DBG

Nachruf: Professor Dr. Dr. h.c. Herbert Sukopp (1930 - 2026)

Professor Dr. Dr. h.c. Herbert Sukopp. Foto: Dr. Ulrich Sukopp

Mit Herbert Sukopp verstarb im Februar ein leidenschaftlicher Forscher, der nicht nur die Moore und Stadtökosysteme Berlins intensiv analysierte, sondern auch das Gespräch mit der Politik suchte, um sich für den Naturschutz einsetzen zu können. Für dieses Engagement und für seine wissenschaftlichen Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Gesellschaft und Wissenschaft verlieren mit ihm einen einflussreichen Pflanzenwissenschaftler und einen Gründungsvater der Stadtökologie. Prof. Volker Wissemann (Gießen) zeichnet wichtige Stationen, wissenschaftlichen Werdegang und das Engagement des Botanikers nach. 

Herbert Sukopp wurde am 6. November 1930 in Berlin geboren. 1949 begann er ein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Berlin, das er 1953 mit der Qualifizierung zum Lehrer abschloss. Anschließend folgte er seinem Wunsch, an der Universität zu bleiben, und begann direkt im Anschluss Biologie, Geologie und Soziologie an der Freien Universität Berlin zu studieren. 1958 schloss er seine Dissertation an der Freien Universität Berlin über die Vegetation Berliner Moore und dem Einfluss des Menschen auf die Moore Berlins bei seinem Doktorvater Prof. Ulrich Berger-Landefeldt ab, der Leiter des Instituts für Angewandte Botanik der TU Berlin war. 1968 an der TU Berlin habilitiert, forschte und lehrte Sukopp von 1969-1996 als Professor an der TU Berlin, zuletzt als Professor und Leiter des Fachgebietes Ökosystemforschung und Vegetationskunde im Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin, das er 1973 gemeinsam aus den Instituten für Angewandte Botanik, Bodenkunde und Zierpflanzenbau an der TU Berlin heraus gegründet hatte. 

Gründungsvater der Stadtökologie 

Mit seiner Dissertation hatte Herbert Sukopp die Grundlage gelegt für den Themenbereich, der ihn sein Leben lang interessierte, und den er wie kein zweiter Wissenschaftler Deutschlands verkörperte und als dessen Gründungsvater er gilt: die Stadtökologie. In einem Gespräch erzählte er, dass es die politische Lage der Isolation von Berlin war, die ihn in dieses Gebiet gedrängt hat. Die starke Überformung der Natur in Berlin durch die hohe Dichte an Menschen, der Grad der Zerstörung der Stadt Berlin mit ihren riesigen Ruderalflächen und die sich darin aufbauenden Netzwerke zwischen Organismen faszinierten Herbert Sukopp. Die große Vielfalt künstlicher Lebensräume, die vielfältigen Raum bieten für das Einwandern, die Etablierung, Interaktion, Ausbreitung bis hin zur Invasivität war das große Thema seines Forscherlebens. 

Von Vegetationskunde bis Landschaftsarchitektur

Unter den 650 von Herbert Sukopp veröffentlichten Publikationen einzelne hervorzuheben die kennzeichnend sind, ist schwierig. Stellvertretend kann sein Buch über die Agriophyten in der Vegetation Mitteleuropas gelten, das zunächst als Band 25 in der Schriftenreihe für Vegetationskunde im Landwirtschaftsverlag, Münster-Hiltrup 1992 erschien, und sukzessive Ergänzungen erfuhr. Koautor dieses Buchs war Wilhelm Lohmeyer, der an der Bundesanstalt für Vegetationskunde, Naturschutz und Landschaftspflege arbeitete, und 1988 für seine Verdienste auf dem Gebiet der Vegetationskunde und ihre Anwendung im Natur- und Umweltschutz die Ehrendoktorwürde der TU Berlin erhielt. Auch Herbert Sukopp erhielt für seine Tätigkeiten, die häufig Pioniercharakter hatten, zahlreiche gesellschaftliche Auszeichnungen, so z.B. 1983 das Bundesverdienstkreuz am Band des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 1987 den Verdienstorden des Landes Berlin. 

Akademisch gewürdigt wurde Herbert Sukopp 1999 durch die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau der TU München in Freising-Weihenstephan. Er war Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften im In- und Ausland, in denen er aufgrund seiner Verdienste Ehrenmitglied wurde, z.B. 1995 im Botanischen Verein von Berlin und Brandenburg oder 1998 in der Polnischen Botanischen Gesellschaft, sowie 2009 im Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA). 

Landschaftspflege und Naturschutz 

Herbert Sukopp kümmerte sich aktiv um die Naturschutzbelange Berlins und darüber hinaus, und suchte den Weg in die Politikberatung und den öffentlichen Diskurs: Beispielsweise von 1975-2000 als ehrenamtlicher Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege in Berlin und Vorsitzender des Sachverständigen-Beirats für Naturschutz und Landschaftspflege Berlin, oder 1982-1998 als Mitglied und zeitweise Vorsitzender des Beirates für Naturschutz und Landschaftspflege beim Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bzw. Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Auch hierfür wurde er wiederholt ausgezeichnet, akademisch auch seit 1995 als Außerordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Am 2. Februar 2026 ist Herbert Sukopp im Alter von 95 Jahren gestorben. Wir verlieren mit ihm einen stimmgewaltigen und wirkmächtigen Wissenschaftler, der mit seiner Arbeit Grundlagen legte, auf denen viele nachfolgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis heute aufbauen. Er war eine stetige Inspiration für diejenigen, die ihn persönlich kennen durften. Dass er auch Mitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft war, erfüllt uns mit Freude und Stolz, und wir werden in der DBG ein ehrendes Andenken an Herbert Sukopp bewahren.

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Im März 2026

Prof. Dr. Volker Wissemann, Justus-Liebig-Universität Gießen, Fachbereich 08 - Biologie und Chemie, Botanik, Arbeitsgruppe Spezielle Botanik, und langjähriger Sprecher unserer Sektion Biodiversität und Evolutionsbiologie