Aus der Perspektive einer Pflanzenwissenschaftlerin ist Prof. Dr. Jutta Papenbrock von der Leibniz Universität Hannover begeistert von den Pflanzenaufnahmen, den Vergrößerungen der Details, den genauen Beobachtungen der pflanzlichen Entwicklung im Zeitraffer und den spezifischen Reaktionen von Pflanzen auf ihre Umwelt. „Wir sind jeden Tag von Pflanzen umgeben und schauen viel zu selten genau hin“, fasst sie zusammen.
Im Film wird wunderbar gezeigt, dass sich Menschen zu verschiedenen Epochen und von unterschiedlichen Kontinenten von Pflanzen faszinieren lassen und diese Faszination sogar ihre Lebenswege erheblich beeinflusst: Von den mikroskopisch kleinen Details einer Pflanzenzelle, ihrem Entwicklungszyklus, ihren Metamorphosen bis hin zu ihrem evolutionären Alter, ihrer Langlebigkeit und majestätischen Größe.
Trotz widriger Bedingungen und zahlreicher Widerstände zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist eine junge Frau so begeistert von den Besonderheiten der Pflanzen, der sie sich über die Fotografie genähert hat, dass sie sich in einem von Männern dominierten universitären Umfeld nicht beirren lässt. Mit ihrer pflanzenwissenschaftlichen und methodischen Expertise trägt sie zum Erkenntnisgewinn bei - auch heute noch ein Vorbild für Frauen in der Wissenschaft und unbedingt sehenswert.
Ein Student mitten in den Unruhen Anfang der 1970er Jahre fokussiert sich auf einmal auf eine Geranie und studiert sie genau - ebenfalls eine Ermunterung sich auch einmal wieder Zeit zu nehmen für die nähere (pflanzliche) Umgebung.
Ein Neurowissenschaftler wird wie viele andere vor ihm von einem Ginkgo-Baum in den Bann gezogen. Fossilien der Ginkgo-Gattung aus dem mittleren Jura sind etwa 175 Millionen Jahre alt. Noch heute können Ginkgo-Bäume weit über 1.000 Jahre alt werden. Den Neurowissenschaftler interessieren im Film die Reaktionen des sehr alten Baumes auf seine Umwelt, den er mit Methoden aus der Neurowissenschaft untersuchen möchte, dabei jedoch durchaus an Grenzen stößt. Die Vorstellung, was so alte Bäume schon alles gesehen und erlebt haben, ist auch für Studierende immer wieder faszinierend und wird in diesem Film sehr gut dargestellt, auch durch die zeitliche Verschränkung der Erzählstränge.
Die Darstellung dieser pflanzlichen Vielfalt wird hoffentlich bei vielen Menschen verschiedener Generationen eine Faszination für Pflanzen (wieder)erwecken und der verbreiteten Plant Blindness, also dem Ignorieren von Pflanzen, entgegenwirken. Daher würde sie sich freuen, wenn viele Menschen den Film Silent Friends ansehen, da Pflanzen vielleicht doch mehr zu sagen haben, als wir im täglichen Leben wahrnehmen.
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Prof. Dr. Jutta Papenbrock, Institut für Botanik, Leibniz Universität Hannover
Transparenz-Hinweis: Jutta Papenbrock empfiehlt an dieser Stelle einen fiktionalen Film, der auch mit Aufnahmen aus dem Innen- und Außenleben von Pflanzen aufwartet. Der Film wurde ihr dazu kostenlos zum Anschauen zur Verfügung gestellt. Sachbücher sowie filmische Dokumentationen können wissenschaftliche Details teils besser veranschaulichen.