Biohybride Pflanzen: „Superpflanzen“ für eine bessere Umwelt entwickelt
Erstmals wurde eine vollständig biohybride Pflanze entwickelt, die dank integrierter Nanopartikel mehr Sonnenlicht absorbieren kann. Dies ermöglicht eine effizientere CO₂-Aufnahme aus der Atmosphäre, aber auch neues Potenzial für die Gewinnung erneuerbarer Energie. Das Einbringen von Nanopartikeln durch ein Forschungsteam an der Fakultät für Ingenieurwesen der Freien Universität Bozen (unibz) direkt in die Pflanze konnte deren Fähigkeit zur Aufnahme von Sonnenlicht steigern, ihr Wachstum fördern und damit den Weg für zahlreiche Anwendungen ebnen – von der Bindung von CO₂ aus der Atmosphäre bis hin zur Erzeugung von Bioenergie. Eine biohybride Pflanze ist ein lebender Organismus, in dem biologische Elemente, also die Pflanze selbst, mit technologischen Komponenten wie etwa leitfähigen Materialien kombiniert werden. So entsteht ein Hybrid aus Natur und Technologie, bei dem natürliche Funktionen der Pflanze wie Photosynthese, Wachstum oder Reizempfindlichkeit durch ingenieurtechnisch entwickelte Elemente ergänzt oder verstärkt werden. Als biologisches Element nutzte das Forschungsteam Pflanzen der Art Arabidopsis thaliana; die technologische Komponente bestand aus Nanopartikeln aus dem organischen Polymer P3HT. Dabei handelt es sich um eine lange Kette aus vielen kleinen, sich wiederholenden molekularen Einheiten mit Kohlenstoffatomen, deren Struktur mit einer Perlenkette vergleichbar ist. Wie die in Material Horizons veröffentlichte Studie zeigt, werden die biokompatiblen Nanopartikel von den Pflanzen auf natürliche Weise aufgenommen, ohne das Wachstum zu beeinträchtigen. Im Gegenteil: Sie verbessern die Eigenschaften der Pflanzen, indem sie deren Wachstum und Photosynthese fördern. Sobald sie die Blätter erreichen, wirken die P3HT-Nanopartikel wie winzige Antennen, die auch grünes Licht absorbieren können.