16. Mai 2017 · Actualia · Tagungsbericht

Mitteldeutsche Pflanzenphysiologie-Tagung

Bereits zum 15. Mal kamen die mitteldeutschen Forscherinnen und Forscher der Pflanzenphysiologie zur diesjährigen Tagung zusammen. In Wittenberg tauschten sich die Arbeitsgruppen der Universitäten Jena, Dresden, Halle und Leipzig über jüngste Ergebnisse des wissenschaftlichen Nachwuchses aus, der diese in einem geschützten Rahmen präsentieren und intensiv diskutieren konnte. In ihrer Tagungsnachlese geben die Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Ralf Bernd Klösgen und Prof. Dr. Klaus Humbeck einen Überblick über die Titel und Themen der Referentinnen und Referenten.

Die diesjährige Tagung der mitteldeutschen Pflanzenphysiologen fand in der Leucorea in Wittenberg am 10. und 11. Februar 2017 statt. Sie bot wieder ein ideales Umfeld, um die laufende Forschung der Gruppen aus Jena, Leipzig, Dresden und Halle kennen zu lernen und darüber ausgiebig und tiefgehend zu diskutieren. Eine Besonderheit dieser Tagungsreihe ist, dass hier, bis auf den ersten Plenarvortrag, Master-Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Postdocs vortragen und den gesamten Tagungsablauf organisieren. Die Möglichkeit, die eigenen Forschungsergebnisse früh in der eigenen wissenschaftlichen Karriere vor einem großen Tagungspublikum vorzustellen und in einer Diskussion zu vertreten, wurde begeistert aufgenommen und von der DBG finanziell unterstützt.

Chloroplasten

Ein Schwerpunktthema bei dieser Tagung waren Arbeiten zur Biogenese und Funktion von Chloroplasten. Sacha Baginsky (Halle) hat diese Thematik in seinem Plenarvortrag zu Beginn der Tagung aufgegriffen und über neueste Erkenntnisse seiner Arbeitsgruppe zur Proteinphosphorylierung in Plastiden und beteiligten Kinasen berichtet. Weitere Vorträge thematisierten das Verhältnis von Photosynthese und Atmung bei wechselnden Umweltbedingungen (Deborah Bozzato, Leipzig), die Funktion und Regulation von Stromuli (Christina Lampe, Halle und Jessica Erickson, Halle), das Protein-Targeting zu den Plastiden und Mitochondrien (Bationa Bennewitz, Halle), den Proteintransport an der Thylakoidmembran (Sarah Zinecker, Halle) und einen RNAseq-Ansatz zur Aufklärung der biologischen Funktion von Aureochromen (Marcus Mann, Leipzig).

Stoffwechsel

Ein zweiter großer Themenkomplex war die Analyse komplexer pflanzlicher Stoffwechselwege. Hier wurden Arbeiten zur Polyketid-Synthase (Elisabeth Hommel, Jena), zur Astin-Produktion im Korbblütler Aster tataricus (Linda Jahn, Dresden), zur Biogas-Produktion aus Glycolat (Anja Taubert, Leipzig) und zur Homospermidin Synthase (Annemarie Lippert, Dresden) vorgestellt.

Regulation

Schwerpunktthema waren auch Vorträge zur Aufklärung regulatorischer Prozesse, bis hin zur Rolle einzelner Proteinkomponenten. Die Referentinnen und Referenten schilderten die Funktion von CRY-DASH2, einem Cryptochrom aus der Alge Chlamydomonas reinhardtii (Melvin Schubert, Jena), zeigten Ergebnisse zum Cacium-Signalling, bei dem Gen cycam1 eine wichtige Rolle zukommt (Johannes Thürich, Jena) und zur epigenetischen Regulation von pflanzlichen Stress- und Alterungsprozessen (Charlotte Ost, Halle).

Interaktionen

Darüber hinaus gab es eine Reihe interessanter Vorträge zur Interaktion von Pflanzen mit anderen Organismen, wie der Aufklärung von molekularen Faktoren bei der Infektion von Elefantengrass (George Ochieng Asudi, Jena), der bakteriellen Immobilisierung von Chlamydomonas reinhardtii über Einflussnahme auf Calcium-abhängige Signalwege durch Lipopeptide (Prasad Aiyar, Jena), einem Modellsystem zur Analyse von Interaktionen begeißelter Algen in mariner Umgebung (David Carrasco-Flores, Jena) und über Interaktionen zwischen Chlamydomonas reinhardtii und anderen Mikroorganismen (Daniel Schaeme, Jena).

Mai 2017

Prof. Dr. Ralf Bernd Klösgen, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Abteilung Allgemeine Botanik  und Prof. Dr. Klaus Humbeck, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Abteilung Pflanzenphysiologie


Junge Pflanzenphysiologinnen und –physiologen nutzten das Treffen, um ihre Ergebnisse erstmals einem großen Kreis außerhalb der eigenen Arbeitsgruppe vorzustellen. Foto: Udo Johannigmeier