10. September 2008 · Actualia · Tagungsbericht

Die "Systematics 2008" vereinte erstmals Systematiker aller Disziplinen

150 Vorträge und 250 Poster

Die Organisatoren Robbert Gradstein und Rainer Willmann und Kongress-Geschäftsführerin Simone Klatt begrüßten 450 Teilnehmer aus 30 Ländern in Göttingen. Die Teilnehmer konnten 150 Vorträge hören und 250 Poster studieren.

In Zukunft gemeinsam

Der Erfolg der Veranstaltung wird darin deutlich, dass die Botaniker der Sektion „Biodiversität und Evolutionsbiologie“ der DBG dafür stimmten von nun an jedes zweite Jahr mit der GfBS zusammen zu tagen. Das Ziel des Kongresses, Systematiker in Deutschland näher zusammen zu bringen, war also erreicht. Die Konferenz brachte viele fruchtbare Diskussionen, besonders über methodische Fragen, nach den Vorträgen, während der Kaffeepausen und Poster-Sessionen.

Prominente Redner mahnten und erklärten

Die Konferenz war vormittags in fünf bis sechs Plenar-Vorträgen und bis zu vier nachmittäglichen, parallelen Vortrags-Sitzungen organisiert. Bei den Plenar-Vorträgen wurde auf ein Gleichgewicht von Botaniker und Zoologen geachtet und präsentierte einige prominente deutsche und internationale Wissenschaftler wie Mark Chase (Royal Botanic Gardens Kew). Plenar-Vorträge, an die man sich wohl am längsten erinnert, sind diejenigen von:

  • Wolfgang Wägele (Bonn), der bessere Datenqualität in phylogenetischen Analysen anmahnte,
  • Joachim Kadereit (Mainz) über Artbildung während des Quartärs,
  • Günter Theißen (Jena), der uns das ABC der Blütenentwicklung bei Orchideen beibrachte, und
  • Christian Brochmann (Oslo), der zeigte wie überraschend häufig Verbreitung über lange Distanzen in der Arktis vorkommt.

Die Nachmittags-Sitzungen waren teilweise entlang der taxonomischen Trennungslinie aufgeteilt (zoologische Phylogeographie – botanische Phylogeographie, Insekten-Phylogenie, Pflanzen-Struktur und –Evolution), kombinierten teilweise aber auch die beiden Gruppen in gemeinsamen Fragestellungen (Radiation, Artbildung, molekulare Evolution, Taxonomie und barcoding).

Modelle ökologischer Nischen

Es würde über den Rahmen dieses Berichtes gehen, die Details der Vorträge zu erläutern, aber es scheint, dass das Modellieren ökologischer Nischen in phylogeographischen Studien immer mehr zunimmt. Eine dieser Art Studien wurde von Rosa Marie Lo Presti (Regensburg) über die Gattung Anthemis präsentiert. Damit gewann sie den Preis des besten studentischen Vortrages.

Hybridisierung und Polyploidie

Ein anderes wichtiges Thema der Konferenz, das gerade für Botaniker wichtig ist und auch von den nationalen Medien aufgenommen wurde, war Hybridisierung und Polyploidie. Eine dieser Studien, von Joana Schulz (Berlin) über experimentelle Hybriden in Caiophora (Loasaceae), wurde mit dem Preis für das beste studentische Poster ausgezeichnet.

Ausgezeichnete Nachwuchskräfte

Die Studentenpreise, organisiert von den Jungen Systematikern in der GfBS, wurde in einem aufwändigen Verfahren mit Hilfe einer großen Zahl Juroren (drei pro Vortrag, zwei pro Poster) nach 12 verschiedenen Aspekten mit jeweils 0-4 Punkten ausgesucht. Die Auszählung war zeitaufwändig, stellt damit aber wohl eine der objektivsten Methoden der Preisverleihung dar. Die Preise wurde feierlich am letzten Abend nach einem öffentlichen Abendvortrag in der beeindruckenden Göttinger Aula verliehen.

Systematiker für die Probleme der Welt

In seinem Abendvortrag zeigte Tod Stuessy (Wien) die Notwendigkeit systematischer Forschung für die Bewältigung der Probleme dieser Welt auf. Es war eine mitreißende Rede, die sicherlich jeden Zuhörer überzeugte. Es war eine Rede, die es wert war von mehr Menschen außerhalb der Systematik gehört zu werden, obwohl leider nur wenige solche Zuhörer im Publikum waren.

Fünf Workshops und eine Exkursion

Die Tagung endete mit fünf Arbeitsgruppen über verschiedene Themen (Poales, Piperales, Biodiversitäts-Informatik, DNA-Sequenz alignment, Pixel-Voxel-Morphologie) und einer interessanten Exkursion in die Frühlingsflora der Wälder von Göttingen, die von Erwin Bergmeier geleitet wurde.

Dirk Albach, Mainz