04. August 2015 · Actualia

Nachruf: Professor Bernt Gerhardt (1935-2015)

Er schrieb ein Buch und mehrere wissenschaftliche Artikel, die auch heute noch Basis wissenschaftlicher Studien über den Fettstoffwechsel in Peroxisomen sind. Auch wenn ihn die Pflanzen ferner Kontinente faszinierten, blieben die entgiftenden Zellorganellen im Fokus seiner Forschung. Er sprach gern klare Worte, wofür ihn Kollegen wie Studierende schätzten.
Ein Nachruf von Prof. Ivo Feussner

Es gibt Hochschullehrer, die ihren Beruf nicht nur ausüben, sondern in ihm aufgehen. Unser geschätzter Kollege Prof. Dr. Bernt Gerhardt gehörte ganz sicher zu dieser Gruppe. Sein Leben stand vorrangig im Dienst der Forschung und der Ausbildung von Studierenden. Er war ein leidenschaftlich arbeitender, akribischer Wissenschaftler. Als Hochschullehrer waren ihm eine gründliche Ausbildung und Anleitung sowie eine persönliche Förderung seiner Studenten und Mitarbeiter ein besonderes Anliegen. Gerhardt war ein Mensch der klaren, wohlüberlegten Worte und stand stets verlässlich zu seinem Wort. Die ihm eigene Bescheidenheit, Gelassenheit und Geradlinigkeit führte bei Studierenden sowie Kollegen schnell dazu, Vertrauen zu ihm zu fassen.

Von der Photosynthese zu den Peroxisomen

Gerhardt wurde am 1.10.1935 im thüringischen Jena geboren. Seine Reifeprüfung legte er in Heidelberg ab. Anschließend studierte er von 1955 – 1963 Biologie, Chemie und Physik an den Universitäten Heidelberg, Göttingen und Tübingen, wo er 1963 bei Prof. Dr. H. Metzner mit Arbeiten zur Photosynthese promovierte. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er als Assistent in der Abteilung Biochemie der Pflanze an der Georg-August-Universität Göttingen bei Prof. Dr. A. Trebst. Hier setzte er auch seine Arbeiten zur Photosynthese fort. Im Rahmen eines Postdoc-Aufenthaltes (1967-1969) bei Prof. Dr. H. Beevers an der Purdue University, West Lafayette, USA (vgl: Ehrenmitglieder Beevers), kam er in Kontakt mit seinem zweiten Forschungsfeld, den Peroxisomen oder Microbodies.

Nach Deutschland zurückgekehrt, forschte er auf diesem Gebiet weiter, zunächst am Botanischen Institut II der Universität zu Köln (Prof. Dr. L. Bergmann), danach am Botanischen Institut der Universität Heidelberg (Habilitation 1971). Nachdem er für zwei Jahre in Heidelberg als Dozent tätig war, erhielt er 1974 einen Ruf auf die Professur für Entwicklungsbiologie am Institut für Botanik in Münster. Hier vertrat er die Fächer Pflanzenphysiologie und -biochemie. Während der nächsten nahezu 30 Jahre blieb er seinem Forschungsgebiet, den Peroxisomen, treu.

Auch heute noch zitiert

1978 veröffentlichte Gerhardt die Monographie „Microbodies/Peroxisomen pflanzlicher Zellen“, ein bis heute hoch geschätztes Standardwerk. Seine Arbeiten zum Stoffwechsel von pflanzlichen Peroxisomen werden auch heute noch häufig zitiert. Detaillierte mechanistische Studien zur β-Oxidation von Fettsäuren, insbesondere von ungewöhnlichen Fettsäuren, an isolierten Organellen sind auch weiterhin die Grundlage für zahlreiche Arbeiten zum Stoffwechsel pflanzlicher Peroxisomen.

In der akademischen Selbstverwaltung seiner Universität übernahm Bernt Gerhardt wichtige Aufgaben auch über längere Perioden: als Dekan des Fachbereichs Biologie, als Geschäftsführender Direktor des Botanischen Instituts, sowie als Mitglied des Senats und seiner Strukturkommission. 2001 wurde Bernt Gerhardt in den Ruhestand verabschiedet.

Neben seinem Fachgebiet des Stoffwechsels pflanzlicher Peroxisomen, interessierte er sich besonders für Pflanzenwelt in Nord- und Südamerika, Australien und Tasmanien, die er zusammen mit seiner Frau, Prof. Dr. Almut Gerhardt-Dircksen, auf zahlreichen Reisen studierte.

Gerhardt ist im Januar 2015 im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Pflanzenwissenschaften verlieren mit ihm einen leidenschaftlichen Wissenschaftler, einen engagierten Hochschullehrer und einen hoch geschätzten Menschen und Kollegen. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten.

Nachruf von Ivo Feussner, Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften, Georg-August-Universität Göttingen
im Juli 2015


Prof. Dr. Bernt Gerhardt in seinem Münsteraner Büro. Foto: privat