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Im Film Silent Friend verleitet ein Ginkgobaum zur Wahrnehmung von Pflanzen

Der Neurowissenschaftler, gespielt von Tony Leung, der eigentlich die kognitive Entwicklung von Babys erforscht, macht ein Experiment mit dem uralten Baum. Foto: Pandora-Film

Ein alter Ginkgobaum im Botanischen Garten Marburgs ist seit mehr als hundert Jahren stiller Zeuge leiser Veränderungen im Leben dreier Menschen: eines Neurowissenschaftlers im Jahr 2020, eines Studenten im Jahr 1972 und einer Studentin im Jahr 1908. Den wie Poesie erzählten Film, mit seinen detailreichen Pflanzenaufnahmen, Zeitrafferdarstellungen und mikroskopischen Aufnahmen aus Zellen kann die stellvertretende Sprecherin unserer Sektion für Angewandte Botanik, Prof. Dr. Jutta Papenbrock, auch anderen ans Herz legen. Sie hat den Film bereits gesehen, der aktuell von Pandora-Film an die Kinos verliehen wird. Die Pflanzenwissenschaftlerin hofft, dass die Pflanzenvielfalt und wissenschaftlichen Details dazu animieren, die Pflanzenwelt im täglichen Leben bewusster wahrzunehmen.

Aus der Perspektive einer Pflanzenwissenschaftlerin ist Prof. Dr. Jutta Papenbrock von der Leibniz Universität Hannover begeistert von den Pflanzenaufnahmen, den Vergrößerungen der Details, den genauen Beobachtungen der pflanzlichen Entwicklung im Zeitraffer und den spezifischen Reaktionen von Pflanzen auf ihre Umwelt. „Wir sind jeden Tag von Pflanzen umgeben und schauen viel zu selten genau hin“, fasst sie zusammen.

Im Film wird wunderbar gezeigt, dass sich Menschen zu verschiedenen Epochen und von unterschiedlichen Kontinenten von Pflanzen faszinieren lassen und diese Faszination sogar ihre Lebenswege erheblich beeinflusst: Von den mikroskopisch kleinen Details einer Pflanzenzelle, ihrem Entwicklungszyklus, ihren Metamorphosen bis hin zu ihrem evolutionären Alter, ihrer Langlebigkeit und majestätischen Größe. 

Trotz widriger Bedingungen und zahlreicher Widerstände zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist eine junge Frau so begeistert von den Besonderheiten der Pflanzen, der sie sich über die Fotografie genähert hat, dass sie sich in einem von Männern dominierten universitären Umfeld nicht beirren lässt. Mit ihrer pflanzenwissenschaftlichen und methodischen Expertise trägt sie zum Erkenntnisgewinn bei - auch heute noch ein Vorbild für Frauen in der Wissenschaft und unbedingt sehenswert.

Ein Student mitten in den Unruhen Anfang der 1970er Jahre fokussiert sich auf einmal auf eine Geranie und studiert sie genau - ebenfalls eine Ermunterung sich auch einmal wieder Zeit zu nehmen für die nähere (pflanzliche) Umgebung.

Ein Neurowissenschaftler wird wie viele andere vor ihm von einem Ginkgo-Baum in den Bann gezogen. Fossilien der Ginkgo-Gattung aus dem mittleren Jura sind etwa 175 Millionen Jahre alt. Noch heute können Ginkgo-Bäume weit über 1.000 Jahre alt werden. Den Neurowissenschaftler interessieren im Film die Reaktionen des sehr alten Baumes auf seine Umwelt, den er mit Methoden aus der Neurowissenschaft untersuchen möchte, dabei jedoch durchaus an Grenzen stößt. Die Vorstellung, was so alte Bäume schon alles gesehen und erlebt haben, ist auch für Studierende immer wieder faszinierend und wird in diesem Film sehr gut dargestellt, auch durch die zeitliche Verschränkung der Erzählstränge.

Die Darstellung dieser pflanzlichen Vielfalt wird hoffentlich bei vielen Menschen verschiedener Generationen eine Faszination für Pflanzen (wieder)erwecken und der verbreiteten Plant Blindness, also dem Ignorieren von Pflanzen, entgegenwirken. Daher würde sie sich freuen, wenn viele Menschen den Film Silent Friends ansehen, da Pflanzen vielleicht doch mehr zu sagen haben, als wir im täglichen Leben wahrnehmen.

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Prof. Dr. Jutta Papenbrock, Institut für Botanik, Leibniz Universität Hannover

Transparenz-Hinweis: Jutta Papenbrock empfiehlt an dieser Stelle einen fiktionalen Film, der auch mit Aufnahmen aus dem Innen- und Außenleben von Pflanzen aufwartet. Der Film wurde ihr dazu kostenlos zum Anschauen zur Verfügung gestellt. Sachbücher sowie filmische Dokumentationen können wissenschaftliche Details teils besser veranschaulichen.

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13. Internationaler Pflanzen-Schwefel-Workshop in Heidelberg

Workshop-Logo und das Heidelberger Schloß mit alter Brücke über den Neckar und dem Logo der Universität Heidelberg. Foto und (c): Uni Heidelberg, Kommunikation und Marketing
Einen der beiden Preise für den besten Vortrag erhielt Büsra Elkatmis, die die Urkunde von Dr. Markus Wirtz, einem der Organisatoren des Workshops, überreicht bekam. Foto: Hanting Peng
Einen der beiden Preise für die besten Poster erhielt Suvajit Basu, der die Urkunde von Dr. Markus Wirtz, einem der Organisatoren des Workshops, überreicht bekam. Foto: Hanting Peng
Einen der beiden Preise für die besten Poster erhielt Jan-Ole Niemeyer, der die Urkunde von Dr. Markus Wirtz, einem der Organisatoren des Workshops, überreicht bekam. Foto: Hanting Peng
Die Pausen boten gute Gelegenheiten, die Forschungsergebnisse im Detail zu diskutieren. Foto: Hanting Peng
Die Mitglieder des Departments Molekularbiologie der Pflanzen am COS in Heidelberg empfingen die Teilnehmenden am Anmeldeschalter. Foto: Rüdiger Hell

Der Internationale Plant Sulfur Workshop stellt ein einzigartiges Forum für die Zusammenführung von molekularbiologischer bis zu ökologischer Forschung rund um die Rolle von Schwefel in Pflanzen dar. Initiiert wurde das Format im Jahr 1989. Seitdem arbeitet diese erfolgreiche Reihe unabhängig von wissenschaftlichen Gesellschaften oder Fördermittel nach einem Bottom-up-Ansatz. Mehr als 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 17 Ländern und von den vier Kontinenten Asien, Australien, Europa und Nord-Amerika präsentierten vom 21. bis 25. September ihre neusten Ergebnisse dieses Jahr in Heidelberg nach dem letzten Workshop vor drei Jahren in Canada. Die Mischung aus Nachwuchs- und etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern führte zu einem lebhaften Austausch über die Interaktion von Schwefel mit anderen Nährstoffen, die Rolle des Protein-Sulfenoms, die Beeinflussung der Biodiversität und vieler anderer Themen. Die Konferenz-Organisatoren Prof. Dr. Rüdiger Hell und Dr. Markus Wirtz vom Centre for Organismal Studies Heidelberg (COS) berichten über die thematischen Schwerpunkte des Treffens ebenso wie über ausgezeichnete Forschungsergebnisse. 

Following the established concept of the previous Sulfur Workshops, researchers from the areas of the molecular biology, cell biology and biochemistry mingled with crop researchers, ecotoxicology and atmosphere experts. This striking comprehensiveness is a consequence of the multitude of functions of sulfur in its different oxidation and binding states in the living and non-living environment. 

Topics and thematic focuses

Important topics during the conference were the role of signaling processes including transcription factor networks and sulfur-based protein modifications, the novel metabolic link to epigenetic DNA methylation, the requirement of high-resolution analyses at cell level, emerging findings from the sulfur perspective of so far under-investigated monocot crops, biotechnological approaches and the increasing influence of changing sulfur supplies in natural and agro-ecosystems. As an emerging theme the central role of sulfur and its manifold functions in networks of nutrient and stress signaling was recognized. At the same time, the necessity of more intense research in crop model plants and interaction with the environment from microbiome to ecosystem became evident.

Awards sponsored by the German Society for Plant Sciences (DBG) went to the PhD students Büsra Elkatmis (Cologne) and Susan Yee (Canberra) for the best oral presentations and Suvajit Basu (Cologne) and Jan-Ole Niemeier (Münster) for the best posters. 

The poster sessions were powered by snacks and drinks, fostering extensive career-promoting discussions between junior and senior researchers. The high share of presenting young researchers (i.e. not having a permanent position yet) emphasises the relevance and actuality of the topics and predicts a strong showing at the next Sulfur Workshop to be held in Bangkok, Thailand, in 2028.

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In December 2025

Markus Wirtz and Rüdiger Hell, Centre for Organismal Studies, University of Heidelberg, Germany 

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Tetrapyrrol-Photorezeptoren photosynthetischer Organismen (ICTPPO)

Teilnehmende der ICTPPO-Konferenz vor dem Gebäude der Universität in Kaiserslautern. Foto: Nina Bäuerle
Die Teilnehmenden konnten beim Kendema-Spiel ihre Geschicklichkeit austarieren. Foto: Nina Bäuerle
Auszeichnungen gingen an die besten Forschenden im frühen Karrierestadium mit wissenschaftlichen Postern. Der Hauptpreis ging an Thomas Oliver (Mitte). Sie wurden überreicht von M. Agustina Dominguez Martin (links) und Dennis Nürnberg (rechts). Foto: Nina Bäuerle

Mit mehr als 100 internationalen Teilnehmenden fand vom 24. bis 27. August 2025 die 16. Internationale Konferenz über Tetrapyrrol-Photorezeptoren photosynthetischer Organismen (International Conference on Tetrapyrrole Photoreceptors of Photosynthetic Organisms, ICTPPO) an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) in Kaiserslautern statt. Diese jeweils alle zwei Jahre stattfindende Konferenz, die diesmal Professorin Nicole Frankenberg-Dinkel mit einem Team internationaler Wissenschaftler*innen und zahlreichen ortsansässigen Helfer*innen organisiert hatte, bleibt das wichtige Tagungsereignis für Wissenschaftler*innen der Mikrobiologie, Molekularbiologie, Strukturbiologie, Spektroskopie, Biochemie, Elektronenmikroskopie und Bioinformatik, die sich mit den Funktionen, der Synthese und der Struktur von Tetrapyrrolen und ihren Bindeproteinen befassen. Prof. Bernhard Grimm and Prof. Frankenberg-Dinkel berichten über die Themenschwerpunkte und warum auch Geschicklichkeit von Vorteil war. 

Das Programm enthielt 39 Vorträge und 47 Posterbeiträge und repräsentierte die aktuellen Forschungen über Tetrapyrrole von Photosythese-betreibenden Organismen und ihre vielfältigen Funktionen zwischen Signalgebung und Photosynthese. Es war erfreulich, dass neben ausgewiesenen Fachleuten eine überwiegende Zahl an Wissenschaftler*innen im frühen Karrierestadium und Doktorand*innen aus insgesamt 16 verschiedenen Ländern teilgenommen haben. Mit Hilfe der finanziellen Unterstützung der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) konnten sechs internationale Promovierende bei der Zahlung der Registrierungsgebühren entlastet werden. Zusätzlich wurden die Gelder zur Unterstützung von zwei Teilnehmenden internationaler Familien verwendet. 

Themen und Schwerpunkte

Mit den Themenkomplexen über Photorezeptoren (Phytochrome/Cyanobacteriochrome) und photosynthetische Proteinkomplexe sowie dem Tetrapyrrolmetabolismus wurde ein großes Spektrum an aktuellen Themen in Kaiserslautern diskutiert. Dabei fanden insbesondere die Aufklärungen der neuartigen Strukturen immer komplizierterer Proteinkomplexe zur Lichtsignalgebung durch die Photorezeptoren oder der bakteriellen oder pflanzlichen Photosysteme mittels Kryoelektronenmikroskopie besondere Aufmerksamkeit. Ebenfalls faszinierten die neuartigen Modelle und Werkzeuge der neukonstruierten Phytochrome mit diversen Phytobilinen für biotechnologische Zwecke. Die Postersessions boten viel Zeit und Gelegenheit für umfangreiche Darbietungen neuartiger Erkenntnisse und der Diskussion der aktuellen Forschungsergebnisse bot.

Keynotes

Für besondere Highlights der diesjährigen Veranstaltung sorgten auch die Vorträge der Keynote Speaker von Prof. Neil Hunter (Sheffield, UK), der in seiner langen erfolgreichen Laufbahn die gesamte Bandbreite der Erforschung des Tetrapyrrolmetabolismus und der photosynthetischen Lichtsammelkomplexe bearbeitete, und von Prof. Roberta Croce (Amsterdam, NL), die mit neuen bahnbrechenden Arbeiten zur Dynamik der photosynthetischen Lichtreaktion ein beeindruckendes Spektrum biophysikalischer Arbeiten mit molekulargenetischen Mutanten und Systemen vereinen konnte.

Geschicklichkeit gefragt und Poster prämiert

Ein attraktiver kultureller Höhepunkt gelang der Organisatorin durch den Nachmittagsausflug aller Teilnehmer*innen am vorletzten Tag zum Hambacher Schloss mit Besichtigung und abschließendem Konferenzdinner. Auch auf dieser ICTPPO Tagung wurde erneut Kendama (https://de.wikipedia.org/wiki/Kendama) gespielt, ein japanisches Geschicklichkeitsspiel, das den Teilnehmer*innen anlässlich der Tagung in Kyoto 2007 vorgestellt wurde. Diesmal spielten junge gegen ältere Teilnehmer*innen, bevor die besten internationalen Spieler*innen gegen die gewohnt siegessicheren japanischen Teilnehmer*innen antreten konnten. Neben den Preisen für das beste Kendama-Team wurden auch Auszeichnungen für die besten wissenschaftlichen Poster vergeben. Den Hauptpreis erhielt Dr. Thomas J. Oliver von der Vrije Universiteit Amsterdam.

Nach ergebnis- und erlebnisreichen drei Veranstaltungstagen unter bester Organisation blicken alle Teilnehmer*Innen zufrieden auf ein wichtiges Ereignis für die Tetrapyrrol*innen zurück und freuen sich bereits auf ein Wiedersehen in zwei Jahren 2027 in Kaifeng, China.

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Internationales Endozytobiologie-Symposium in Berlin

Gruppenbild in der Donnerstagssession im Elisabeth-Schiemann-Hörsaal der Freien Universität. Foto: Dr. Petra Redekop

Vom 16. bis 19. September 2025 besuchten 74 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das 23. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endozytobiologie (International Society of Endocytobiology, ISE) an der Freien Universität Berlin. Im Rahmen von insgesamt 29 Vorträgen, 31 Postern, einer Campus-Tour und in der besonders entspannten Atmosphäre beim „Young Organelle BBQ” sowie dem Tagungs-Dinner fand ein umfangreicher Austausch über präsymbiotische und endosymbiotische Zell- und Organellbiologie statt.Organisatorin, Professorin Margarete Baier, fasst die Themen des Treffens zusammen und berichtet über die mit Preisen ausgezeichneten Beiträge von Forschenden im frühen Karrierestadium. 

Die vorgestellten Themen reichten von der interorganismischen Erkennung von Organismen und Prozessen der Organellen-Evolution, über Steuerung des RNA-Haushalts und der Proteinbiosynthese, bis hin zu Plastiden-Zellkern-Signalling, Thylakoid-Biogenese, Photosyntheseregulation und biotechnologischen Aspekten. Besonderheit der Tagung war die Objektbreite von präendosymbiotischen Organismen bis zu hochentwickelten roten und grünen Plastiden, Mitochondrien und sekundären Endosymbiosen, sowie Experimenten zur Stabilität artifiziell generierter Endocytobiosen.

Zahlreiche Beiträge wurde von Nachwuchswissenschaftlern selbst präsentiert. Für den besten Posterbeitrag über „Molecular analysis of the biogenesis pathways of thylakoid membrane proteins in Arabidopsis thaliana“ wurde Marie Karstens von der Ruhr Universität Bochum ausgezeichnet (gefördert von der Deutschen Botanischen Gesellschaft, DBG). Weitere Preise gingen an Leonora Peters (Universität Halle, gefördert von der ISE) für den Vortrag „The PPR protein PPR596 is important for splicing of nad2 and assembly of Complex I in mitochondria of Arabidopsis thaliana“, Yoji Okabe (University of Tokyo, gefördert von Agrisera) für den Vortrag „Potential for photosymbiosis: Algal survival and acclimation in fish embryos“ und Alain Gervasi für den besten bioinformatischen Ansatz „Modular microscopy platform to study microalgae motility, photophysiology and photoprotection“ (Université de Liège, Belgien; gefördert vom Granger Institut, Chicago). Das Symposium endete mit der Einladung von Prof. Dr. Marek Eliaš zur nächsten International Conference der ISE im September 2026 in Ostrava (Tschechien). Die Tagung wurde dankenswerterweise von der DBG gefördert.

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Im Oktober 2025

Prof. Dr. Margarete Baier, Freie Universität Berlin, Institute of Biology, research group Plant Physiology, Berlin 

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Zell und Molekularbiologie der Grünalge Chlamydomonas reinhardtii

Teilnehmende der Konferenz vor dem Fürstbischöflichen Schloss in Münster. Foto: The Chlamy2025 Organizing Committee

270 Forschende diskutierten ihre neuesten Ergebnisse bei der International Conference on the Cell and Molecular Biology of Chlamydomonas. Die Organisatoren Prof. Dr. Michael Hippler und Prof. Dr. Michael Schroda geben einen Einblick in die jüngsten Forschungsschwerpunkte am etablierten Modellorganisamus der Algenforschung und schildern, was den Teilnehmenden besonders gefiel. 

Vom 25. bis 29. August 2025 trafen sich 270 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich in Münster zur 21st International Conference on the Cell and Molecular Biology of Chlamydomonas. Über zwei Drittel der Teilnehmenden kam aus dem Ausland, hauptsächlich aus Europa, aber auch viele aus den USA, China und Japan. Durch die Unterstützung der Konferenz seitens der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) konnten die Teilnahmegebühren für einige Doktorandinnen und Doktoranden niedrig gehalten werden. 

Die Vorträge wurden im Fürstenberghaus gehalten, Mittagessen gab es in der Mensa am Aasee und Abendessen, Posterpräsentationen sowie die Party fanden in einem großen Zelt direkt vor dem Fürstbischöflichen Schloss statt. So sind wir täglich bis zu 10 km zwischen den Orten der Veranstaltung gelaufen und haben es durch den regen wissenschaftlichen Austausch unterwegs nicht einmal bemerkt! Hier mussten sich alle den typischen Münsteraner Blick über die Schulter angewöhnen, um keinen der unfassbar vielen Fahrradfahrer in der Stadt zu übersehen.

Themenspektrum

In den 86 Vorträgen und 122 Postern waren die Themen Photosynthese, Organellen, Reaktionen auf Umweltveränderungen, Biotechnologische Anwendungen, Strukturbiologie, Cilien sowie neue Methoden und Werkzeuge prominent. Da Chlamydomonas in Europa vornehmlich zur Untersuchung der Photosynthese verwendet wird, gab es drei große Photosynthese-Sessions. Ein Highlight war die neue Barcode-markierte Mutanten-Bibliothek aus dem Jonikas-Labor (Princeton, USA) mit 71.700 neuen Mutanten, die 80% des Genoms abdecken. Weiterhin fiel auf, wie routinemäßig die Genschere CRISPR/Cas9 zum Einsatz kommt. Auch die besondere Eignung von Chlamydomonas für cryo-ET basierte Strukturbiologie wurde deutlich, besonders schön illustriert durch das mitochondriale Respirasom im Vortrag von Florent Waltz (Biozentrum Basel, CH). 

Weit bekannte Chlamydomonas Wissenschaftler

Highlights waren die Plenarvorträge von Peter Hegemann (Berlin) und Nathan Nelson (Tel Aviv, Israel). Peter Hegemann, der sich um die Etablierung der Optogenetics dank seiner bahnbrechenden Arbeiten am Channelrhodopsin verdient gemacht hat, berichtete darüber wie ein heterodimerer Proteinkomplex mit zwei Chromophoren blaues und rotes Licht absorbieren kann. Der 87-jährige Nathan Nelson zeigte uns, wie man mit fortgeschrittenem Alter noch an der vordersten Front der Forschung sein kann! In seinem messerscharfen Vortrag zeigte er uns Strukturen von Photosystem II-Assemblierungsintermediaten in Chlamydomonas, aus denen die zwei neuen Assemblierungsfaktoren Psb1 und 2 hervorgingen.

Vortrags- und Poster-Preise gingen nach England und China

Der erste Preis für den besten Vortrag eines Nachwuchswissenschaftlers ging an Ousmane Dao von der University of York, UK, für seinen Beitrag Photorespiration is essential for acclimation to low CO₂ in Chlamydomonas. Den erste Preis für das beste Poster eines Nachwuchswissenschaftlers erhielt Lian Ye vom Institut für Hydrobiologie in Wuhan, China mit seinem Beitrag RNA-based transient expression and cell-wall surface display expand the synthetic biology toolbox of Chlamydomonas reinhardtii.

Fazit

Zusammenfassend war diese Tagung ein großer Erfolg: Das schöne Münster und das wunderbare Schloss lieferten eine unvergessliche Kulisse. Die Tagung wurde vor allem von den vielen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt getragen, die mit ihrer Begeisterung für diesen außergewöhnlichen Modellorganismus der wissenschaftlichen „Chlamy-Community“ noch eine große Zukunft bescheren werden. 

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Im Oktober

Prof. Dr. Michael Hippler, Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster, Institute of Plant Biotechnology and Biology, Münster, Germany 

Prof. Dr. Michael Schroda, RPTU University Kaiserslautern-Landau University of Technology, Molecular Biotechnology & Systems Biology, Kaiserslautern, Germany

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Summer School: Warum es auf Zahlen ankommt

Die Beitragenden und Teilnehmenden der Summer School waren aus fünf Universitäten zusammen gekommen. Foto und (c): Andreas Richter

Die Summer School „The Numbers Matter: Exploring Photoautotrophic Organisms through Quantitative Biology” fand vom 15. bis 19. September am Institut für Biowissenschaften an der Universität Rostock statt. Vierzehn Doktoranden und Doktorandinnen diskutierten jüngste Ergebnisse und nahmen an praktischen Übungen zu quantifizierenden Techniken teil. Theoretische Vorträge rundeten die Veranstaltung ab. Die Organisatoren, Jun.-Prof. Dr. Jennifer Selinski (Kiel) und Jun.-Prof. Dr. Andreas Richter (Rostock) berichten über die Themen und Beiträge der DBG-geförderten Summer School

The new generation of plant scientists from Munich, Kaiserslautern, Münster, Kiel, and Rostock, who participated in the summer school, benefited from lab courses and hands-on experience in analyzing photosynthesis, photosynthetic complexes, carbohydrates, targeted gene expression, and the analysis of antioxidative enzymes. During the courses, the students were trained in new techniques, including non-toxic RNA extraction, quantitative gene expression analysis, gas chromatography, photosynthetic gas exchange, and automated protein complex purification, which were previously unfamiliar to them. Through intensive discussion of the protocols and procedures, the participants deepened their understanding of the quantitative extraction and analysis of plant-derived biomolecules essential to cellular functions. 

The practical work was accompanied by lectures on the mission of the NFDI initiative ‘dataPLANT’ FAIR digital objects and research data management, presented by Prof. Dr. Timo Mühlhaus (RPT University Kaiserslautern-Landau). Prof. Dr. Iris Finkemeier (University Münster) introduced the students to the field of plant proteomics, the theoretical principles and the application of quantitative mass spectrometric analysis for plant research. 

The organizers are grateful to all supporters and the lively contributions of all participants, which will undoubtedly transform the gained experience in cellular plant biology into a valuable contribution to the field of science, providing solutions to modern life's most pressing societal questions and challenges, particularly those related to plant biology and crop performance. 

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In September 2025

Jun.-Prof. Dr. Jennifer Selinski, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), Plant Cell Biology Group, Kiel 

Jun.-Prof. Dr. Andreas Richter, Universität Rostock, Institut für Biowissenschaften, Pflanzliche Stoffwechselphysiologie, Rostock 

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Frontiers in Plant Systematics and Evolution

Ein Teil der Symposiumsteilnehmenden kam in der Eingangshalle des Centre for Organismal Studies (COS) zusammen. Foto: Dr. Roland Gromes, COS

Das diesjährige Symposium unserer Sektion Biodiversität und Evolutionsbiologie brachte Forschende im frühen Karrierestadium (ECRs) mit etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen. Die mehr als 90 Teilnehmenden aus vier Ländern präsentierten und diskutierten im August jüngste Forschungsergebnisse unter dem Motto Frontiers in Plant Systematics and Evolution in Heidelberg. Prof. Dr. Elvira Hörandl (Göttingen), schildert die Highlights und Themen der Tagung, nennt, welche ECRs Preise für ausgezeichnete Forschung erhielten und berichtet über die Wahl des neuen Sektionssprechers. 

The symposium of our Section took place from 27th to 30th August 2025 at the Centre for Organismal Studies at Heidelberg University. The symposium was organized by Prof. Marcus Koch and his team (Heidelberg University) and comprised three keynote talks, five symposia with altogether 33 talks (15 student talks), and two poster sessions with 34 posters. The symposium had 92 participants coming from Germany, Switzerland, Austria, and Slovakia. 

Scientific highlights

The keynote talks were highlights of the symposium and covered a broad range of topics, starting with an evening lecture by Prof. Herbert Hurka on “Florogenesis of the Eurasian steppe belt – a comprehensive interpretation”. The keynote talk by Kirsten Bomblies “Adaptation to cellular challenges in polyploid Arabidopsis arenosa” reported about progress in cytogenetics, while the talk by Yvonne Willi “Elevational range limits and the role of trait integration” bridged the field of evolution and ecology by reporting adaptations of alpine plants.

Five symposia focused on various aspect of plant evolution, phylogenetics and morphology:

  • Symposium I, From populations to species (chaired by E. Hörandl/B. Gemeinholzer) had a focus on population and species level studies
  • Symposium II, Plant reticulate evolution at different evolutionary scales (chaired by C. Oberprieler/N. Wagner) presented research on hybridization and polyploidy in plants
  • Symposium III, Progress in plant systematics and taxonomy (chaired by G. Kadereit/A. Zerdoner Calasan) focused on phylogenomics and morphology in modern taxonomy
  • Symposium IV, Plant life at its environmental limits (chaired by M. Koch/C. Bechteler) focused on plant evolution in deserts, steppe and on heavy metal soils
  • Symposium V, Omic’s in systematics and evolution (chaired by N. Walden/C. Kiefer) presented progress of whole genome sequencing studies and phylogenomics in various genera of vascular plants.

All 33 talks were given mainly by early career researchers (ECRs) in front of the full audience, and the two poster sessions allowed also a personal presentation of authors by short “flash talks”.

Awards

The Catherine Dörrien student prizes of the Section were given to the best student and poster presentations. The poster prize was awarded to Lara Iaboli (LMU München) for her work on plant diversification and disperser communities in Aglaia (Meliaceae), and the oral presentation prize to Tina Kiedaisch (LMU München) for her study of reticulated evolution in Amaranthaceae sensu stricto using herbariomics.

Social events

In the lunch breaks we enjoyed guided tours through the Botanical Garden of Heidelberg University and the exhibition “timeline of evolution” at COS. The coffee breaks and the dinner on Friday, served at the conference location, provided ample opportunity to network, relax, and exchange scientific ideas. 
Annual assembly of the section 

The annual section’s meeting included reports of the spokespersons, and the election of the new spokespersons team: Dr. Anze Zerdoner Calasan (Bavarian State Collection for Botany) was elected as the new speaker. Dr. Tim Böhnert (Bonn University) and Dr. Natalia Tkach (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) were elected as deputy speakers. 

Altogether the symposium was successful to report scientific progress of our research field and represented a broad range of topics of plant evolution. It was a nice get-together of young and experienced scientists, and a good opportunity for ECRs to present and discuss their work. We, the former speaker, Prof. Dr. Elvira Hörandl, and our new speakers, thank Prof. Marcus Koch and his team for the organization of this wonderful event and the German Society for Plant Sciences (DBG) for support.

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In September 2025

Prof. Dr. Elvira Hörandl, University of Göttingen, Department of Systematics, Biodiversity and Evolution of Plants 

 

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Planungs- und Vorstandstreffen: Botanik-Tagung und Themen der ECRs

In den Gebäuden der Ruhr-Universität Bochum (RUB), die hinter den Gewächshäusern des Botanischen Gartens liegen, erkundeten die Mitglieder des DBG-Vorstands den Veranstaltungsort unserer kommenden internationalen Konferenz. Foto: mit freundlicher Genehmigung von Dr. Wolfgang Stuppy

Beim Treffen des erweiterten DBG-Präsidiums am 9. und 10. September an der RUB stimmten die Teilnehmenden nicht nur über die Programm-Highlights und weitere Details zu unserer kommenden Botanik-Tagung ab, sondern berieten sich auch über die ersten Ergebnisse der Umfrage zu den Anliegen der Forschenden im frühen Karrierestadium (ECRs), die die DBG seit Anfang August durchführt. Die Einladung des zukünftigen Tagungspräsidenten unserer International Conference of the German Society for Plant Sciences (DBG), Prof. Dr. Christopher Grefen, umfasste auch eine Probe-Verköstigung von Speisen, die während der Botanik-Tagung im kommenden Jahr angeboten werden könnten, zu der - wie in den Vorjahren - mehrere Hundert Teilnehmende aus allen pflanzenwissenschaftlichen Disziplinen erwartet werden. Berichte unseres Präsidenten, Prof. Dr. Andreas Weber, unseres Schatzmeisters, Prof. Dr. Raimund Tenhaken, zur Wirkung und Reichweite unserer Fachzeitschrift Plant Biology über Outreach und Website, sowie Lösungen für anstehende Herausforderungen wissenschaftlicher Fachgesellschaften waren ebenfalls Themen des jährlichen Vorstandstreffens. 

Actualia · Tagungsbericht

Gemeinsamer Sektions-Workshop für ECRs

Die Gruppe der Forschenden im Frühen Karrierestadium vor dem Veranstaltungsort, dem Weltkulturerbe St. Michaeliskirche in Hildesheim, beim ersten gemeinsamen Treffen zweier DBG-Sektionen. Foto: Dietrich Ober
Die Teilnehmenden im Tagungsraum. Foto: Dietrich Ober
Pausendiskussionen im Klosterhof. Foto: Dietrich Ober
Teilnehmende bei der Stadtführung auf dem Marktplatz von Hildesheim. Foto: Dorothee Langel

Der erste gemeinsame Workshop der DBG-Sektionen Pflanzliche Naturstoffe und Angewandte Botanik für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der frühen Karrierephase (early career researchers, ECR) fand vom 1. bis 3. September 2025 in Hildesheim statt. Über 30 Doktorand*innen und PostDocs von 16 Forschungsstätten aus ganz Deutschland, sowie aus Großbritannien und Dänemark stellten ihre Forschungsergebnisse vor und diskutierten diese intensiv miteinander. Über das Treffen und die Themen und Forschungsschwerpunkte berichten Prof. Dr. Dietrich Ober und Prof. Dr. Christian Zörb, die beiden Organisatoren. 

As this was the first time the workshop had been held jointly by the two sections, the contributions represented a wide range of scientific topics, but had many points of contact, particularly in terms of methods. Natural products also often play an important role in the quality and stress management of numerous crops.

Scientific Topics 

The programme included contributions on plant stress responses to nematode infestation, drought, salinity and climate change, on the biosynthesis and regulation of specialised metabolites such as terpenes, phenols, glucosinolates and alkaloids, and on the role of various volatile compounds. Other focal points were enzyme characterisation, metabolic engineering and ecological integration perspectives. Many presentations highlighted the increasing relevance of climate-related issues and application-oriented research, particularly in the fields of plant-derived natural products, synthetic biology and enzyme engineering.

Emerging Research Focus 

Despite the very different project phases, the quality of the presentations was consistently impressive. In addition to lively discussions on the content, the workshop promoted networking and visibility among this group through a format specifically designed for young researchers. Overall, the event highlighted both the continuity of natural product research and new thematic emphases in stress physiology, biotechnological applications and ecological integration. Some pictures give an impression of the event.

The organisers, Prof. Dr. Dietrich Ober, University of Kiel, and Prof. Dr. Christian Zörb, University of Hohenheim, would like to thank all participants for their commitment to the event and everyone involved in the organisation, not least the team at Michaeliskloster in Hildesheim, who made it possible to run the event in a relaxed and professionally organised manner. They both also thanked the sponsors of this event, i.e. the German Society for Plant Sciences (DBG), and the companies Bionorica (Neumarkt in der Oberpfalz, Germany), and PhytoLab (Vestenbergsgreuth, Germany) for financial support.

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In September 2025

Prof. Dr. Dietrich Ober (Deputy Speaker Section Natural Products), head of the Botanical Garden and head of the research group Biochemical Ecology and Molecular Evolution, Kiel University, Germany

Prof. Dr. Christian Zörb (Speaker Section Applied Botany), Hohenheim University, Quality of Plant Products (340e) | Viticulture

Actualia · Nachwuchsförderung

Nachfahre des Pflanzenwissenschaftlers Wilhelm Pfeffer fördert unsere Stiftung

Der Präsident der Wilhelm-Pfeffer-Stiftung, Severin Sasso, dankt Robert William Pfeffer (links) für die großzügige Spende vor einem Portrait des Pflanzenwissenschaftlers Wilhelm Pfeffer (1845-1920) an der Universität Leipzig. Foto: privat

Der Kanadier Robert William Pfeffer, Urenkel des bedeutenden Pflanzenwissenschaftlers Wilhelm Pfeffer, besuchte im Mai die Orte in Leipzig, an denen der Namensgeber der Wilhelm-Pfeffer-Stiftung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geforscht hatte. Robert William Pfeffer und seine Frau Martha Pfeffer überreichten eine großzügige Spende von 10,000 Euro, um die Ziele der DBG-eigenen Stiftung zu fördern, welche Pflanzenforscherinnen und -forscher im frühen Karrierestadium für herausragende Forschungsergebnisse auszeichnet. Die Stiftung verleiht im Wechsel den Wilhelm-Pfeffer-Preis für eine Dissertation als auch den Preis für die beste pflanzenwissenschaftliche Veröffentlichung.

Actualia · Nachwuchsförderung

Ausgezeichnet: Schlüssel-Enzym für ein giftiges Alkaloid mit großem Anwendungspotential entdeckt

Shenyu Liu (links) steckt einen Pflanzenextrakt zur Analyse in ein Gerät zur Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (LC/MS), Sara Leite Dias (Mitte) untersucht Gersten-Pflanzen im Gewächshaus und Dr. Ling Chuang (rechts) injiziert den DNA-Überträger Agrobacterium tumefaciens in das Blatt einer Tabakpflanze (Nicotiana benthamiana). Fotos (v.l.n.r): Yitong Ren, Lynne Tiller, und Susan Schlüter

Für ihre im Fachmagazin Science erschienene Studie über die genetischen Grundlagen der Biosynthese von Gramin, einem giftigen Alkaloid aus der Gerste, erhalten die drei Erstautorinnen und -autoren den diesjährigen Preis für die beste pflanzenwissenschaftliche Veröffentlichung. Der von der Wilhelm-Pfeffer-Stiftung unserer Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) vergebene und mit 1.000 Euro dotierte Preis geht zu gleichen Teilen an: 

  • Sara Leite Dias vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben (IPK), an
  • Dr. Ling Chuang während der Studie an der Leibniz Universität Hannover (jetzt Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena) und an
  • Shenyu Liu, ebenfalls Leibniz Universität Hannover. 

"Die Entdeckung des Schlüssel-Enzyms zur Herstellung von Gramin vervollständigt unser Wissen über den Biosyntheseweg und birgt das Potential für zahlreiche Anwendungen in Pflanzenzucht und Landwirtschaft. Zudem ist auch der enzymatische Mechanismus zur Knüpfung einer neuen Kohlenstoff-Stickstoff-Bindung ziemlich ungewöhnlich", erläutert Prof. Severin Sasso, Präsident der Wilhelm-Pfeffer-Stiftung, die Auszeichnung dieser Science-Studie mit dem Titel „Biosynthesis of the allelopathic alkaloid gramine in barley by a cryptic oxidative rearrangement“. Die Aufklärung der Gramin-Biosynthese ermöglicht zudem dessen Produktion in anderen Organismen, die Gramin nicht selbst synthetisieren können, was die Autorinnen und Autoren etwa für die Modellpflanze Arabidopsis thaliana oder die Hefe Saccharomyces cerevisiae gezeigt haben. Die neuen Ergebnisse liefern darüber hinaus auch eine Grundlage für die züchterische Verbesserung von Gerste, um ihre Resistenz gegen Pflanzenfresser, Pilze und Bakterien künftig zu erhöhen und damit einen Beitrag zur nachhaltigen Schädlingsbekämpfung zu leisten. Gleichzeitig kann die bestehende Toxizität von Gerste für Wiederkäuer in Zukunft verringert werden. 

Mehr zu den Preisen der DBG für Forschende im frühen Karrierestadium:

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Actualia · Tagungsbericht

Internationales Symposium zur Evolution pflanzlicher Reproduktion

Ein Teil der Teilnehmenden versammelte sich zum Gruppenfoto. Foto: Henri Dümpelmann. Zum Vergößern bitte anklicken
ICIPS PhD students welcomed the attendees at the registration booth. Photo: Romain Scalone
Poster sessions and discussions. Photos: Romain Scalone
Poster sessions and discussions. Photos: Romain Scalone
Poster sessions and discussions. Photos: Romain Scalone
Poster sessions and discussions. Photos: Romain Scalone
Siwei Pang at her awarded poster presentation. Photo: Clemens Rössner

Die wissenschaftliche Konferenz der Evolution der Signalgebung und Entwicklung pflanzlicher Fortpflanzungssysteme brachte mehr als 100 Forschende aus elf Ländern im März in Berlin zusammen und war von der DFG-Forschungsgruppe „Innovation and Coevolution in Plant Sexual Reproduction“ (ICIPS) organisiert worden. Sie bot nicht nur ein Forum zum Austausch neuester Forschungsergebnisse über Landpflanzenreproduktion, sondern zeigte auch, dass sich regulatorische Prozesse möglicher Weise vor den Merkmalen entwickelt haben, deren Ausprägung sie steuern. Prof. Dr. Annette Becker und Dr. Romain Scalone fassen die Tagung zusammen, stellen die Vielfalt der Pflanzenarten, die untersucht wurden, vor und berichten über die mit Preisen ausgezeichneten Poster und den besten Vortrag. 

This symposium was the first to focus on the genetic and epigenetic regulation of signaling and development in plant reproduction from an evolutionary perspective, including various morphological comparisons. A focus was on the evolution of pollen, carpels, ovules, fertilization mechanisms, multicellular embryos and endosperm as well as seeds and fruits. The event, which took place from 25th to 28th March 2025 in Berlin, was attended by 101 scientists showcasing the impressive diversity of emerging model organisms spanning major land plant lineages, allowing research into plant reproduction beyond the well-established model plants and crops. This focus included cross-lineage comparisons of reproductive systems and co-evolution of signaling pathways and gene regulatory networks. 

The species studied included the bryophytes Marchantia polymorpha (a liverwort), Anthoceros agrestis (a hornwort), and Physcomitrium patens (a moss); the fern Ceratopteris richardii; the gymnosperms Ginkgo biloba and Cycas revoluta, but also diverse angiosperms such as Eschscholzia californica, Cannabis sativa, Phlox longifolia, and Torenia crustacea and of course model plants such as Arabidopsis and maize. These comparisons were used, for example, by William Friedmann (Harvard University, USA) to discuss the origin of the endosperm and by Madelaine Bartlett (Cambridge University, UK) to report on sex determination, which is highly complex in the grasses. Furthermore, bioinformatics tools have been described that are being developed to facilitate comparative analyses of gene regulatory networks and signaling pathways. 

Regulatory processes seem to be older than previously thought

It became evident that many signaling pathways and gene regulatory modules are more ancient than the traits they specify. Additionally, the frequently held view that gymnosperms are too difficult for experimental approaches was challenged: Tetsuya Higashiyama and Yukiho Toyama (both University of Tokyo, Japan), for example, reported about chemotactic behavior and evolution of male reproductive cells in Cycas revoluta, while Silvia Moschin (University of Padova, Italy) aims to elucidate pollen-ovule cross-talk in Ginkgo biloba.

In conclusion, this event marked the first symposium organized by the DFG Research Unit Innovation and Coevolution of Plant Sexual Reproduction (ICIPS, FOR 5098) and provided a platform for ICIPS researchers and other participants to present and discuss their data with international experts. It brought together plant scientists from diverse parts of the world (from Europe to the USA, Japan and China), and from diverse fields, including cell biology, developmental biology, comparative morphology, bioinformatics, and molecular evolution, to collaboratively explore the origin and evolution of the fascinatingly complex process of plant sexual reproduction.

Best science posters and talks awarded 

Thanks to the generous sponsoring of the German Society for Plant Sciences (DBG) two prizes for the best posters were awarded to Camille Salaün (Max Planck Institute, Potsdam, Germany) and Nicholas Desnoyer (University of Zürich, Switzerland). The award for the best PhD talk went to Melanie Trupp (University of Osnabrück, Germany). Three travel grants were awarded to Siwei Pang (Justus Liebig University Gießen), Nicola Babolin (University of Milan, Italy) and Emanuela Talarico (University of Calabria, Italy). 

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Prof. Dr. Annette Becker, Dr. Romain Scalone, Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Botanik, AG Entwicklungsbiologie der Pflanzen

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21. Sektionstagung Phykologie

Die Teilnehmenden der 21. wissenschaftlichen Tagung der Sektion Phykologie vor der „Alten Mensa“ im Herzen von Göttingen. Foto: Samuel Gerent
Maddox Srey-Ouch (links) erhält von Jun.-Prof. Klaus Herburger den Schüler*innenpreis 2025 im Namen des Vorstandes der Sektion Phykologie. Foto: Samuel Gerent
Keynote-Vortrag von Dr. Susana M. Coelho, deren Forschung bahnbrechende Einblicke in die Reproduktionsbiologie von Braunalgen bietet. Foto: Samuel Gerent
Interessante Diskussionen im Rahmen der Poster-Sessions, die verteilt über mehrere Räume der „Alten Mensa“ stattfinden konnten. Foto: Samuel Gerent
Der neu gewählte Vorstand der Sektion Phykologie (v. l. n. r.): Prof. Peter Kroth, Prof. Claudia Büchel, Dr. Maike Lorenz, Dr. Vivien Hotter, Jun.-Prof. Karin Glaser, Jun.-Prof. Klaus Herburger, Prof. Andreas Holzinger. Foto: Janine Fürst-Jansen
Blick in die Sammlung von Algenkulturen der Universität Göttingen (SAG), die im Rahmen der Tagung besucht werden konnte und den Phykolog*innen in Deutschland und darüber hinaus als wichtige Bezugsquellen für Algen dient. Foto: Prajwal Karki

Vom 9. bis 12. März 2025 fand die 21. wissenschaftliche Tagung der Sektion Phykologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) in den altehrwürdigen Sälen der „Alten Mensa“ der Universität Göttingen statt. Die Tagung wurde von Dr. Maike Lorenz, Prof. Jan de Vries, Prof. Thomas Friedl und Dr. Janine Fürst-Jansen (Universität Göttingen) organisiert und bot über 120 Teilnehmer*innen aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, ihre aktuellen Forschungsergebnisse aus der Algenforschung vorzustellen und zu diskutieren. Die Tagung wartete mit einem vielfältigen Programm auf: In 44 Vorträgen und auf 50 Postern wurde eine große Bandbreite phykologischer Themen abgedeckt. Der Großteil dieser Beiträge wurde von Doktorand*innen und PostDocs vorgestellt und zeichnete sich durch ein sehr hohes wissenschaftliches Niveau aus. Eins der vielen Highlights war der Besuch der Sammlung von Algenkulturen der Universität Göttingen (SAG) am letzten Tagungstag. Mit deutsch- und englischsprachigen Führungen konnte die Altstadt von Göttingen erkundet werden, mit vielen Verweisen auf die spannende Geschichte der Universitätsstadt. 

Eröffnung und Einstieg ins wissenschaftliche Programm

Die Tagung wurde mit einer Begrüßung durch Dr. Maike Lorenz und Prof. Dr. Claudia Büchel, Sprecherin unserer Sektion, eröffnet. Dr. Lorenz verwies auf die lange Tradition der Universität Göttingen in der Algenforschung und stimmte alle anwesenden Algenforscher*innen auf ein spannendes wissenschaftliches Programm ein.

Gleich darauf folgte die erste Session mit Vorträgen zur Algen-Genetik. Hier wurden genetische Manipulationen bei Algen behandelt, einschließlich der Bearbeitung des Nukleargenoms in Chlamydomonas reinhardtii zur Verbesserung der Lichttoleranz sowie der Nutzung von cis-regulatorischen Elementen zur Untersuchung der Genfunktion. Weitere Vorträge befassten sich mit photoprotektiven Mechanismen in Kieselalgen und der Identifikation genetischer Grundlagen für die drei Geschlechtsphänotypen in der Grünalge Pleodorina starrii.

Den Vorträgen folgte die erste Poster-Session. Wie auch bei den Vorträgen erhielten hier vor allem Nachwuchswissenschaftler*innen – Doktorand*innen und PostDocs – die Möglichkeit, ihre Ergebnisse mit den Teilnehmenden zu diskutieren.

Schüler*innenpreis zum dritten Mal verliehen

Die Sektion Phykologie sieht sich der Nachwuchsförderung verpflichtet und vergibt im Rahmen der Tagung alle zwei Jahre ihren „Schüler*innen-Preis“, um junge Talente frühzeitig für die Algenforschung zu begeistern. In diesem Jahr gewannen Maddox Srey-Ouch und Witalij Plett vom Immanuel-Kant-Gymnasium und Schülerforschungszentrum in Tuttlingen (Baden-Württemberg) mit ihrem Biotechnologie-Projekt „Photopower – Energie aus Algen“. Sie untersuchten die Produktion von Energieträgern mit Hilfe der Grünalge Chlamydomonas. In einem 20-minutigen Vortrag präsentierte Maddox neben den Projektergebnissen souverän die Versuchsplanung, vielseitige Methodenanwendung und den kreativen Umgang mit experimentellen Herausforderungen.

Keynote-Vortrag von Dr. Susana M. Coelho über Fortpflanzungsbiologie

Der erste Tag der Tagung wurde mit einem Highlight beschlossen, dem Keynote-Vortrag von Dr. Susana Coelho (Direktorin am MPI Biologie, Tübingen) zum Thema "The curious world of brown algal mating rituals". Sie stellte ihre Forschung zu Fortpflanzungsmechanismen von Braunalgen und deren evolutionäre Bedeutung vor. Im Vortrag wurde auch auf spannende Weise darauf eingegangen, wie ausgehend von den ersten morphologischen Beschreibungen der Fortpflanzung der Braunalgen und Genomsequenzierungen von Modellalgen wie Ectocarpus es möglich war, tiefe Einblick in Regulationsmechanismen ihrer sexuellen Lebenszyklen zu erlangen.

Tag 2: Vielfältige wissenschaftliche Themen

Der zweite Tag bot ein hochwertiges Programm mit drei Vortrags-Blöcken und der zweiten Poster-Session. Aufgelockert wurde der Tag durch Stadtführungen. Abends fand die Mitgliederversammlung der Sektion Phykologie und die traditionsreiche Auktion phykologischer Schätze statt; sen. Prof. Christian Wilhelm, unterstützt durch Dr. Vivien Hotter, leitete die Auktion mit viel Humor, was die eifrigen Biet-Wettkämpfe noch weiter antrieb. Der Erlös der Auktion wird von der Sektion Phykologie für die Nachwuchsförderungen verwendet.

Session 2: Stressreaktionen und Anpassungen bei Algen

Die Vorträge der zweiten Session untersuchten, wie sich die photosynthetische Effizienz von Braunalgen-Populationen unter Erwärmung verändert, welche Schutzmechanismen Kieselalgen unter Stress einsetzen und welche Rolle phenolische Verbindungen in der Stressresistenz der Zygnematophyceae spielen. Weitere Vorträge befassten sich mit den Schutzmechanismen konjugierender Grünalgen gegenüber Starklicht und der Aktivität benthischer Kieselalgen im Dunkeln.

Session 3: Algen in extremen Umgebungen und Anwendungen

Begonnen wurde die dritte Session mit einem Vortrag über die mögliche Nutzung von Algenanschwemmungen als Nährstoffquelle für Küstenpflanzen. Auch die Anpassungen von Gletschereisalgen an extreme Lichtverhältnisse und metabolische Veränderungen in Dunkelheit wurden vorgestellt, sowie Untersuchungen zum Einfluss der Nährstoffaufnahme auf die Pigmentierung von Algen. Angewandte Themen umfassten den Einsatz nativer Algenproteine als Ersatz für Serum in der Zellkultur sowie die cyanobakterien-getriebene Biokatalyse als nachhaltige Methode zur Produktion chemischer Vorstufen in der synthetischen Biologie.

Session 4: Algen in der Biotechnologie und Umweltmanagement

Die Vorträge der vierten Session umfassten einen Überblick über die industrielle Mikroalgen-Biotechnologie in Deutschland, das Potenzial von Rotalgen als Kohlenstoffspeicher und die Rolle von Algen-Bakterien-Zusammenschlüssen in der Bioremediation und Abwasserreinigung. Ein Vortrag zur Grünalge Botryococcus braunii demonstrierte ein skalierbares Verfahren zur Gewinnung extrazellulärer Öle für Biokraftstoffe.

Anschließend folgten Stadtführungen, Posterpräsentationen und abschließend die Mitgliederversammlung und Auktion.

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl 

Der Vorstand der Sektion Phykologie wird von den Mitgliedern alle zwei Jahre neu gewählt. Drei langjährige Mitglieder des Vorstandes traten nicht mehr zur Wahl an: Dr. Thomas Leya (2. Sprecher), Prof. Severin Sasso (1. Beisitzer) und Dr. Charlotte Permann (Graduiertenbeisitzerin). Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde am 10. März ein neuer Vorstand für die nächsten zwei Jahre gewählt: Prof. Andreas Holzinger (1. Sprecher), Jun.-Prof. Karin Glaser (2. Sprecherin), Dr. Maike Lorenz (Schatzmeisterin), Jun.-Prof. Klaus Herburger (Schriftführer), Prof. Claudia Büchel (1. Beisitzerin), Prof. Peter Kroth (Vertreter der FEPS und 2. Beisitzer) und Dr. Vivien Hotter (Graduiertenbeisitzerin). 

Tag 3: Umfangreiches wissenschaftliches Programm und Conference Dinner

Der dritte Tag beinhaltete vier Sessions mit Vorträgen, die durch die dritte Poster-Session aufgelockert wurden. Abends fand das Conference Dinner in den Sälen der Alten Mensa statt.

Session 5: Cyanobakterien und Algen in Ökosystemen

Die erste Session des Tages behandelte die Stickstofffixierung in Cyanobakterien unter Fernrot-Licht und ihre Fähigkeiten, in salzhaltigen Bodenkrusten durch spezielle Chlorophylle aktiv zu bleiben. Außerdem ging es um Veränderungen in der Biodiversität von Bodenalgen in landwirtschaftlich genutzten Flächen. Weitere Vorträge untersuchten die Wechselwirkungen mariner Chlamydomonas-Vertreter mit nützlichen Bakterien sowie die Isolierung und Charakterisierung chemisch hochresistenter extrazellulärer Polymere aus den Zygosporen dieser Algengruppe und deren Bedeutung für die biomechanischen Eigenschaften der Zellen.

Session 6: Algenevolution und Biodiversität

Die zweite Session des Tages thematisierte Fortschritte im DNA-Metabarcoding für Süßwasser-Rotalgen und neue Artabgrenzungen innerhalb des Achnanthidium minutissimum-Komplexes. Zudem wurden taxonomische Revisionen der Prasiolaceae sowie phylogenomische Einblicke in charophytische Algen vorgestellt, wobei ein weiterer Vortrag die Entdeckung neuer Streptofilum-Stämme und deren phylogenetische Positionierung kritisch diskutierte. Ein Vortrag widmete sich der „Alge des Jahres 2025“, Draparnaldia, und zeigte auf, wie sich dieser Organismus zu einem Modelsystem für die Erforschung des Landganges durch Algen entwickeln könnte.

Session 7: Algenpigmente und Photorezeptoren

Die Vorträge dieser dritten Session befassten sich mit der Rolle von speziellen Glykolipiden als diagnostische Tools für die Phylogenie von Cyanobakterien, der metabolischen Plastizität von Algen unter Stress sowie mit photoprotektiven Mechanismen wie dem Diadinoxanthin-Zyklus. Weitere Themen waren tiefrote Carotinoide in den Fortpflanzungsstrukturen der Charophyceae und die Funktion von Aureochromen als Photorezeptoren in Kieselalgen.

Session 8: Algen-Kultursammlungen, computergestützte Ansätze in der Phykologie und historische Exkurse in die Algenkunde

Eröffnet wurde die finale Session mit einem Vortrag über Nathanael Pringsheim, der im Jahr 1855 erstmals die Verschmelzung männlicher und weiblicher Algenzellen direkt beobachtete und damit die universelle Bedeutung der Sexualität für das Leben nachwies, und außerdem 1882 in Berlin die Deutsche Botanische Gesellschaft (DBG) gegründet hatte. Weitere Vorträge behandelten die historische und taxonomische Bedeutung von Algensammlungen und den Einsatz von Deep Learning zur Klassifizierung von Mikroalgen basierende auf deren Morphologie zur Entwicklung einer Bestimmungs-App. Geschlossen wurde diese Sessionen mit einem Tribut an den im November 2023 verstorbenen Phykologen Klaus Lüning, der einen beachtlichen Teil seines Forscherlebens auf der Insel Helgoland verbrachte, die bis heute ein wichtiger Standort für die Algenfeldforschung ist.

Conference Dinner und Preise für wissenschaftliche Vorträge und Poster

Das Conference Dinner wurde mit einem kurzweiligen Spiel eingeleitet, bei dem sich Kleingruppen formieren mussten, um in einem App-basierten Quiz kreative Fragen rund um Algen zu beantwortet. Das Highlight des Dinners war die Verleihung von Preisen an den wissenschaftlichen Nachwuchs:

Der Pringsheim-Preis für die beste präsentierte Doktorarbeit ging an Yuliia Lihanova, MSc (Universität Leipzig), für ihren herausragenden Vortrag zum Thema Using the power of cis-regulatory elements to study gene function in green algae. (Thema ihrer Doktorarbeit: Elucidation of gene function in Chlamydomonas reinhardtii: from forward to reverse genetics).

Der Studierenden-Förderpreis für die beste Bachelor-/Masterarbeit ging an Mimoza Dani, BSc (Universität Duisburg-Essen) für ihren Vortrag mit dem Thema Species delimitation within Achnanthidium minutissimum complex, based on morphological, molecular and ecophysiological approaches. 

Außerdem wurde der Preis für das beste Poster von Promovierenden verliehen an Cäcilia Kunz, MSc (Universität Göttingen) für ihr Poster Investigating the phenylpropanoid pathway in Zygnematophyceae.

Tag 4: Exkursion zur Sammlung von Algenkulturen der Universität Göttingen (SAG)

Ein abschließendes Highlight der Tagung war der Besuch der Sammlung von Algenkulturen an der Universität Göttingen am letzten Konferenztag. Über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen an den Führungen teil und erhielten wertvolle Einblicke in die Erhaltung und Erforschung der Algen – inkl. solche, die beim Schütteln zu leuchten anfangen.

Fazit und Ausblick

Die 21. Sektionstagung Phykologie war nicht zuletzt aufgrund er exzellenten Organisation ein voller Erfolg und zeigte die lebendige und interdisziplinäre Forschung in diesem Fachgebiet in Deutschland und darüber hinaus. Die Beiträge in Form von Vorträgen und Postern zeichneten sich durch eine sehr hohe wissenschaftliche Qualität aus. Damit bot die Tagung eine ausgezeichnete Plattform für den wissenschaftlichen Austausch und die Förderung von Nachwuchswissenschaftler*innen. Die nächste Sektionstagung wird im Jahr 2027 in Rostock stattfinden.

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im April 2025, Jun.Prof. Dr. Klaus Herburger, Uni Rostock, Schriftführer Sektion Phykologie

Actualia · Tagungsbericht

23. Mitteldeutsche Pflanzenphysiologie-Tagung 2025

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der 23. Mitteldeutschen Pflanzenphysiologie-Tagung vor dem Eingang zum Konferenzraum der Leucorea in Wittenberg. Foto: Ralf Bernd Klösgen

Die jährliche Tagung der pflanzenphysiologisch forschenden Arbeitsgruppen an den mitteldeutschen Universitäten in Leipzig, Halle, Jena und Dresden hat in diesem Jahr bereits zum 23. Mal stattgefunden. Sie wird traditionell in regelmäßigem Wechsel reihum organisiert und fand in diesem Jahr am 14. und 15. Februar in der Leucorea in Wittenberg statt, dem "Stammsitz" der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit ihrem Beginn verfolgen die Organisatoren mit der Tagung zwei wesentliche Ziele:

  1. die Förderung des wissenschaftlichen Austauschs zwischen den beteiligten Arbeitsgruppen an den mitteldeutschen Universitäten und
  2. jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen im frühen Karrierestadium (fortgeschrittenes Bachelor-, bzw. Masterstudium bis Promotion) eine Gelegenheit zur aktiven Teilnahme an einer wissenschaftlichen Tagung zu geben.

Dabei war es - wie immer - das Bestreben, diesem Personenkreis ein Forum zu bieten, in dem sie ihre Forschungsergebnisse in unbeschwerter Atmosphäre einem Auditorium vorstellen können, das nicht überwiegend aus Mitgliedern des eigenen Arbeitskreises besteht. Daher wurde das Programm, das etwa 20 wissenschaftliche Vorträge (in englischer Sprache) mit anschließender Diskussion umfasste, fast ausschließlich von den Nachwuchskräften gestaltet. Die Tagung wurde von der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) gefördert.

Almost 60 scientists participated this year in the Central German Plant Physiology Conference ("Mitteldeutsche Pflanzenphysiologie-Tagung") to present and discuss current research going on in this field at the participating universities. The vast majority of participants, not only the attendees but also the presenters and chair persons, were ECRs, i.e., doctoral, master's and even bachelor's students at an advanced stage, about half of them international students. However, the overall high quality of the presentations and discussions and the perfect adherence of all speakers to the given time schedule could have suggested that the program would instead have featured quite experienced and established scientists in the field.

Range of organisms and topics

The presentations addressed a whole range of plant species (cyanobacteria and unicellular algae, monocots and dicots, model plants and crop plants) and research topics (e.g., regulation of gene expression, membrane transport of proteins and metabolites, plant hormones, biosynthetic pathways, organelle biogenesis, plant adaptation to environmental stresses, biotic interactions, ....), which were examined with a wide variety of methods and approaches. Despite or perhaps even because of this diversity, each presentation was intensively discussed, and it happened more than once that the discussion led to "wow effects", new ideas, and approaches. It would be unfair and inappropriate to single out individual presentations as particularly noteworthy, as the enthusiasm and enjoyment of all speakers in their own work was evident without exception. We would like to make just one exception: Prof. em. Christian Wilhelm, on whose initiative the whole conference series came into being more than 20 years ago, clearly demonstrated in his talk that retirement does not mean that the interest in actively shaping science disappears, quite the opposite.

A further and not to be underestimated component for the desired scientific exchange were, of course, the coffee breaks, which were deliberately scheduled to last 40 - 60 minutes each, somewhat longer than usual. Together with the traditional conference dinner and the shared breakfast, which was made possible by the joint accommodation of all conference participants in the Leucorea, this resulted in a relaxed atmosphere that was very much stimulating scientific exchange and discussions, quite similar to that of major EMBO conferences.

All in all, we as the organizers hope that all participants enjoyed the conference as much as we did and are already looking forward to the 24th edition of the conference, which will take place in Dresden next year.

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March 2025,
Bationa Bennewitz & Ralf Bernd Klösgen, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Tagung Molekularbiologie der Pflanzen 2025

Beinahe 200 Pflanzenwissenschaftler*innen trafen sich in der Sportschule Hennef, um jüngste Forschungsergebnisse zu diskutieren. Foto: Aron Struß, RUB
Der Konferenzort in der Sportschule in Hennef bot auch Raum für das traditionelle Fußballmatch, bei dem Forschende im frühen Karrierestadium (links in den grünen Hemden) die Gruppenleiter*innen (rechts) herausforderten. Foto: Aron Struss, RUB
Konferenzorganisator*innen des diesjährigen und des nächsten Jahres (f.l.t.r.): Henning Kunz (München), Christopher Grefen (Bochum), Ute Höcker (Köln) und Andrea Bräutigam (Bielefeld). Photo: Aron Struß, RUB

Zum 38. Mal brachte die Konferenz Molekularbiologie der Pflanzen rund 190 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom 10. bis 13. Februar in Nordrhein-Westfalen zusammen, der Konferenz der Sektion Pflanzenphysiologie und Molekularbiologie (SPPMB) der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG). Das Treffen bot wieder eine Bühne für jüngste Forschungsergebnisse von Graduierten, PostDocs und Gruppenleitenden und für fruchtvollen wissenschaftlichen Austausch. Organisiert von Christopher Grefen (Ruhr Universität Bochum, RUB), Ute Höcker (Köln) und Henning Kunz (München), bot das Treffen einen guten Rundblick über aktuelle molekulare Pflanzenwissenschaften, mit ein paar mehr Beiträgen aus den Feldern biotischer Interaktionen, molekularer Physiologie, sowie Zell- und Entwicklungsbiologie. Konferenz-Organisator Grefen berichtet im Detail.

Keynote Lectures

Originally, the keynote lecture was scheduled to be given by Dominique Bergmann (Stanford University). However, due to illness, Rüdiger Simon (University of Düsseldorf) stepped in and delivered a remarkable presentation on "Combining single-cell RNAseq with spatially resolved gene expression data to explore plant development." His engaging talk captivated the audience, setting the stage for an overall inspiring event.

This year’s meeting also featured a new highlight: a talk by Katherine Denby, York University and Editor-in-Chief of The Plant Journal, offering insights into scientific publishing and manuscript submission. She also highlighted why it makes sense to publish in society-owned scientific journals. An added bonus of Kathy’s attendance was that she could personally present the certificate for the Plant Journal Talk Award.

Before the conference dinner and the subsequent, legendary and indispensable party, the Reinhold-von-Sengbusch lecture was given by Thorsten Nürnberger (University of Tübingen), who discussed "Pattern recognition in plant immunity – evolution and function." His lecture shed light on the evolutionary dynamics of plant immune responses, captivating both early-career researchers and senior scientists alike.

Scientific Programme and opportunities for ECR’s

In total, MBP2025 featured nine sessions covering the topics mentioned above, along with signal transduction, tools & resources, omics & evolution, organelles, and abiotic interactions. The programme included 46 talks and two dynamic poster sessions, where 95 posters were presented and actively discussed. Feedback from colleagues, both during and after the meeting, highlighted the consistently high quality and strong relevance of the talks and posters to their respective fields. Notably, 80% of the talks were delivered by early-career researchers (ECR), including independent group leaders (10), postdocs (9), and PhD students (18), showcasing a highly promising next generation of plant scientists.

Industry Exhibition

Alongside the academic contributions, an industry fair with 14 participating companies provided insights into the latest technologies and resources available for molecular plant research—be it hardware, ranging from growth chambers to pipettes, or consumables, spanning sequencing kits to restriction enzymes. These interactions between academia and industry offered valuable networking opportunities for young researchers considering careers beyond academia. The industry representatives explicitly expressed positive feedback afterwards regarding the quantity and quality of communication with the young scientists. This is important for future organisers, as satisfied companies are more likely to continue supporting our meeting financially. Therefore, a big thank you to everyone who contributed!

Sports and Social Activities

Taking advantage of the sports facilities at the venue, attendees engaged in recreational activities during the traditional two-hour break on Wednesday afternoon. Football, badminton, table tennis, and hiking were popular choices, fostering informal discussions and strengthening professional networks. This year’s football match between PhD students/postdocs and group leaders saw the former claim victory with a narrow margin, reinforcing their dominance after last year’s triumph.

As always, the conference dinner and subsequent party were major highlights. DJs Stefan Rensing and Alexis Maizel provided a dynamic soundtrack for the evening, ensuring the dance floor remained packed late into the night. Those preferring quieter conversations gathered at the bar to enjoy drinks and exchange ideas in a more relaxed setting.

During the conference several awards were given: The Sengbusch-Awards to three graduate students for the best posters and the best talks, respectively, the Plant Journal (for the best junior group leader talk) and Agrisera Award (for the best talk for the best talk by a PostDoc to Gwendolyn K. Kirschner (Dundee): "Genetic control of the barley root angle". Also SPPMB’s award for science communication was given to Marc Somssich.

Looking Ahead to MBP2026

At the meeting's closure, Christopher handed the baton to Henning Kunz (LMU Munich), who will organise next year’s meeting again at the Sportschule Hennef, from 16th to 19th March 2026. Henning also revealed next year’s incoming co-organiser, Andrea Bräutigam from Bielefeld University. The community eagerly anticipates another stimulating conference, continuing the tradition of excellence in plant molecular biology research.

We look forward to seeing you at MBP2026!

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Prof. Dr. Christopher Grefen, Ruhr University Bochum (RUB)

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Gordon Research Conference: Neues über pflanzliche Proteolyse

Die internationale Gordon Research Conference Plant Proteolysis fand im Januar 2025 in der Toskana statt und wurde unter anderem durch die Deutsche Botanische Gesellschaft (German Society for Plant Sciences, DBG) gefördert. Foto: Andreas Schaller
Bo Yang (University of Hohenheim, rechts) und Fausto Ortiz Morea (University of Michigan, mitte), zwei Forschende auf früher Karrierestufe, werden von Libo Shan (University of Michigan) für ihre herausragenden Posterpräsentationen ausgezeichnet. Foto: Byung-Ho Kang

Während der internationalen Gordon Research Conference (GRC) über die Bedeutung der Proteolyse in Pflanzen diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Kontinenten ihre jüngsten wie auch bislang unveröffentlichte wissenschaftlichen Ergebnisse. Die 44 Vorträge zu allen Facetten der Proteolyse in Pflanzen wurden vom Publikum sehr geschätzt und intensiv diskutiert. Tagungspräsident Professor Andreas Schaller (Hohenheim) fasst die aktuellen Forschungsschwerpunkte zusammen, über die man sich während einer intensiven und für alle Beteiligten stimulierenden Woche im Januar in der Toskana ausgetauscht hat.

Focus on plant responses to stresses

The conference brought together a diverse and dynamic community of scientists to explore the critical role of proteolysis in shaping the plant cellular proteome. With plant proteolysis impacting processes such as growth, development, stress responses, and disease, the conference provided a platform to address both basic and applied aspects of this vital biological function. In its 2025 edition, the conference focused on plant responses to biotic and abiotic stresses, particularly the interactions between plants and pathogens.

The conference attracted some 80 scientists from five continents, a slightly lower number than anticipated, but the community proved to be lively, active, and growing. Almost half of the participants were early career researchers, reflecting the conference's emphasis on fostering the next generation of scientists. With a program that included cutting-edge science and much unpublished work, the conference provided ample opportunities for early career researchers to present their results. Networking and discussions between junior and senior researchers were encouraged, and the interactive nature of the event facilitated meaningful exchanges.

Sessions focus on key areas in proteolysis

The program featured nine sessions, each tackling a key area of plant proteolysis, with discussion leaders drawn from top institutions across the globe. Session topics included immune signaling in plants, plant responses to biotic and abiotic environments, the regulation of autophagy, and new technologies in proteolysis research. Mechanisms by which pathogens manipulate host immunity and autophagy, and the latest advances in organellar proteolysis and endocytic degradation were also discussed.

A highlight of the conference was the inclusion of researchers from diverse geographical backgrounds, with a significant increase in attendees from Asia. The inclusive environment fostered by the meeting contributed to its success in promoting community building across different regions, a crucial outcome for the growing field of plant proteolysis.

Networking and establishing a vivid community

In conclusion, the 2025 GRC on Plant Proteolysis successfully brought together experts and researchers of all career levels, facilitating the exchange of ideas and identifying the key research priorities for the coming years. The conference not only advanced scientific knowledge in this field but also helped building a more inclusive and collaborative research community. With the rapid growth of the field and its practical implications for agriculture and biotechnology, the meeting set the stage for future breakthroughs in plant proteolysis research. The next Plant Proteolysis GRC in 2027 will be chaired by Libo Shan (University of Michigan) and Byung-Ho Kang (The Chinese University of Hong Kong).

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Im März 2025, Prof. Dr. Andreas Schaller, Universität Hohenheim