12. Okt 2021 · Actualia · Tagungsbericht

Zell und Molekularbiologie der Grünalge Chlamydomonas reinhardtii

Für viele aus der Chlamydomonas-Community war die Zusammenkunft an der französischen Riviera die erste Präsenztagung seit eineinhalb Jahren. Foto: Oliver Vallon

250 Forschende diskutierten ihre neuesten Ergebnisse bei der International Conference on the Cell and Molecular Biology of Chlamydomonas. Der Kaiserlauterner Konferenz-Mitorganisator Prof. Dr. Michael Schroda gibt Einblick in die jüngsten Forschungsschwerpunkte und schildert, was den Teilnehmenden besonders gefiel.

164 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler trafen sich in Präsenz vom 29. August bis 3. September auf der Île des Embiez in Südfrankreich zur 19th International Conference on the Cell and Molecular Biology of Chlamydomonas. Wegen der Pandemie kamen die vornehmlich jungen Teilnehmenden hauptsächlich aus Europa, aber auch einige aus den USA. Durch die Unterstützung der Konferenz seitens der DBG konnten die Teilnahmegebühren für Doktorandinnen und Doktoranden aus Deutschland niedrig gehalten werden.

Zusätzlich wohnten 86 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt der Tagung online bei und beteiligten sich aktiv über die Kommentarspalte sowie über die Konferenz-Webseite. Alle waren sich einig, dass der wissenschaftliche Austausch von Person zu Person durch nichts zu ersetzen ist und dieser wurde durch das exzellente französische Essen, ausgezeichneten Wein und den freien Nachmittag im Meer erheblich gefördert.

Themenspektrum

In den 75 Vorträgen und 74 Postern waren die Themen Photosynthese, Organellen, Reaktionen auf Umweltveränderungen, Cilien sowie neue Methoden und Werkzeuge prominent. Bemerkenswert war, wie gut die 60.000 indizierten Mutanten aus dem Chlamydomonas Library Project, CRISPR/Cas9 vermittelte Genomeditierung, sowie molekulare Werkzeuge basierend auf synthetischer Biologie in die aktuelle Forschung einfließen.

Auch die Erforschung an den bislang wenig beachteten und doch hochkomplexen Pyrenoiden schreitet voran: In diesem Kompartiment wird CO2 konzentriert. Ziel dieser Forschung ist es, die molekularen Grundlagen zu verstehen um Kulturpflanzen mit Pyrenoiden zu etablieren.

Highlights waren die in den Plenarvorträgen von Ben Engel und Alexey Amunts vorgestellten Einblicke in die zelluläre Ultrastruktur von Chlamydomonas, bzw. die Struktur mitochondrialer Ribosomen. In der EMBO Science Policy Lecture wurden Aspekte der Publikationspraxis und der Nachwuchsförderung angesprochen. Hier kamen z. B. Vorabpublikationen auf medRxiv und bioRxiv zur Sprache, die insgesamt als positive Entwicklung angesehen wurden. Die Programme der DFG zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wurden gelobt.

Poster-Preise gingen nach Frankreich und nach Belgien

Der erste der Poster-Preise ging an Ousmane Dao von der Université Aix Marseille für das vor Ort präsentierte Poster Alternative electron pathways of photosynthesis affect carbon storage during N deprivation in Chlamydomonas. Den zweiten Poster-Preis erhielt Fabrizio Lacono von der Université de Liège für das online präsentierte Poster Link between carbon-concentrating mechanism and regulation of the trans-thylakoidal proton-motive force highlighted in the Chlamydomonas reinhardtii nigericin-insensitive field-isolated strain C.

Fazit

Zusammenfassend war diese federführend von Olivier Vallon (Paris, France) organisierte Tagung ein großer Erfolg: Nicht nur wegen der Lage auf einer Insel im Mittelmeer bei exquisiter Verköstigung, sondern vor allem, weil viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Begeisterung für diesen außergewöhnlichen Modellorganismus endlich wieder in Präsenz teilen konnten.  

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Kaiserslautern, September 2021
Michael Schroda, Molekulare Biotechnologie & Systembiologie, TU Kaiserslautern

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