07. August 2013 · Actualia · Tagungsbericht

Noncoding RNA in Plants

Im Juli kamen Pflanzenforschende in der Leucorea der Lutherstadt Wittenberg zusammen, um ihr gegenwärtige Forschung über nicht-kodierende RNA zu präsentieren und mit Kollegen zu diskutieren. Wie sich dabei zeigte, sind inzwischen eineige Themen, die einst belächelt wurden, ins Zentrum der Forschung gerückt, schreiben Dorothee Staiger und Christian Hammann in ihrem Bericht. Eine Workshop-Nachlese von Dorothee Staiger und Christian Hammann.

In der Leucorea der Lutherstadt Wittenberg fand der Internationale Workshop „Noncoding RNA in plants“ im Rahmen der Frühjahrsakademie der Gesellschaft für Genetik (GfG) statt. Er wurde von der Gen-AG „Regulatorische RNAs“ der Gesellschaft ausgerichtet und von der DBG unterstützt.

Themen waren

  • microRNAs
  • long noncoding RNAs und natural antisense RNAs
  • Immunität und abiotischer Stress
  • RNA-vermittelte DNA Methylierung
  • Viroide
  • RNA-Bindeproteine

Im Eröffnungsvortrag präsentierte Olivier Voinnet (ETH Zürich) seine neuesten Daten, wie de novo silencing von Transposons etabliert wird, d.h. wie die anfängliche Erkennung des Transposons erfolgt, aufgrund der es stillgelegt wird, um Schaden für die Integrität des Genoms abzuwenden. Xuemei Chen (Riverside) berichtete über microRNA vermittelte Regulation, die am Endoplasmatischen Retikulum stattfindet. Auch eine Reihe deutscher Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler berichtete über interessante Aspekte ihrer Arbeiten zu kleinen RNAs, der microRNA Biogenese, der möglichen Funktion kleiner RNAs in Chloroplasten, über RNA-Protein-Interaktion in vitro und in vivo und die Regulation von alternativem Spleißen und nonsense-mediated decay.

Erst belächelt nun im Zentrum der Forschung

Insgesamt zeigte der Workshop eindrücklich, wie viele Beobachtungen aus früheren Jahren, wie das Transgen-vermittelte Gene Silencing oder Viroide als infektiöse Nukleinsäuren, die damals als Kuriositäten betrachtet wurden oder gar zur Seite geschoben wurden, aufgrund neuerer technischer Entwicklungen mechanistisch untersucht werden können und plötzlich im Zentrum hochaktueller Forschung stehen.

Posterpreise nach Kopenhagen und Gatersleben

Im Rahmen der Veranstaltung wurden zwei Posterpreise (gefördert von der Zeitschrift „Nucleic Acids Research“) verliehen. Ein Posterpreis ging an Laura Arribas Hernandez aus Kopenhagen für das Poster „A new role for DCL2 in plant antiviral resistance“, der zweite an Ali Mohammad Banaei-Moghaddam aus Gatersleben für das Poster „Nondisjunction in favor of a chromosome: Possible implication of non-coding RNAs“.

Das große Interesse an der Thematik spiegelte sich wider in intensiven Diskussionen zu den Präsentationen und an den Postern, in die besonders die Doktoranden eingebunden waren.
Kultureller Höhepunkt war die geführte Nachtwächter-Tour, bei der die Teilnehmer einen historischen und unterhaltsamen Blick auf die Stadt Luthers aus der Sicht von Katharina von Bora und Barbara Cranach und der Stadtwache bekamen.

Abschließend fand der Vorschlag großen Beifall, den Workshop auf zweijähriger Basis zu wiederholen.

Professorin Dr. Dorothee Staiger, Bielefeld, und Prof. Dr. Christian Hammann, Bremen, im August 2013