27. April 2016 · Actualia · Tagungsbericht

Molekularbiologie der Pflanzen

Schon zum 29. Mal fand die Tagung "Molecular Biology of Plants" statt, wie auch in den letzten Jahren im Tagungshotel Maria in der Aue im Bergischen Land. Dieser Tagungsort lebt von seiner Abgeschiedenheit, sodass sich Diskussionen unten den 150 Teilnehmenden untereinander automatisch ergaben. Sehr viel Anklang fand die Neugestaltung der Tagungs- und Website der Sektion Pflanzenphysiologie und Molekularbiologie der Deutschen Botanischen Gesellschaft (http://www.pflanzen-molekularbiologie.de) im Vorfeld der diesjährigen Tagung im Februar. Neben den ausgezeichneten Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses zählten Vorträge zur Endodermis, Metabolomik und Subtilasen zu den Highlights der Tagung.
Eine Tagungsnachlese mit weiteren Fotos von Jutta Ludwig-Müller (TU Dresden), federführende Organisatorin

Im Fokus: Biochemie und molekularer Physiologie

Die molekularbiologischen Vorträge und Poster aus Deutschland wurden unterstützt durch internationale Beiträge aus der Schweiz, Italien, Frankreich, den Niederlanden und den USA. Das Programm war wieder sehr vielfältig. Die Themen reichten von Entwicklungsbiologie, Stress, Interaktionen mit anderen Organismen bis hin zu Organellen. Ein sehr großer Teil war diesmal der Biochemie und molekularen Physiologie von Pflanzen gewidmet. Innerhalb dieser Themenbereiche konnten die Teilnehmenden neueste Erkenntnisse sowohl in Form von Vorträgen als auch Postern präsentieren.

Nachwuchspreise steigern Qualität

Traditionell achteten die Organisatoren hierbei darauf, dass auch der wissenschaftliche Nachwuchs bei den Vorträgen ausreichend zum Zuge kam. Denn wie in den letzten Jahren wurden die drei besten Vorträge und die drei besten Poster finanziert durch die Familie von Sengbusch prämiert, die auch bei der Preisverleihung wieder anwesend waren. Aus Anlass des 100. Geburtstages von Reinhold von Sengbusch im Jahre 1998 stifteten seine Erben diesen Preis. Dieser Ansporn führt nun schon seit Jahren zu einer exzellenten Qualität der Präsentationen. Erstmals konnte neben einem Posterkomitee auch das Publikum über die Preisträger abstimmen.

Die Reinhold von Senbusch-Posterpreise gingen in diesem Jahr an:

  • Rebecca Dautel (Tübingen): Localization, intracellular dynamics and cellular function of the Arabidopsis thaliana histidine kinase AHK1
  • Philipp Köster (Münster): Synergistic activation of a NADPH oxidase via Phosphorylation by a CPK and a CIPK
  • Anna Müller (Göttingen): Acid lipases in the degradation of lipid droplets

Die Reinhold von Senbusch-Vortragspreise bekamen:

  • Giulia Furlan (Halle): Down-Regulation of Immune Signalling by a MAP-Kinase-triggered Phosphoswitch Activating the E3 ligase PUB22
  • Michael Meyer (Hohenheim): Propeptide-mediated control of protease activity and zymogen maturation in tomato subtilase SBT3
  • Amaya Vilches Barro (Heidelberg): Cortical microtubule dynamics during lateral root primordia development

Entwicklung einer Schutzschicht

Der Eröffnungsvortrag von Niko Geldner, Lausanne, zeigte auf beeindruckende Weise, dass es sich lohnen kann, sich auf ein einziges Gewebe einer Pflanze zu fokussieren, der Endodermis. Diese Schicht schützt das Wurzelgewebe vor Außeneinflüssen und ist entwicklungsbiologisch hoch interessant. Mutantenanalysen wurden kombiniert mit hochauflösender Mikroskopie und somit bot sich dem Publikum neben den wissenschaftlichen Aspekten auch faszinierende Bilder.

Festvortrag: vier Dimensionen der Metabolomik

Traditionell gibt es am Vorabend der Preisverleihung eine kurze Einführung zu Reinhold von Sengbusch, nach dem der Preis ja benannt ist. Außerdem erlebten die Teilnehmenden an diesem Abend einen mehr fachübergreifenden Festvortrag, dieses Jahr gehalten von Robert Verpoorte aus Leiden. Sein Vortrag "Vier Dimensionen der Metabolomik" führte die Zuhörer ein in die verschiedensten Ansätze, aber auch Probleme, wenn man die Methode einsetzen möchte. Auch einige praktische Alltagstipps kamen nicht zu kurz. So konnten die Zuhörer zum Beispiel mitnehmen, warum Caipirinha anders schmeckt, wenn man die Limonen entweder zuerst mit dem Alkohol oder zuerst dem Rohrzucker mischt: weil sich das Metabolom dann jeweils unterscheidet, wie Verpoorte wissenschaftlich belegte.

Genfamilie der Subtilasen

Der "Farewell-Vortrag" am letzten Tag wird von demjenigen Organisator gehalten, der aufgrund des Rotationsprinzips aus dem Team ausscheidet. In diesem Jahr entführte Andreas Schaller (Hohenheim) die Zuhörer in die spannende Welt der Subtilasen, eine große eine Enzym-Familie pflanzlicher Proteasen, die Proteine und Peptide spaltet, und in vielen Aspekten eine Rolle spielen, wenn Pflanzen mit ihrer Umwelt interagieren. Er präsentierte innovative Ansätze zur molekularen und funktionalen Analyse dieser großen Genfamilie.

Vorfreude auf die kommende Tagung

Im nächsten Jahr wird die 30. Tagung durch Andreas Weber (Düsseldorf) organisiert und soll vom 21. − 24. Februar 2017 wieder in Dabringhausen stattfinden (Ankündigungen kommen hier). Wir freuen uns schon darauf.


Rund 150 Teilnehmende kamen zur Tagung der Sektion Pflanzenphysiologie und Molekularbiologie zusammen. Foto: SPPMB (zum Vergößern bitte anklicken)
Die Konferenz beginnt mit dem Empfang der 150 Teilnehmenden. Foto: Antje Walter, Sabine Marschollek
Preisträgerinnen und Preisträger 2016: Anna Müller, Giulia Furlan, Michael Meyer, Amaya Vilches Barros, Philipp Köster, Rebecca Dautel (von links) zusammen mit dem Preisstifter Günter von Sengbusch (links) und Organisatorin Jutta Ludwig-Müller (Mitte). Foto: Antje Walter (zum Vergößern bitte anklicken)
Andreas Schaller entführte während seines "Farewell-Vortrages" in die Welt der Subtilasen, eine große protein- und peptidspaltende Enzym-Familie. Foto: Antje Walter, Sabine Marschollek (zum Vergößern bitte anklicken)
Tagungsort: Haus Maria in der Aue. Foto: Jutta Ludwig-Müller