17. Mai 2018 · Actualia · Tagungsbericht

Strasburger-Workshop: Mitochondrien, Kraftpakete der Pflanzen

Die Funktionen pflanzlicher Mitochondrien und anderer Organellen thematisierte der vierte Eduard Strasburger Workshop an der Uni Bonn. Die beiden Organisatorinnen, Dr. Stefanie Müller-Schüssele und Dr. Mareike Schallenberg-Rüdinger, berichten in ihrer Tagungsnachlese von den wertvollen Tipps und Erfahrungen, die vor allem die NachwuchsforscherInnen zur grafischen Darstellung von Forschungsergebnissen sowie zum Elevator Pitching und zur Poster-Präsentation erhielten. Die Vorträge etablierter Forschender brachten eine rege Diskussion in Gang, sodass auch fortgeschrittene Teilnehmende viel wertvolles Feedback und den ein oder anderen neuen Blickwinkel auf ihre Arbeit erhielten.

Vom 17ten bis 19ten April 2018 tauschten sich 35 NachwuchswissenschaftlerInnen, junge ProfessorenInnen und etablierte ForscherInnen im Eduard Strasburger Workshop Power Plants in Plants: Mitochondrial Functions in the Green Lineage aus. Sie waren in Bonn zusammengekommen, der Stadt des Namensgebers Eduard Strasburger. Dort diskutierten sie über das Thema Organellen mit speziellem Fokus auf die Funktionen pflanzlicher Mitochondrien. Diese sorgen gemeinsam mit Chloroplasten für einen ausgeglichenen Energiehaushalt und tragen zur Stress-Antwort sowie zum Biomassegewinn maßgeblich bei. Die vielen offenen Fragestellungen zu pflanzlichen Mitochondrien werden in Deutschland von einigen jungen und mehreren etablierten Gruppen bearbeitet, die zusammen die Mitochondrien-Forschung vorantreiben wollen.

PhD Workshop: Wissenschaftlich mit guten Grafiken überzeugen

Die Tagung mit vielen interaktiven Elementen und Fokus auf Förderung junger WissenschaftlerInnen, begann zunächst mit einem Workshop zum Thema Graphical Excellence and Scientific Data Presentation. Die neun Teilnehmenden erhielten vom Organisatorenteam  Dr. Mareike Schallenberg-Rüdinger (IZMB, Universität Bonn) und Dr. Stefanie Müller-Schüssele (INRES, Universität Bonn) eine Einführung in die Do‘s and Don´ts der graphischen Gestaltung, wie etwa zur Klarheit und Lesbarkeit eines Graphen oder  wie eine aussagestärkende Farbgebung ist. Sie lernten die verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten von komplexen Datensätzen kennen und erhielten eine Übersicht über frei verfügbare Tools wie etwa R, Inkscape und Adobe Color Wheel für deren Umsetzung. Im Anschluss bildete die Bonner Altstadt mit ihren blühenden Kirschbäumen ein duftendes Ambiente für weiteren wissenschaftlichen Austausch zwischen den jungen Forschenden.
Am Vormittag des nächsten Tages beurteilten die Studierenden dann ihre eigenen Poster-Präsentationen, die sie zur Tagung mitgebracht hatten, anhand der zuvor diskutierenden Kriterien und konnten sich in Kleingruppen so ein ehrliches Feedback über graphische Darstellung und wissenschaftliche Präsentation geben. Als Fazit wollten viele in Zukunft vor allem auf Einfachheit und Verständlichkeit der Kerninformation einer Graphik achten.

Genetisch kodierte Biosensoren, Proteomics und Transcriptomics

Auftakt der Hauptveranstaltung bildeten nach kurzem willkommen heißen der übrigen Tagungsteilnehmenden vier ausgewählte Vorträge von DoktorandInnen aus den Arbeitsgruppen von Prof. Markus Schwarzländer (Universität Münster), Prof. Ralph Bock (MPI Golm), Dr. Holger Eubel (Universität Hannover) und Dr. Mareike Schallenberg-Rüdinger (Universität Bonn). Philippe Fuchs (AG Schwarzländer) überzeugte mit der Präsentation neuester Live-Cell Imaging Daten über Funktionen des mitochondrialen Elektronentransports im Thiol-Signalling und ergatterte den 1. Vortrags- und den 2. Poster-Preis. Im Anschluss zeigten Fabio Moratti (AG Bock) und Nils Rugen (AG Eubel) aktuelle Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen zur Identifizierung von Proteinkomplexen im Mitochondrium von Arabidopsis thaliana. Bastian Oldenkott (AG Schallenberg-Rüdinger) konnte mit seinem Vortrag über RNA-Editing im Moos Physcomitrella patens schließlich die Brücke zwischen Proteomics und Transcriptomics schlagen.

Es folgte der interaktivste Teil des Workshops. Nach einer kurzen Powerpoint Postertour, in der weitere Doktoranden anhand von Postern ihre Forschungsprojekte präsentieren konnten, wurde in Kleingruppen im Rotationsprinzip intensiv über fünf ausgewählte Themen diskutiert:

  • Mito Ribosome (Nils Rugen, AG Eubel)
  • Post-translationale Modifikationen (Jonas Gliese, AG Finkemeier)
  • Organellar Connectivity (Anna-Lena Falz, AG Müller-Schüssele, 1. Poster-Preis)
  • Physiological Dynamics (Marlene Elsässer, AG Schwarzländer und AG Schallenberg-Rüdinger, 3. Poster-Preis)
  • RNA Editing und Pentatricopeptide repeat Proteine (Matthias Burger, AG Takenaka und Bastian Oldenkott, AG Schallenberg-Rüdinger).

PhD-Studierende und Betreuende waren gleichermaßen erfreut über den regen Austausch und die vielen neue Ideen zu den Projekten, die durch die intensive Diskussion entstanden. Die angestoßenen Diskussionen erstreckten sich auf das anschließende Abendbuffet mit integrierter Poster-Session und das Beisammensitzen bei warmem Aprilwetter bis tief in die Nacht.

Metabolomics und eine Vielzahl von Modellpflanzen

Der dritte Tag startete mit Vorträgen über den mitochondrialen Persulfid-Metabolismus (Dr. Tatjana Hildebrandt, 2. Vortrags-Preis) und die adaptive Evolution des NAD-abhängigen Malatenzyms in der C4-Pflanze Cleome (Meike Hüdig, AG Maurino, Universität Düsseldorf). Prof. Iris Finkemeier (Universität Münster) gab einen Überblick über die Bedeutung post-translationaler Modifikationen in Pflanzen-Organellen und Dr. Joachim Forner (MPI Golm) ergänzte schließlich die Liste der vorgestellten Modellorganismen durch die Präsentation seiner Forschung am mitochondrialen Genom von Tabak.

Den Abschluss der Veranstaltung bildeten acht kurze „Elevator-Talks“ zum Thema Protein Tool Kit of a Single Mitochondrion, die die gemeinsame Analyse eines Proteom-Datensatzes zur Grundlage hatten und das Zwischenergebnis einer Initiative verschiedener Arbeitsgruppen darstellten (Plant Mitochondria in New Light Initiative, DFG-PAK 918).

Mit viel Lob für das abwechslungsreiche Programm und die Organisation, so wie die Verleihung der Poster- und Vortrags-Preise gewählt durch anonyme Abstimmung aller Teilnehmenden endete der 4. Eduard Strasburger Workshop. Da die teilnehmenden ProfessorenInnen auf ihr Honorar verzichteten, konnte die Unterstützung der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) zu großen Teilen in Form von Reisestipendien und Poster/Vortrags-Preisen direkt an die NachwuchswissenschaftlerInnen weitergegeben werden. Sowohl der DBG als auch den Schirmherren Prof. Volker Knoop (IZMB, Universität Bonn) und Prof. Andreas Meyer (INRES, Universität Bonn) möchten wir an dieser Stelle nochmals für ihre Unterstützung danken.

Es ist geplant die gut aufgestellte Forschung an Pflanzen-Mitochondrien in Deutschland durch wissenschaftlichen Austausch und gemeinsame Anträge auf Forschungsgelder international kompetitiv und sichtbar zu gestalten und weiter auszubauen. Eine nächste Gelegenheit sich wiederzusehen und die Diskussionen fortzusetzen gibt es z.B. bei der 11. International Conference for Plant Mitochondrial Biology (ICPMB), die im März 2019 in Israel stattfinden wird (www.icpmb2019.com).

---

Im Mai 2018
Dr. Stefanie Müller-Schüssele, INRES, Universität Bonn und Dr. Mareike Schallenberg-Rüdinger, IZMB, Universität Bonn


Die Teilnehmenden des Eduard Strasburger-Workshops stellten sich am 2. Tag der Veranstaltung zum Gruppenfoto im Innenhof des Instituts für Zelluläre und Molekulare Botanik der Universität Bonn auf. Foto: Dietrich Dmitriev
Intensiv diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen mit PhD-Studierenden. Foto: Stefanie Müller-Schüssele
Die neun Teilnehmenden mit den beiden Organisatorinnen des Workshop Graphical Excellence and Scientific Data Presentation. Foto: Dietrich Dmitriev