DBG · Honorary Member

Prof. em. Dr. Friedrich Ehrendorfer (*1927); Universität Wien, Österreich

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Ehrendorfer etablierte die interdisziplinäre Pflanzensystematik in Europa, indem er die Systematik mit der Cytogenetik, der Evolutionsforschung und der Phylogenie verband. Sein Forschungsschwerpunkt sind Untersuchungen zur karyologischen, molekularen und vergleichenden Evolutionsforschung und Biosystematik der Höheren Pflanzen. Sein wesentlicher Verdienst ist der stete interdisziplinäre Dialog zwischen einzelnen botanischen Disziplinen.

Holistische Systematik

Ehrendorfer ist überzeugt, biologische Zusammenhänge nur dann ausreichend durchdringen zu können, wenn mehrere Disziplinen zusammenwirken. Dieses holistische Verständnis zieht sich durch seine gesamte Forschung. Es ist eines seiner wesentlichen Verdienste, den Dialog zwischen der Systematik, der Morphologie, der Physiologie, der Molekularbiologie, der Ökologie und der Paläobotanik gefördert zu haben.

Diverse Disziplinen

Das Zusammenwirken mehrerer Fächer setzte Ehrendorfer auch am Institut für Botanik an der Universität Wien um, das er mehr als 20 Jahre lang leitete: Auch hier ermöglichte er das Miteinander diverser Disziplinen.

Aufnehmen, verarbeiten und zur Synthese integrieren

Der Botaniker studierte von 19945 bis 19949 an der Universität Wien, promovierte bereits mit 22 Jahren und erhielt im Alter von nur 28 Jahren die Venia docendi. Nach einem Fullbright-Stipendium in Kalifornien etablierte er die synthetische Pflanzensystematik in Europa, wobei er die Cytogenetik, Evolutionsforschung und die Phylogenie interdisziplinär verband. Seine herausragende Fähigkeit, Details rasch aufzunehmen, sie augenblicklich zu verarbeiten und sie dann in eine Synthese zu integrieren, half ihm sicher oft dabei.

1965 erhielt Ehrendorfer einen Ruf an die Karl-Franzens-Universität nach Graz, um dann 1970 an die Universität Wien als Leiter des Botanischen Instituts berufen zu werden.

Systematik einzelner Gefäßpflanzen

Sein besonderes Interesse galt dem Zusammenspiel von Sippenmannigfaltigkeit, spezifischern Lebensräumen der Sippen und deren raum-zeitlichen sowie phylogenetischen Entwicklungen. Dies untersuchte er am liebsten an Labkraut (Gallium), Schafgarbe (Achillea), Witwenblume (Knautia), Wermut (Artemisia), Eiche (Quercus) Annemonen und Wiesengräsern (Festuca).

Alte und moderne Methoden

Dabei nutzte er stets die aktuellsten Methoden: Früher analysierte er die verwandtschaftlichen Beziehungen der Labkräuter mit der damals modernen Karyologie und jüngst die Schafgarbensystematik mit molekularbiologischen Methoden.

Die Molekularbiologie ist für Ehrendorfer aber nicht alleiniger Schlüssel zur Pflanzensystematik, denn wie er betont, "was bringt es, allein die Verwandtschaftsverhältnisse des Habsburger Herrscherhauses zu klären, wenn man die Rolle der Personen in der Geschichte unbleuchtet lässt".

Autor Ehrendorfer

Ehrendorfer schrieb zahlreiche wissenschaftliche Artikel, die "Liste der Gefäßpflanzen Mitteleuropas" sowie die Kapitel Systematik, Geobotanik, Paläobotanik und Evolution im Standartwerk für Botaniker, "dem Strasburger" oder genauer "Lehrbuch der Botanik für Hochschulen" [1]. 2007 soll sein jüngstes Buch erscheinen: "Ökosystem Stadt. Die Naturgeschichte Wiens".

"Geduld mit dem stets arbeitenden Vater"

1995 emeritierte Ehrendorfer als Ordinarius der Universität Wien und als Direktor des Botanischen Gartens (1970-1995). Doch danach setzte er sich nicht etwa zur Ruhe, sondern nahm sich weiterhin viel Zeit für die Forschung. Seine Frau, Luise Schratt-Ehrendorfer, berichtet, seine Familie müsse schon viel Geduld mit dem ständig arbeitenden Vater aufbringen. Doch sei Ehrendorfer selbst so tolerant, dass er seinen Sohn nicht rüge, wenn er mal eine Buche nicht als eine Buche erkenne.

Angetragene Aufgaben

Mitglied der KIÖS: Kommission für Interdisziplinäre Ökologische Studien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Vorsitzender des UNESCO-"Man and Biosphere"-Programmes

Mitglied des IGBP: International Geosphere-Biosphere Programme of the Royal Swedish Academy of Sciences

Ehrenmitgliedschaften und Auszeichnungen

Ehrendorfer ist (Ehren-)mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften:

  • Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
  • Foreign Honorary Member der American Academy of Arts and Sciences, Cambridge, Mass.
  • seit 1997 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle
  • Mitglied der Academia Europaea
  • Ausländisches Mitglied der Georgischen Akademie der Wissenschaften, Bulgar
  • seit 1997 Mitglied der Academia Nacional de Ciencias de Córdoba, Argentinien
  • seit 2004 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Biologische Systematik (GfBS)
  • Sein Lebenswerk wurde mit dem Preis der Stadt Wien gewürdigt

2007; Text und Copyright: Dr. Esther Schwarz-Weig, Redaktionsbüro WissensWorte

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Quellen:

Kommission für Interdisziplinäre Ökologische Studien, KIÖS

UNESCO-"Man and Biosphere"-Programm

International Geosphere-Biosphere Programme, IGBP

Östereichische Akademie der Wissenschaften ÖAW

American Academy of Arts and Sciences

Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Academia Europaea

Georgische Akademie der Wissenschaften

Academia Nacional de Ciencias de Córdoba

Gesellschaft für Biologische Systematik GfBS


Friedrich Ehrendorfer, honorary member of the Society since 2000. Photo: private