22. Juni 2017 · Actualia · Tagungsbericht

Fünf Tage intensive Pflanzenwissenschaft

Die Plant Intensive Week fand dieses Jahr vom 24. – 28. April zum sechsten Mal in Köln statt. Sie bringt regionale, fortgeschrittene Masters Studierende und Promotionskandidierende zusammen mit den Studierenden des IBB (IGC PhD Programme - Integrative Biology and Biomedicine) in Portugal, die an einem halbjährigen intensiven Vorbereitungsprogramm für die Promotion teilnehmen. Sie trainierten und diskutierten gemeinsam alles rund um die Pflanzenforschung, vom Experiment, über Forschungsansatz und Publizieren, bis zur Forschungsfinanzierung. In ihrer Tagungsnachlese fasst Isabell Witt zusammen, was die angehenden Forschenden in nur einer Woche alles üben konnten.

Das Ziel der Plant Intensive Week organisiert durch die Graduate School for Biological Sciences ist es, die Teilnehmenden für die Pflanzenwissenschaften zu begeistern und gleichzeitig Methoden zur Förderung des wissenschaftlichen „mindsets“ zu nutzen und zu vermitteln. Das Programm ist sowohl auf Seiten der Studierenden (9 Nationen) als auch auf Seiten der WissenschaftlerInnen (7 Nationen) sehr international besetzt. Das diesjährige Programm kann hier angesehen werden.

Institutionen

Die beteiligten Institutionen sind das IGC (Instituto Gulbenkian de Ciência) mit seinem IBB Promovierendenprogamm (Oeiras, Portugal), dem ITQB (Instituto Tecnologia Química e Biológica) mit seinem Plants for Life International PhD program, das MPI für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln mit seiner IMPRS, CEPLAS mit seiner Graduiertenschule und als Hauptorganisator die Graduate School for Biological Sciences (GSfBS) des Departments für Biologie der Universität zu Köln.

Mutanten-Suche und Finanzierungsstrategie

Dieses Jahr waren 14 Studierende des IBB Programms aus Portugal, sechs Studierende von der RWTH Aachen und drei Studierende der HHU Düsseldorf zu Gast. Bestandteile der Plant Intensive Week sind wissenschaftsnahe Vorlesungen, Diskussionen, Aufgaben, Gruppenarbeit und Präsentationen der Teilnehmenden. Am Montag ging es mit Alga Zuccaro (UzK), Jane Parker (MPIPZ) und Gunther Döhlemann (UzK) um Aspekte der Pflanzeninteraktion mit Pilzen und Bakterien, um Abwehrstrategien aber auch um Symbiosen und welche Mechanismen sie in der Balance halten. Mit dem gerade Gelernten waren die Studierenden gefordert, Abstracts zu Publikationen zu schreiben, deren Zusammenfassungen zuvor entfernt worden waren. Jede Gruppe hat zudem als „Reviewer“ die Publikationen einer anderen Gruppe kritisch analysiert. Der nächste Tag war nicht weniger fordernd. Nachdem Ute Höcker (UzK) und Maria Albani (UzK) die molekularen Mechanismen der Lichtsignale und die Faktoren der Blühinduktion in ein- und mehrjährigen Kreuzblütlern vorgestellt hatten, wurde durch die Fragen und die Diskussion deutlich, dass klassische Genetik und die Suche nach dem perfekten Mutanten-Screen echte Herausforderungen sein können. In Gruppenarbeit wurden nun Experimente entwickelt, die dann einer „Funding Agency“ vorgetragen wurden. Jede Gruppe wollte unbedingt „gefördert“ werden.

Nachhaltige Nutzpflanzen

Am Mittwoch wurde es spannend mit angewandten Themen in der Pflanzenwissenschaft auch unter dem Aspekt der „Food Security“. Margarida Oliveira (ITQB) informierte eindrucksvoll über Wild-und Nutzpflanzen, die Züchtungserfolge in historischer Betrachtung, den Klimawandel, Bodenerosion, die wachsende Weltbevölkerung und mögliche Ertragsgrenzen. Markus Pauly (HHU) sprach über die Chancen und Limitierungen der Biokraftstoff-Gewinnung aus Pflanzen und wie seine Forschungsgruppe vorgeht, um störende Komponenten in den Zellwänden zu minimieren. Auch ihm ging es um Nachhaltigkeit und Möglichkeiten den CO2-Gehalt global zu senken. Ein ernstes und wichtiges Thema, das in Kleingruppen anhand von Publikationen und Kurzvorträgen bearbeitet wurde und, wie es nicht anders zu erwarten war, zu heftigen Diskussionen führte.

Forschungsansatz und Datenmanagement

Der pflanzliche Stress wurde am Donnerstag von Paula Duque (IGC) und Elena Baena Gonzales (IGC) genauer beleuchtet und die Studierenden aufgefordert, Ideen zu ungelösten Problemen molekularer Mechanismen in der Forschung der beiden Vortragenden zu entwickeln. Mit einer durch Stanislav Kopriva (UzK) angeleiteten GWAS-Analyse wurde in den 1001 genomes nach Genomabschnitten gesucht, die mit Stress durch Schwefelmangel korrelieren. Nach einem spannenden Vortrag zur Einführung in die Pollenentwicklung am Freitag, sollten originale Datensätze zur Genexpression analysiert werden. Nicht jedem fällt es spontan leicht mit großen Datenmengen umzugehen. It is always difficult to get along with a new PC program. Jörg Becker (IGC) hat darin sehr viel Expertise und hat sie gerne geteilt. Umständliche oder direkte Wege konnten zur Lösung der aufgetragenen Analysen beschritten werden. Der Lerneffekt war auf jeden Fall garantiert. Der anonymen Schlussbewertung zufolge war es eine anstrengende, aber auch eine sehr lernintensive und interaktive Woche, wie die Statements zeigen:
….danke nochmal für die tolle Woche in Köln, es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich hätte gerne das Zertifikat und ich war die komplette Woche dort.
……I really like the proposal exercise.
…..I enjoyed the discussion on Wednesday.

Die Graduate School for Biological Sciences bedankt sich herzlich für die äußerst hilfreiche finanzielle Unterstützung der Deutschen Botanischen Gesellschaft, die es ermöglicht hat, die Gäste aus Portugal in Köln adäquat unterzubringen.

Im Mai 2017

Dr. Isabell Witt, Koordinatorin der Graduate School for Biological Sciences


23 Nachwuchskräfte aus neun Nationen kamen in Köln zusammen und trainierten eine Woche lang intensiv Pflanzenforschung. Foto: GSfBS