08. April 2010 · Actualia · Tagungsbericht

Meeting of the German Section of the International Society for Endocytobiology (ISE)

Bei der Zusammenkunft der Endocytobiologen Deutschlands im vergangenen Jahr diskutierten die Teilnehmer kontrovers über die Genexpression in pflanzlichen Organellen. Themen waren außerdem der Transport und die Integration von Eiweißen in den Chloroplasten, Pflanze-Pilz-Symbiosen sowie Pflanze-Tier-Interaktionen. Die Tagung der deutschen Mitglieder der International Society of Endocytobiology (ISE) bot dem Nachwuchs eine Chance seine Arbeiten zu präsentieren.
Eine Tagungsnachlese vom Sekretär der ISE, Prof. Dr. Christian Schmitz-Linneweber

Die diesjährige Tagung der deutschen Sektion der ISE brachte Forschende der Endozytobiologie für angeregte Diskussionen in Berlin-Dahlem zusammen. Sie war zum ersten Mal als Satellitentagung des internationalen Leopoldina-Symposiums an gleicher Stelle konzipiert. So konnten viele Nachwuchswissenschaftler an beiden Tagungen teilnehmen. Nicht zuletzt deshalb war die diesjährige Tagung mit fast 100 Teilnehmern die bisher größte ISE-G Tagung – ein Hinweis allerdings auch für das gestiegene Interesse an dieser Forschungsrichtung und für eine lebendige Endozytobiologie-Gesellschaft in Deutschland.

Genexpression in Organellen lebhaft diskutiert

Die ISE-G gibt traditionell Forschenden auf dem Gebiet der Organellenbiologie eine Heimat. Zahlreich Vorträge und Poster waren deshalb auch in diesem Jahr wieder den Chloroplasten und Mitochondrien gewidmet. Besonders kontrovers diskutiert wurde die nachwievor kaum verstandene Komplexität organellärer Genexpression in pflanzlichen Organellen. Die Frage, ob es sich dabei um regulatorisch notwendige Schritte handelt, oder ob dies alles eher sinnfreie evolutionäre Idiosynkrasien sind, wurde anhand neuer Daten zur Transkription und zur RNA-Edierung wieder heiß diskutiert. Folgerichtig ging der diesjährige Eppendorf Postdoc Preis für den besten Vortrag an Dr. Sabine Kahlau (Perth, Australien), die überraschende Daten zum regulatorischen Zusammenhang zwischen RNA Edierung und RNA-Polymeraseaktivität lebhaft und klar darstellen konnte. Ein Highlight war in diesem Zusammenhang auch der Vortrag von Prof. Ian Small, der die Merkwürdigkeiten des bisher unveröffentlichten chloroplastidären Genoms einer unterirdisch lebenden, wahrscheinlich saprophytischen Orchidee vorstellte. Mit Prof. Small, Direktor des Plant Energy Centre of Excellence in Perth, Australien, hat erstmals ein international renommierter Forscher aus dem Ausland mit seiner Präsentation die Tagung bereichert, eine Neuerung, die sicher verstetigt werden könnte.

Integration der Eiweiße in Chloroplasten

Wegen des großen Andrangs konnten in diesem Jahr nicht alle Teilnehmer einen Vortrag halten. Deshalb wurde als Novum der ISE-G Tagung eine Postersession mit immerhin 30 Beiträgen eingerichtet. Um diesen neuen Teil aufzuwerten wurde der Peter-Sitte-Preis - früher für den besten Vortrag reserviert - in diesem Jahr in einen Posterpreis umgewidmet. Er wurde für die herausragende Posterpräsentation von Frau Beatrix Dünschede (B.S.) von der Universität Bochum verliehen, die in graphisch ansprechender Weise ihre Ergebnisse zum Transport und der Integration von Proteinen in den Chloroplasten darstellen konnte. Das Poster gehörte zum zweiten in der ISE-G stark vertretenen thematischen Bereich in der Organellenbiologie, der Transportprozesse und damit intrazelluläre Kommunikation beleuchtet.

Pflanze-Pilz-Symbiosen

Obwohl typische Organellenthemen zahlenmäßig die Tagung dominierten, gab es doch weitestgehend Einigkeit, dass einige der faszinierendsten Beiträge wieder aus der organismischen Symbioseforschung kamen. Die Kopplung von attraktiven Bildern mit molekularen Analysen z. B. zu Symbiosen im Bereich mariner Invertebraten, Schwämmen oder auch neuen molekularen Erkenntnissen zur Chlorella-Hydra-Symbiose waren ästhetisch wie wissenschaftlich gleichermaßen beeindruckend. Ähnlich bedeutend für die Tagung und die Endozytobiologie-Gesellschaft insgesamt waren Beiträge zum Bereich Pilz-Pflanze Interaktion, insbesondere zur arbuskulären Mykkhoriza, die in einer Session zusammengefasst wurden.

Nachwuchs präsentiert

Die ISE-G hat zum Ziel, Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, mündlich ihre Arbeiten vor einem Fachpublikum zu präsentieren. Die Deutsche Botanische Gesellschaft hat - wie schon oft in der Vergangenheit - geholfen, dass Nachwuchs aus der gesamten Republik anreisen konnte. Unterstützung ging u.a. an Doktoranden und Postdocs aus Konstanz, Kiel, Bonn und Bochum. Da wie immer bei ISE-G-Tagungen keine Tagungsgebühren erhoben wurden, konnte die Veranstaltung nur mit der Hilfe von Sponsoren (Zinsser, Conviron) und mit der Unterstützung durch den SFB 429 (Berlin-Potsdam) durchgeführt werden. Letztlich war aber für das leibliche Wohl und den richtigen Koffeinspiegel ausreichend gesorgt. Die Teilnehmer gingen auseinander mit der festen Absicht, sich 2010 bei der internationalen Tagung in Tromsø wieder zu treffen.

Berlin, 7. April 2010, Professor Christian Schmitz-Linneweber