Ein synthetischer Lichtschalter für die Photosynthese
Pflanzensamen enthalten noch keine funktionierenden Chloroplasten. Nach der Keimung müssen Sämlinge daher den Photosynthese-Apparat zunächst aus hunderten von Chlorophyll- und Proteinmolekülen aufbauen. Wie dieser entscheidende Entwicklungsschritt im Pflanzenleben reguliert wird und wann und wo genau er startet, ist in den molekularen Abläufen noch sehr unverstanden. Pflanzenphysiologen am Institut für Botanik der Leibniz Universität Hannover (LUH) haben nun einen Durchbruch in diesem Forschungsfeld erzielt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedienten sich dabei einer Mutante mit einem Defekt in der Chloroplasten-RNA-Polymerase. Diese Mutante kann die Gene für die Photosynthese nicht anschalten und bleibt deswegen weiß. Die Forscher reparierten den Gendefekt der Mutante, bauten dabei aber einen synthetischen Lichtschalter mit ein, der unter rotem Licht ausgeschaltet ist, aber unter blauem Licht eingeschaltet wird. Mit diesem Optoswitch konnten die Biologen nun die BVB09 genannte Pflanzenlinie dazu bringen, gezielt Chloroplasten bei Blaulichtbestrahlung zu erzeugen. Chloroplasten können daher nur zu bestimmten Zeitpunkten und in bestimmten Geweben erzeugt werden, wie das Team in der Fachzeitschrift Nature Communications berichtet.