18. September 2014 · Actualia · Tagungsbericht

Endosymbioseforscher im Hochschwarzwald

Auf 1.415 Meter Höhe war die deutsche Gruppe der Endocytobiologischen Gesellschaft zum "XVI. Annual Meeting of the International Society of Endocytobiology" im Juli zusammengekommen, um die jüngsten Trends der Symbioseforschung zu diskutieren. Etwa die erst kürzlich in namhaften Journalen publizierten Ergebnisse: wie sich C4-Pflanzen evolvierten oder wie Genomtransfer und Hybridisierung durch Pfropfung entstehen. Vier Nachwuchskräfte wurden mit Preisen ausgezeichnet. Diejenigen Nachwuchsforscher, die Reisestipendien der  DBG erhalten hatten, freuten sich nicht nur über die wissenschaftlichen Präsentationen, sondern auch über einen Organisator als DJ und das Fußballturnier. Über die Zusammenkunft berichtet Organisator Stefan Rensing.

Die International Society of Endocytobiology (ISE) trifft sich alle drei Jahre; in den jeweils dazwischen liegenden beiden Jahren trifft sich die deutsche Sektion in Deutschland, die zusammen mit der japanischen das Gros der ISE ausmacht. Beim 16. Treffen trafen sich mehr als 80 Teilnehmende vom 21. – 24. Juli 2014, um ihre Arbeiten per Vortrag oder Poster 1.300 Meter über dem Meer zu präsentieren. Die meisten Teilnehmenden reisten aus Deutschland an, die übrigen aus Frankreich, Österreich, USA und Israel. In insgesamt acht Blöcken wurden 38 Vorträge präsentiert. In vier der acht Blöcke ging es um Plastiden, die der primären Endosymbiose entstammen; in einem Block um solche, die sekundären Endosymbiosen entstammen und in einem weiteren um Mitochondrien. Die anderen beiden Blöcke thematisierten die Evolution von Symbiosen und die RNA-Stabilität und -Prozessierung; zudem wurden insgesamt 32 Poster präsentiert. Der Präsident der ISE-G, Jörg Nickelsen aus München, zeigte sich hoch zufrieden über die hohe Teilnehmerzahl und Aktualität und Qualität der Beiträge.

Wissenschaftliche Highlights

Die Präsentationen der eingeladenen Vortragsredner fanden großen Anklang bei den Teilnehmenden. Darunter waren erst jüngst publizierte Ergebnisse von allgemeinem Interesse: So berichtete z.B. Andreas Weber (Düsseldorf) davon, wie C4 Pflanzen evolutionär entstehen (publiziert in eLife, Juni 2014). Ralph Bock (Golm) berichtete, wie neue Spezies durch Genomtransfer und Hybridisierung nach Pfropfung entstehen können, und wie dies für die Generierung von Nutzpflanzen genutzt werden könnte (publiziert in Nature, Juli 2014).

Preise für Poster und Vorträge gingen nach Kiel, Mainz, München und Marburg

Etwas über die Hälfte der Teilnehmer waren Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Der von der ISE-G gestiftete Peter Sitte-Preis für das beste Poster ging an Simone Stork aus Marburg für ihren Beitrag "How Membrane Proteins are imported into Secondary Plastids across the Sec61 Complex“. Die von Eppendorf gestifteten Preise für die besten Vorträge erhielten Rena Isemer aus Kiel für ihren Beitrag "The plastid proteins WHIRLY1 and WHIRLY3 – twins or distant relatives?", Andreas Blatt aus Mainz für seinen Vortrag zu „Characterization of a lycopene cyclase-fusion protein from the green alga Ostreococcus lucimarinus catalyzing the simultaneous formation of alpha- and beta-carotene“ und Laura Kleinknecht aus München für Ihren Beitrag „RAP, the sole octotricopeptide repeat protein in Arabidopsis, is required for chloroplast 16S rRNA maturation“.

Viel Interaktion in der Abgeschlossenheit der Berge

Durch die Unterstützung der Tagung seitens der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) erhielten fünf Teilnehmende Reisestipendien, die an Doktorandinnen, Doktoranden und junge PostDocs vergeben wurden. Ihnen gefiel an der Sommerschule (vgl. auch ausführliche Stellungnahmen, pdf):

  • „...this year’s conference at the beautiful Feldberg Mountain in the Black Forest exceeded every expectation: A sound scientific content was complemented by very interesting presentations and posters of highest quality.“ (Felix Grewe, University of Nebraska)
  • “Overall, the scientific and personal exchange during the meeting was the aspect that I felt to be the most excellent. The organization of the meeting was done in a very professional way.” (Rena Isemer, University of Kiel)
  • “[the remote location] ...gave us even more than in other places the opportunity to meet many other researchers during the meals and in the evenings during the social activities. Last, but not least, Stefan Rensing was a superb DJ making the goodbye party a very fun experience!” (Laura Kleinknecht, LMU Munich)
  • “I really appreciated the broad range of endocytobiological topics of the invited and contributed talks. To mention just two examples, very interesting talks were given by Thomas Börner on “Do plant mitochondria contain a complete genome?” and by Ralph Bock on “Multigene engineering of metabolic pathways in plastids.” (Svenja Oetke, University of Kiel)
  • “Located in the beautiful Black Forest, the Leistungszentrum Herzogenhorn was a great place for this meeting. Besides the scientific main part of the meeting, the organization team put a lot of effort in creating an interesting and diversified setting like the soccer tournament, the excursion to the Feldsee or the great farewell party.” (Steffen Heinz, LMU Munich)

Eine Besonderheit dieser Tagung war sicherlich die räumliche Abgeschlossenheit in der Natur des Hochschwarzwaldes, die viel Gelegenheit zur Interaktion bot. Auch der Tagungsort im Leistungszentrum Herzogenhorn fand großen Zuspruch.

Der intensive wissenschaftliche Austausch fand nicht nur unter den Teilnehmern statt, sondern auch mit den eingeladenen Sprechern und den Firmenvertretern. Das komplette Programm und die Abstracts können auf der Website der Tagung eingesehen werden.

Die Evaluation der Tagung (pdf) ergab, dass die Teilnehmenden mit dem wissenschaftlichen Inhalt und dem Austausch mit anderen Forschern rundum zufrieden waren. Der Tagungsort und das Umfeld wurden ebenfalls positiv bewertet. Aufgrund des großen Erfolges wird es sicherlich eine Fortsetzung dieser Art von „Klausurtagung“ geben – im kommenden Jahr wohl in Form einer Sommerschule im Bereich neue Sequenziertechnologien für Phylogenie und vergleichende Genomik. Die ISE-G Tagung 2015 wird von Stephan Greiner organisiert und wird in Potsdam/Berlin stattfinden.

Bericht von Prof. Dr. Stefan Rensing, Philipps-Universität Marburg
und plantco.de
im August 2014


Mehr als 80 Teilnehmende trafen sich im Hochschwarzwald, um sich über Endosymbiosen auszutauschen. Foto: ISE-G 2014
Den Peter Sitte-Preis erhielt Simone Stork aus den Händen des Präsidenten der deutschen Gruppe der ISE, Jörg Nickelsen. Foto: ISE-G
Stefan Rensing (links) hatte die Tagung organisiert. Foto: ISE-G