenkamen: die Inaktivierung eines Enzyms, das mitochondriale DNA abbaut, und niedrige Temperaturen während der Pollenentwicklung. Unter diesen Bedingungen gelangen die väterlichen Mitochondrien leicht in die Spermien und behalten ihr Genom, wodurch ihre Vererbung an die Nachkommen ermöglicht wird. Bemerkenswert ist, dass bereits wenige väterliche Mitochondrien die normale Entwicklung und Fruchtbarkeit von Pflanzen wiederherstellten, die ansonsten defekte Mitochondrien von ihrer Mutter geerbt hatten. Veröffentlicht haben sie ihre Ergebnisse im Fachmagazin Nature Plants

Quelle: MPI-MP
Forschungsergebnis

Mykorrhiza-Symbiose reagiert empfindlich auf Ungleichgewichte bestimmter Nährstoffe

Langzeitexperiment zu Nährstoffmangel im Grünland an der landwirtschaftlichen Forschungsstation Raumberg-Gumpenstein in Admont. Foto und (c): Kian Jenab, Uni Wien

Die enge Gemeinschaft zwischen Pflanzen und Mykorrhiza-Pilzen reagiert sehr empfindlich auf Ungleichgewichte von Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium im Boden. Das zeigt eine 70-jährige Langzeitstudie und liefert wertvolle Einblicke für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Ergebnisse des Teams um die Ökologin Christina Kaiser vom Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft (CeMESS) von der Universität Wien hat die Ergebnisse im Fachmagazin The New Phytologist unter dem Titel Arbuscular mycorrhizal fungal families and exploration-based guilds exhibit distinct responses to long-term N, P and K deficiencies and imbalances veröffentlicht.

Quelle: Uni Wien
Forschungsergebnis

Stadtbäume können im Sommer mehr CO₂ aufnehmen als Autos ausstoßen

Wie viel Kohlendioxid binden Parks sowie einzelne Bäume in der Stadt und wie viel setzen sie frei? Um diese Frage zu beantworten, haben Forschende der Gruppe Umweltsensorik und Modellierung an der Technischen Universität München (TUM) ein hochaufgelöstes biogenes CO₂-Flussmodell entwickelt. Dabei zeigte sich, dass in München im Jahresdurchschnitt etwa zwei Prozent der städtischen Emissionen durch die Vegetation kompensiert werden. Stadtbäume erzielen die größte Wirkung; Grasflächen hingegen sind oft Netto-CO₂-Quellen. Veröffentlicht sind die Ergebnisse im Fachjournal Earth's Future.

Quelle: TUM
Forschungsergebnis

Wie urbane Grünflächen zum Klimaschutz beitragen

Kartierung der Bodengesundheit in den verschiedenen Campusabschnitten der Universität. Grafik und (c): Mojdeh Safaei

Städtische Grünflächen leisten weit mehr als nur einen Beitrag zur Lebensqualität: Sie speichern erhebliche Mengen organischen Kohlenstoff im Boden und tragen damit zum Klimaschutz bei. Im Projekt GreenJLU unter Leitung von Prof. Dr. Till Kleinebecker, Professur für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), wurden die Grünflächen der Gießener Universität erstmals systematisch untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Vegetationsstruktur als auch die Nutzungsgeschichte der Grünflächen entscheidend dafür sind, wie viel Kohlenstoff in den Böden gespeichert werden kann. Flächen, die intensiv gepflegt werden, speichern weniger Kohlenstoff als Bereiche mit Gehölzen und Flächen mit ehemals naturnäherer Vegetation. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Urban Forestry & Urban Greening veröffentlicht.

Quelle: JLU