Research Result

Invasive Arten treffen den Globalen Süden deutlich härter als bisher angenommen

Die Ausbreitung der Wasserhyazinthe (Pontederia crassipes) im südafrikanischen Kruger-Nationalpark überzieht die Wasserlöcher und beeinträchtigt so die Flusspferde und andere heimische Tierarten. Foto und (c): Sven Bacher

Invasive gebietsfremde Arten sind einer der weltweit größten Treiber des Artensterbens. Bisherige globale Einschätzungen zur geografischen Verteilung dieser Schäden litten jedoch unter einer systematischen Verzerrung in der Forschung (Research Bias): Da in den Ländern des Globalen Nordens wie Nordamerika und Europa wesentlich mehr Forschung betrieben und dokumentiert wird, erschienen dort auch die höchsten Zahlen an invasiven Arten und damit auch die meisten Schadensberichte. Eine neue Studie unter Beteiligung von Prof. Dr. Hanno Seebens, Professor für Modellierung biologischer Systeme an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, zeigt nun: In Ländern des Globalen Südens richten invasive Arten signifikant höhere Schäden an als im Globalen Norden. Dies liegt an einer Kombination aus rasantem Wirtschaftswachstum und unzureichender staatlicher Governance. Die Studie, an der auch Forschende aus der Schweiz und Tschechien beteiligt sind, ist gestern in der Fachzeitschrift Science erschienen.

Quelle: JLU
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Pflanzenvielfalt nützt Naturschutz und Landwirtschaft

Ein typisches Biodiversitäts-Experiment, in dem Beziehungen zwischen Pflanzendiversität, Insekten und Ertrag analysiert wurden. Foto und (c): Scherber, LIB

WIe eine internationale Datenauswertung zeigt stärkt Pflanzenvielfalt in Ackerlandschaften die natürliche Schädlingskontrolle und stabilisiert Ökosysteme in Wiesen und Wäldern. Sie sorgt somit für höhere Erträge in der Land- und Forstwirtschaft. Das berichtet ein Forschungsteam unter maßgeblicher Beteiligung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB). Die Studie basiert auf 149 Feldstudien mit Daten aus 214 Standorten in 27 Ländern auf fünf Kontinenten und wurde in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

Quelle: LIB
Daily life · Politics

Forscher-Perspektive: Was die neuen EU-Regeln für Gentechnik bedeuten

Die EU hat kürzlich neue Vorschriften für genom-editierte Pflanzen beschlossen (siehe auch hier und hier). Im Interview erklärt Jürgen Kleine-Vehn, Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, welche politischen Hintergründe die Entscheidung hat, was sie für Verbraucher*innen bedeutet und welche Chancen und Risiken sie mit sich bringt.

Quelle: Uni Freiburg
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Gesunde Pflanzen – gesunde Menschen: Neue Wege gegen den Versteckten Hunger

Ein internationales Forschungsteam hat in einem Übersichtsartikel aufgeführt, wie die Menschheit den Vitamin- und Mineralstoffgehalt von Nutzpflanzen künftig erhöhen und diese Pflanzen gleichzeitig für den Klimawandel ertüchtigen kann. Die Publikation mit Beteiligung des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie (IPB), die im Juni in der Fachzeitschrift Nature erschienen war, betont, dass der Kampf gegen diese globalen Herausforderungen – Hunger und Klimawandel – durch eine Kombination aus konventioneller Züchtung, Gentechnik und Neuen Genomischen Techniken wie CRISPR/Cas erfolgen kann.

Quelle: IPB
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Land-Degradierung reduziert Ernteerträge deutlich

Bodenverdichtung durch Landmaschinen gehört zu den in der Studie untersuchten Degradationsprozessen. Foto und (c): Volker Lannert, Uni Bonn

Faktoren wie Erosion, Austrocknung und Verdichtung der Böden gefährden die Ernährung weiter Teile der Erdbevölkerung. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn, Minnesota, Basel und der Technischen Universität Hamburg. Ließe sich die von Menschen verursachte Boden-Degradierung um zehn Prozent zurückdrehen, könnten die Anbaugebiete rund um den Globus rein rechnerisch rund 70 Millionen Personen zusätzlich versorgen. Die Ergebnisse sind jetzt in der Zeitschrift Nature Food erschienen.

Quelle: Uni Bonn
Methods

KI-Tool ermöglicht die Vorhersage der Aktivität von DNA-Sequenzen

Deep-Learning-Ansätze haben die Vorhersage der Aktivität und Funktion von DNA-Sequenzen im Genom revolutioniert. Ein neues KI-Tool namens Corgi (Context-aware Regulatory Genomics Inference), das in der Bioinformatikgruppe von Martin Vingron am Max-Planck-Institut für Molekulargenetik in Berlin entwickelt wurde, ermöglicht es Forschenden, das Verhalten des Genoms in verschiedenen Zelltypen vorherzusagen. Die Ergebnisse könnten virtuelle Zellmodelle verbessern und haben somit Potenzial in der Grundlagenforschung und der Medizin angewandt zu werden. Die Studie wurde in Nature Communications veröffentlicht.

Quelle: MPI für molekulare Genetik

Seltene Moleküle können ganze Lebensgemeinschaften steuern

In der Natur kann gerade ein seltener Bestandteil der sein, der alles zusammenhält. Ein Artikel in Trends in Ecology & Evolution wird 
argumentiert, dass seltene Moleküle als Schlüsselmoleküle eine entscheidende Rolle in der Struktur und Funktion von Ökosystemen spielen können. Diese Moleküle, obwohl in geringer Konzentration vorhanden, können überproportionale Auswirkungen auf ganze Lebensgemeinschaften haben, folgert Dr. Erika C. Freeman vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Der Begriff „Schlüsselmolekül“ lehnt sich an das Konzept der „Schlüsselarten“ an, das 1969 vom Ökologen Robert Paine eingeführt wurde. Robert Paine zeigte, dass das Entfernen einer einzelnen Seesternart eine gesamte Küstengemeinschaft destabilisieren kann. Erika Freeman überträgt dieses Konzept auf die Chemie und postuliert, dass seltene Moleküle mit überproportionalen Effekten zentrale Akteure in ökologischen Prozessen sein können. 

Quelle: IGB