Wie verborgene Viren in Algen erwachen und an künftige Generationen weitergegeben werden
Forschende entdecken, dass Riesenviren im Genom eines mehrzelligen Wirts schlummern, auf ein Signal hin reaktiviert werden und wie ein Supergen vererbt werden können. Von Riesenviren war lange angenommen worden, sie existierten nur als flüchtige, frei lebende Partikel, die sich dauerhaft im Genom eines mehrzelligen Wirts einbetten, über Generationen hinweg ruhen und dann auf Kommando wieder aktiv werden können. Die Studie von Forschenden des Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen stellt grundlegende Annahmen über die Funktionsweise von Riesenviren infrage und stellt im Fachjournal Nature Micobiology ein neues Modell zur Untersuchung viraler Latenz in komplexen Organismen vor. Wie sie zeigen, gibt es in der Braunalge Ectocarpus eine präzise Kontrolle über das Erwachen des Virus und eine doppelte Übertragungsstrategie: Das Virus reaktiviert sich nur in bestimmten Fortpflanzungszellen und unter bestimmten Temperaturbedingungen. Dann verwandelt es diese Zellen in Virusfabriken und blockiert gleichzeitig die Fortpflanzung des Wirts. Das Virus verbreitet sich sowohl vertikal (durch Vererbung) als auch horizontal (über infektiöse Partikel) und bietet damit ein neues Modell zur Erforschung der viralen Latenz, der Evolution und der Wechselwirkungen zwischen Wirt und Virus.