Raphael Schallegger (Paris Lodron Universität Salzburg)
Raphael Schallegger erhielt den Preis für die beste pflanzenwissenschaftliche Master-Arbeit, die an der Universität Salzburg im Jahr 2025 erstellt wurde, von der Deutschen Botanischen Gesellschaft für die Arbeit:
Gemeinsames Leben am Rand des Abgrunds – Eine vergleichende Analyse der Tier- und Pflanzendiversität auf alten Steinmauern in der Stadt Salzburg, Österreich
Die Arbeit zeigt, wie sich die Effekte von Mauer-Eigenschaften auf die Artenzahl und -zusammensetzung je nach Organismengruppe (Moose, Gefäßpflanzen, Invertebraten) unterscheiden und vergleicht in diesem Zusammenhang auch Mauern „an Land“ mit solchen an einem Wasserkörper.
Alte Steinmauern bieten v.a. in Städten Lebensräume für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten, sind aber aufgrund diverser Charakteristika (z.B. vertikale Natur) auch Extremstandorte, die nur selten einheitliche Besiedelungsmuster zeigen. Im Sommer 2022 wurden Pflanzen- und Tierarten auf den Fassaden von 79 Mauern in der Stadt Salzburg erfasst und morphologisch bestimmt. Neben der Erstellung einer Inventarliste wurden Effekte von Mauereigenschaften (z.B. Ausrichtung, Rauheit, Neigung) auf die Diversität dieser Organismengruppen untersucht.
Insgesamt wurden 137 Gefäßpflanzen-, 37 Moos- und 257 Tierarten gefunden. Allen Gruppen war gemein, dass nur wenige ihrer Arten auf mehreren Mauern zu finden waren. Stattdessen war oftmals eine Mischung aus Einzelindividuen verschiedenster Arten zu beobachten. Während Neigung und Rauheit einer Mauer nur Effekte auf Tiere und Gefäßpflanzen (und nicht auf Moose) zeigten, beeinflusste ihre Ausrichtung beide Pflanzengruppen, aber nicht die Tiere. Bei allen drei Organismengruppen unterschied sich die Artenzusammensetzung auf Mauern, deren Fassade sich direkt oberhalb eines Wasserkörpers befand, und solchen, bei denen das nicht der Fall war. An diesen „Wassermauern“ wurden im Schnitt mehr Moosarten, aber weniger Tierarten gefunden als an Landmauern, bei den Gefäßpflanzen war der Unterschied in der reinen Artenzahl hingegen nicht signifikant. Die Arbeit betont die Bedeutung des Lebensraums Steinmauer in Städten auch hinsichtlich Schutzmaßnahmen. Sie dient auch als Referenz, auf Basis derer Ergebnisse und verwendeter Messmethoden umfangreichere und zielgerichtetere Untersuchungen solcher Lebensräume durchgeführt werden können.
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Raphael Schallegger fertigte die Arbeit am Fachbereich Umwelt und Biodiversität der Universität Salzburg in der Arbeitsgruppe von Prof. Andreas Tribsch an.