21. Juni 2007 · Actualia · Tagungsbericht

Internationale Tagung der Deutschen Gesellschaft für Mykologie: 32. Dreiländertagung

(29.9. - 7.10.2006)

Eine Tagungsnachlese von Dr. Claudia Görke, Ofterdingen

In Tübingen trafen sich Mykologen, eine Zusammenkunft von GML, SML und DGfM. Besonders junge Nachwuchsmykologen, Diplomanten und Doktoranden, nutzten die Chance, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren und sich auszutauschen. Diese Gruppe stellte gut die Hälfte der Teilnehmer. Insgesamt trafen sich Mykologen aus 14 Ländern zum Austausch über die unterschiedlichsten mykologischen Themen, auch exotische Länder wie Aserbaidschan und Panama waren vertreten.

Vorträge und Sessions

Der erste Teil wurde als Vortragstagung durchgeführt. Alle Bereiche wurden durch Plenarvorträge bekannter, bedeutender Mykologen ergänzt, hier sei nur beispielhaft Prof. Dr. Crous genannt, der Direktor des Centraalbureau voor Schimmelcultures und Professor in Stellenbosh und Pretoria (RSA) mit seinem Vortrag "The future of Mycology: Mouldy or magical mushroom ride?".

Einen breiten Bereich nahm hier der Themenblock Biodiversität und Systematik ein. Es wurde nicht nur allgemein über einen (vermeintlichen?) Konflikt zwischen Molekularbiologie versus Morphologie diskutiert: Einen ersten Impuls gab Prof. Dr. Larsson mit "molecules versus morphology in fungal systematics – true conflict or hidden harmony". Auch ganz konkret wurden einige Gattungen besprochen. So stellte z. B. N. Yorou afrikanische tomentelloide Pilze  mit ihren anatomischen Merkmalen vor und diskutierte phyllogenetische Stammbäume. Pilze aus verschiedenen taxonomischen Gruppen, von Pucciniomycotina (M. Kemmler: Microbotryum), über Hypocreales (B. Koch: Aschersonia) bis hin zu Myxomyceten  (A. Kries) wurden präsentiert.

In der Session "Plant parasites" wurde ein vielfältiges Spektrum von Pilzen auf Pflanzen aufgezeigt. M. Hahn übernahm mit "early stages of infection by plant pathogenic fungi" die allgemeinere Einleitung. Nicht nur von Rost und Brandpilze, sondern auch von z. T. fast unbekannten Mikropilzen aus Panama  z. B. auf Orchideen (R. D. Mangelsdorff) oder "Fly-Speck-Fungi – Fliegen-Dreck-Pilze" (T. Hofmann), wurde berichtet. Dagegen zeigte der Mykorrhiza-Block  die andere Seite von Pilz-Pflanzen-Interaktionen. Auch hier gab es einen allgemeinen Einblick von M. van der Heijden "Symbiontic fungi as drivers of plant diversity and ecosystem processes". Die Diversität war groß, es gab es Beispiele aus der heimischen und aus nichtheimischer Flora, wie z.B. Afrika, Indien und Amerika und es wurde sowohl an Ekto- als auch an arbuscularer Mykorrhiza geforscht.

In allen Themenblöcken spielten molekulare Untersuchungsmethoden eine große Rolle. Zusätzlich gab es eine hierfür eine eigene Session „Molekulare Mykologie“, in der in vielen Vorträgen ins Detail gegangen wurde. Zum Beispiel berichtete I. Schmitt über die Evolution von Polyketidsynthase Genen in sekundärstoffhaltigen Ascomycota. Den Plenarvortrag hielt in dieser Session G. Steinberg vom MPI für terrestrische Mikrobiologie in Marburg: "Exocytosis and endocytosis participate in polar hyphal growth and fungal pathogenicity".

Exkursion

Der zweite Teil der internationalen Tagung wurde als Exkursionstagung durchgeführt. So wurde im Schönbuch, im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und im Raum Stuttgart nach Pilzen gesucht und auch gefunden. Dort wurden den Teilnehmern Pilze vorgestellt, die im süddeutschen Raum heimisch sind, auch Rote-Liste-Arten wurden gefunden. Die Exkursionstage wurden mit Vorträgen abgerundet, z. B. Von H.-O. Baral: Vitaltaxonomie: Beispiele für Mikromerkmale des lebenden Pilzes und ihren taxonomischen Wert.

Glanzpunkte und Preise

Neben den eigentlichen Tagungsaktivitäten gab es zusätzliche Highlights: Der Pilz des Jahres 2007 wurde bekannt gegeben (die Puppenkernkeule, Cordyceps militaris) und der Adalbert-Ricken-Preis und der Oscar-Brefeld-Preis wurden vergeben. Der Adalbert-Ricken-Preis für Nachwuchs-Freizeitforscher wurde Jörg Albers verliehen. Seit mehr als zehn Jahren studiert der Preisträger die Pilzflora Niedersachsens. Pilzen der Küstendünen und Nordseeinseln gilt ebenso sein Interesse. Besonders herauszuheben ist die Studie (Zusammenarbeit mit Herrn Grauwinkel),  über Hohenbuehlia cyphelliformis, in der über Identität, Verbreitung und Ökologie an Zweigen von Sambucus nigra berichtet wird. Dr. Gebhard erhielt den Oscar-Brefeld Preis für seine Arbeit "Räumliche Struktur und zeitliche Dynamik von Ektomykorrhizagemeinschaften in Roteichenökosystemen der Niederlausitz". Der Preisträger verglich vier Quercus rubra-Bestände unterschiedlichen Alters auf Restaurierungsflächen des Braunkohletagebaus. Dr. Gebhardts Untersuchungen tragen bei zu einem besseren Verständnis der vielfältigen Beziehungen der Ektomykorrhizen untereinander und zu Beziehung zur abbiotischen und biotischen Umwelt.

Junge Mykologen

Außerdem fand während der Tagung am 30.09.2006 eine Zusammenkunft der dort anwesenden jungen Mykologen ("Young Mycologists") statt. Sie beschlossen, unter dem Dach der DGfM eine Kontaktadresse für junge Mykologen (Studenten, Diplomanden, PhD-Studenten, Postdocs, Feldmykologen, und andere Interessierte) einzurichten. Mit Hilfe dieses Forums wollen sie dazu beitragen, dass sich die deutschsprachigen NachwuchswissenschaftlerInnen und Freizeitmykologen besser kennen lernen und über eine Mailingliste vernetzt sind. Dies soll dem einfachen und schnellen Austausch von Informationen dienen. Als Kontaktpersonen dienen: Florian Hennicke (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Dr. Uwe Simon (Eberhard Karls Universität Tübingen) [1].

Dank

Zum Schluss sei an dieser Stelle der DBG Dank für die 1500 € Zuschuss ausgesprochen. Sie wurden dazu verwendet, Nachwuchsmykologen die Möglichkeit zum Wissensaustausch untereinander und mit renomierten Wissenschaftlern zu geben. Eine Investition in die Zukunft, die schon erste Früchte zeigt, wie das oben aufgeführte neue Netzwerk.

Abstracts und Fundliste

Für Interessenten, die nun bedauern nicht dabei gewesen zu sein, sei noch angemerkt, dass sowohl die Abstracts, als auch die Fundlisten der Exkursionen im Internet zu finden sind.

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[1] Netzwerk Junge Mykologen: Kontaktpersonen Florian Hennicke (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Dr. Uwe Simon (Eberhard Karls Universität Tübingen). E-Mail: junge.mykologen[at]web.de