16. Februar 2010 · Actualia · Tagungsbericht

Mitteldeutsche Pflanzenphysiologie-Tagung in Dresden

Beim Treffen der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Jena, Halle, Leipzig und Dresden tauschten sich etwa 70 Pflanzenphysiologen über die neuesten Entwicklungen ihres Gebietes aus. Die Jungforscher profitierten nicht nur von Vorträgen und Diskussionen, sondern bahnten auch neue Kontakte und Kooperationen an. Einige testeten aus, was es bedeutet als Chair eine Session zu leiten. Eine Tagungsnachlese von Prof. Dr. Jutta Ludwig-Müller

Bei ihrem 8. Treffen in Dresden waren die Nachwuchswissenschaftler aus Jena, Halle, Leipzig und Dresden nicht müde geworden, ihre Forschungen einander und den Arbeitsgruppenleitern vorzustellen. Vom 22.-23. Januar 2010 fand die 8. Mitteldeutsche Pflanzenphysiologie-Tagung wie schon in den vergangenen Jahren mit insgesamt etwa 70 Teilnehmern statt.

Training für den Nachwuchs

Das inzwischen bewährte Konzept der Tagung ermöglicht es ausschließlich jungen Wissenschaftlern ihre Arbeiten im Rahmen von Kurzvorträgen zu präsentieren. Die Vorträge werden auf Englisch gehalten, dies stellt eine hervorragende Übung für internationale Tagungen dar, außerdem sind immer mehr auch ausländische Doktoranden und Postdocs anwesend. In Dresden konnten wir 24 spannende Vorträge verfolgen, die in fünf thematischen „Sessions“ vorgestellt wurden.

Seit ein paar Jahren werden die Sessions von Nachwuchswissenschaftlern geleitet, die hierbei lernen, als „Chair“ zu fungieren. Erfreulicherweise werden die Diskussionen nach den Vorträgen zunehmend von den Jungforschern zu Fragen genutzt. Die vielen lebhaften Diskussionen mussten oft von den Chairs abgebrochen und in die Kaffeepausen verlegt werden, damit das Programm zeitlich durchgezogen werden konnte. Viele Anregungen für weitere Arbeiten konnten von den Teilnehmern dadurch mitgenommen werden.

Von Zellkomponenten über Pflanzen ….

Themen waren in diesem Jahr Proteinfunktion, Organellen, Pflanze-Mikroben-Interaktion und Molekulare Physiologie. Die Qualität der Vorträge war wieder sehr hoch. Die auswärtigen Redner konnten durch die Mittel der Deutschen Botanischen Gesellschaft finanziell unterstützt werden, wofür wir uns herzlich bedanken. Dies war insbesondere hilfreich, weil in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Diplomanden ihre Arbeiten präsentierten. Es wurde sowohl über methodische Aspekte als auch über molekulare und biochemische Experimente zum Verstehen physiologischer Prozesse berichtet. Insgesamt reichte der Reigen von zellulären Komponenten, Organellen bis hin zur ganzen Pflanze und deren Interaktion mit der Umwelt in Form von abiotischem Stress und biotischen Interaktionen.

… bis zur Umwelt

Das Verständnis vieler zellulärer Vorgänge ist abhängig von der Funktion der beteiligten Proteine. Beispiele hierfür waren Untersuchungen an Arabidopsis Apyrasen, Chlamydomonas Phospho-Proteinen und Transkriptionsfaktoren. Der Import von Proteinen in Organellen, insbesondere Chloroplasten ist von entscheidender Bedeutung für die Funktion der Pflanzen. Ferner stand die Regulation der Photosynthese, bzw. deren Anpassung an verschiedene Lichtsituationen im Fokus. Hierbei wurden auch Freilandversuche vorgestellt. Pflanzen müssen sich jedoch nicht nur an Umweltbedingungen anpassen, sondern auch mit Mikroben umgehen. Sowohl der Effekt von für die Pflanze vorteilhaften Interaktionspartnern als auch Pathogenen wurde vorgestellt. Molekulare Analysen an der Modellpflanze Arabidopsis haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, sowohl pathogene als auch symbiontische Interaktionen besser zu verstehen.

Seneszenz, Sekundärmetablolite und Stress

Die Entwicklung einer Pflanze endet in dem, was man landläufig als Seneszenz bezeichnet. Die Analysen dieser Vorgänge können aber auch helfen, diese herauszuschieben. Zusätzlich gehört auch die Nährstoffsituation der Pflanze und deren Fähigkeit Sekundärmetabolite zu synthetisieren, in den Lebenszyklus hinein. Schließlich sind Anpassungen an abiotischen Stress wichtig und das Verständnis dieser Vorgänge, insbesondere an Algen untersucht, bringt auch neue Erkenntnisse für andere Organismen.

Rustikaler Abend und Fazit

In der nun schon traditionellen Abendveranstaltung in rustikalem Rahmen, die es den Teilnehmern ermöglicht, in entspannter Runde weiter zu diskutieren, wurden sicher wieder viele neue Kontakte geknüpft, alte erneuert und auch an Kooperationen gearbeitet. Die Teilnehmer bedankten sich für eine gelungene Veranstaltung und freuen sich schon auf das nächste Mal, wenn die Tagung im nächsten Jahr in Leipzig stattfinden wird.

Dresden, 15. Februar 2010, Professorin Dr. Jutta Ludwig-Müller