Forschungsteam entschlüsselt Energieschub bei Samenkeimung
Die meisten Pflanzensamen können fast vollständig austrocknen und bleiben dennoch lebensfähig. Während lebenden Zellen in der Regel bei einem Wasserverlust von 90 Prozent sterben, schalten die Zellen in Samen in einen biologischen Ruhezustand. Mit einem Feuchtigkeitsgehalt von unter zehn Prozent – ähnlich wie eine Rosine im Vergleich zu einer Weintraube – werden sie zu kleinen Zeitkapseln und können über Jahrzehnte lagern, bis sie durch günstige Umweltbedingungen „geweckt“ werden. Dann dürfen sie den richtigen Zeitpunkt zur Keimung nicht verpassen. Dazu müssen die Mitochondrien - die für die Energieversorgung nötigen „Kraftwerke der Zellen“ - ihre Arbeit möglichst schnell aufnehmen. Wie das gelingt, ist bislang nicht im Detail bekannt. Eine Studie, die von einem Forschungsteam der Universitäten Münster, Hannover und Halle geleitet wurde, zeigt nun am Beispiel von Arabidopsis thaliana: Die Mitochondrien stehen schon in trockenen Pflanzensamen in den Startlöchern. Ihre komplexe innere Struktur mit einer äußeren und einer inneren Membran sowie zahlreichen Einstülpungen der inneren Membran ist bereits voll ausgebildet und nicht nur in einer unfertigen Vorstufe vorhanden, wie vorherige Studien nahegelegt hatten. Die strukturelle und funktionelle Reife der Mitochondrien ist die Grundlage dafür, dass sie schnell – innerhalb von wenigen Minuten – ihre Arbeit aufnehmen können und die sogenannte Zellatmung starten kann. „Wir haben verschiedene Proteine identifiziert, die dazu beitragen, dass die Mitochondrien die Trockenphase bis zur Keimung unbeschadet überstehen“, betont Prof. Dr. Iris Finkemeier vom Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen der Universität Münster. Veröffentlicht siind die Ergebnisse im Fachjournal Current Biology.