15. February 2018 · Actualia (engl.) · Conference Gleanings

Central-German Plant Physiology Meeting

Sorry, in German only

Mit ungebremstem Erfolg fand die Mitteldeutsche Pflanzenphysiologie-Tagung nun bereits zum 16. Mal mit etwa 60 Teilnehmenden statt – diesmal am 9. und 10. Februar 2018 in Dresden. Dort erweiterte sich der Kreis der pflanzenphysiologisch arbeitenden Gruppen um zwei weitere aus Halle, was die Themenvielfalt noch einmal breiter und spannender machte. Von der Tagung für Nachwuchsforscherinnen und –forscher berichtet Organisatorin Prof. Dr. Jutta Ludwig-Müller. Die Dresdner Professorin nennt die Forschungsschwerpunkte der Nachwuchskräfte, berichtet über „Okapi-“ und „Giraffen-“Mutanten und schildert, was die Vorträge der DBG-geförderten Zusammenkunft diesmal noch besser machte.

Das Format einer 2-tägigen Veranstaltung, bei der bevorzugt Nachwuchswissenschaftler ihre Arbeiten vorstellen, erfreut sich weiterhin sehr großer Beliebtheit. Teilnehmende, die das erste Mal dabei waren, freuen sich schon auf die nächsten Treffen. Die Nachwuchswissenschaftler übernahmen auch diesmal wieder die Aufgabe des Chairs. Erwähnenswert ist auch die große Diskussionsbereitschaft der Nachwuchskräfte, sodass lebhafte Diskussionen nach den Vorträgen, aber auch in den Pausen und bei dem gemeinsamen Abendessen in gemütlicher Atmosphäre stattfanden. Das Format hebt sich stets von anderen Tagungen ab, sodass die Teilnehmenden sehr viel Positives mitnehmen und es immer wieder zu Kooperationen kommt, die es ohne die Tagung nicht geben würde.

Mutanten, Modell- und Nutzpflanzen

Die wie immer sehr hohe Qualität der englischsprachigen Präsentationen überspannte viele verschiedene Themengebiete. Die vorgetragenen Themen beinhalteten Arbeiten mit Modellorganismen wie Arabidopsis und Chlamydomonas aber auch Nutzpflanzen wie Tomaten, Gerste oder Zuckerrübe. Es gab einige Vorträge, in denen Calcium als Signalmolekül untersucht wurde. Viele nutzten inzwischen auch Filme, um ihre Daten anschaulich zu erläutern. Zu Beginn gab es einen Einführungsvortrag von Carolin Delker aus Halle über Thermogenese bei der Modellpflanze Arabidopsis thaliana. Die Zuhörer konnten sich über Mutanten mit langgewachsenen Keimlingen - den "Giraffen" - und solchen mit kurzen - den "Okapis" - informieren. Schon der erste Vortrag zeigte, dass zahlreiche Themen mehrere Disziplinen vereinen und sowohl zu Erkenntnissen in der Entwicklungsbiologie als auch zu den Interaktionen von Pflanzen mit ihrer Umwelt beitragen.

Pflanzen und Umwelt

Viele Vorträge thematisierten die Interaktion zwischen Pflanzen und ihrer Umgebung. Dabei wurden sowohl Stressfaktoren wie Hitze oder Nährstoffe beleuchtet, aber auch die Interaktion mit Mikroorganismen und Insekten, wobei die Bandbreite der "Wirtspflanzen" von einzelligen Algen bis hin zu Arabidopsis und Nutzpflanzen reichte. So wurde die Temperaturanpassung durch Chlamydomonas beschrieben (Wenshuang Li, Jena) und die Hitzestress-Anwort von Tomaten und Arabidopsis in Bezug auf die Auxin-Homöostase beleuchtet (Sarah Breitenbach, Dresden). Athina Parasyri (Halle) berichtete über Interaktionen zwischen biotischen und abiotischen Stressfaktoren. Die Bedeutung von Nährstoffen für die pflanzliche Entwicklung wurde in zwei Vorträgen aus Halle dokumentiert (Bastian Meier, Santiago Alejandro). Spannend war es zu beobachten, dass viele Vorträge auch einen angewandten Aspekt aufzeigten. In der Alge Chlamydomonas rheinhardtii gibt es viele Faktoren, deren Funktion in Entwicklung und Reaktion mit der Umwelt noch nicht ausreichend geklärt sind. Einem solchen Molekül, Ovothiol A, schenkte Elisabeth Hommel (Jena) ihre Aufmerksamkeit.

Mikroorganismen und Pflanzen

Die Interaktion mit Mikroorganismen war ein weiteres großes Themengebiet. Hier sprach Regina Mencia (Dresden) über ein neues pflanzliches mitochondriales Protein aus Arabidopsis mit Funktionen in der Entwicklung und Pathogenabwehr. Anja Meents (Jena) berichtete über ihre Versuche mit Arabidopsis-Wurzeln ein System zur Messung von Calcium-Signalen nach Verwundung zu etablieren. Ebenfalls Arabidopsis nutzte Johannes Thürich (Jena) um das Sekretom in Abhängigkeit der Interaktion mit dem wachstumsfördernden Basidiomyceten Serendipita indica zu studieren. Dagegen beschreibt Jessica Lee Erickson (Halle) einen Pathogeneffektor aus Xanthomonas campestris um die Entwicklung von "Stromules" in Tabakblättern zu analysieren. Daniel Schaeme (Jena) berichtete über die Interaktion von Chlamydomonas mit Bakterien und die Rolle von Calcium und antimikrobielleen Substanzen in der Interaktion. Schließlich stellte Ming Zeng (Leipzig) ihr Projekt über die Interaktion von Pflanzen, arbuskulärer Mykorrhiza und Insekten vor.

Photosynthese, Proteine, Organelle und Blaulicht

Das Verständnis der Vorgänge, die zur Photosynthese führen, ist natürlich essentiell für die Pflanzen. Marcel Kansy (Leipzig) berichtete über die Analyse der Sauerstoff-entwicklenden Thylakoide in Diatomeen. Aus Halle kamen zwei Beiträge zum Import von Proteinen in die Chloroplasten. Während der Vortrag von Mayank Sharma eher technische Voraussetzungen für die Analysen beschrieb und verdeutlichte wie man zwischen Lokalisierung in Mitchondrien und Plastiden unterscheiden kann, konnte Jana Kungel einige Beispiele für die Untersuchung von Transportkomplexen darstellen. Aber auch die Stoffwechselvorgänge in einzelnen Algenzellen sind wichtig für das Verständnis ihrer Biologie im allgemeinen (Heiko Wagner, Leipzig). Im weitesten Sinn sind auch Photorezeptoren für die Orientierung der Pflanze und damit auch für ihre Photosynthese-Kapazität wichtig, so berichtete Jan Petersen (Jena) von Blaulicht-Antworten in Arabidopsis.

Viel Neues wurde präsentiert und jeder konnte für sich frische Ideen und Anregungen für den Laboralltag mitnehmen, bis die Pflanzenphysiologen im nächsten Jahr zur 17. Tagung in Leipzig wieder zusammentreffen werden.

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Im Februar 2018
Tagungsbericht von Prof. Dr. Jutta Ludwig-Müller, Technische Universität Dresden, Professur für Pflanzenphysiologie


Participants of the 16th Plant Physiology Meeting came together in the biology building of TU Dresden for the image. Photo: Susann Auer