Logo der Deutschen Botanischen Gesellschaft e. V. (DBG)
Weitere Informationen über das Titelbild der DBG gibts durch anklicken
Deutsche Botanische Gesellschaft e. V.

Das aktuelle Interview

Zum 125. Geburtstag der Gesellschaft

Der Präsident, Professor Dr. Ulf-Ingo Flügge, der Generalsekretär, Professor Dr. Rudolf Ehwald, und der Schatzmeister, Privatdozent Dr. Klaus-Jürgen Appenroth, stellten sich einem Interview. Sie geben Auskunft über jüngste Erfolge, die verstärkte Nachwuchsförderung, die diesjährige Botanikertagung sowie die zukünftige Informationspolitik.

FRAGE: Die Deutsche Botanische Gesellschaft feiert dieses Jahr ihren 125. Geburtstag. Herr Flügge, was zeichnet die DBG als eine der ältesten botanischen Gesellschaften der Welt aus?

Flügge: Mit über 900 Mitgliedern ist unsere Gesellschaft auch eine der größten wissenschaftlichen Vereinigungen im deutschsprachigen Raum. Sie gibt den verschiedensten Disziplinen der Pflanzenwissenschaften eine gemeinsame Heimat: von der Systematik und Ökologie über die Physiologie bis hin zur Molekularbiologie. Während sich früher Wissenschaftler diverser Fächer nur selten miteinander austauschten, wird nun zunehmend erkannt, dass beispielsweise auch die klassische Taxonomie auf molekularbiologische Ansätze angewiesen ist. Wie auch umgekehrt die Molekularbiologie oder die molekulare Genetik nicht ohne klassische Methoden und Konzepte auskommen. Mit unserer Gesellschaft bieten wir ein breites Dach für die verschiedenen botanischen Disziplinen.

Herr Ehwald und Herr Appenroth, wie ist denn die Gesellschaft organisiert, um die diversen Disziplinen zu integrieren?

Ehwald: Die DBG ist in fünf Fachsektionen organisiert, den Sektionen für „Biodiversität & Evolutionsbiologie“, „Mykologie & Lichenologie“, „Phykologie“, „Pflanzenphysiologie & Molekularbiologie“ und „Pflanzliche Naturstoffe“. Die Sprecher dieser fünf Sektionen sind Mitglieder des Vorstandes und können so direkt ihre Interessen vertreten.

Appenroth: Auch unsere Zeitschrift „Plant Biology“ ist ein gutes Beispiel für die Integration, indem sie ein weites Spektrum von Arbeiten aus den gesamten Pflanzenwissenschaften publiziert.

Ihre Zeitschrift entwickelte sich von den „Mitteilungen der Deutschen Botanischen Gesellschaft“ über die „Botanica Acta“ zum Wissenschaftsjournal „Plant Biology“. Was hat sich verändert?

Flügge: Seit einigen Jahren gibt die DBG die „Plant Biology“ gemeinsam mit ihrer niederländischen Schwestergesellschaft, der Royal Botanical Society of the Netherlands, heraus. Der Name der Zeitschrift - um den uns übrigens andere Gesellschaften beneiden - beschreibt vorzüglich ihre breite Ausrichtung mit hochwertigen Artikeln aus allen Bereichen der Pflanzenbiologie. Vor etwa zwei Jahren formulierten wir für sie eine neue Herausgeberpolitik, die unter anderem ein breiteres internationales Herausgebergremium vorsieht und eine schnellere Begutachtung der eingereichten Manuskripte ermöglicht. Technisch wird dies durch die neue online-Einreichung unterstützt. Zudem gibt es jetzt mit dem von dem „Editor-in-Chief“, Herrn Professor Heinz Rennenberg, geleiteten Redaktion in Freiburg eine einzige zentrale Anlaufstelle für alle eingereichten Manuskripte.

Beeinflusst das auch den Inhalt der Zeitschrift?

Flügge: Wir möchten die Themenweite beibehalten, aber in Zukunft vermehrt auf den „general interest“ der eingereichten Manuskripte achten, um für eine breitere internationale Leserschaft interessant zu sein.

Können Sie schon abschätzen ob das neue Konzept funktioniert?

Flügge: Ja. „Plant Biology“ hat sich erfolgreich unter den internationalen pflanzenbiologischen Zeitschriften etabliert, wenn auch hinter den führenden Journalen wie „Plant Cell“,  „Plant Journal“ oder „Plant Physiology“. Ab dem ersten Januar 2008 wird unsere Zeitschrift dann von einem neuen Verlag, dem Wiley-Blackwell Publisher, verlegt. Damit wollen wir vor allem die internationale Sichtbarkeit der Zeitschrift erhöhen.

Appenroth: Herrn Flügges Verhandlungen waren auch dahingehend erfolgreich, dass wir den finanziellen Aufwand, der bisher von der Gesellschaft und seinen Mitgliedern für die Herausgabe der Zeitschrift erbracht wurde, in Zukunft erheblich verringern können. Dies wird uns Spielraum für andere Aktivitäten geben.

Hat die Gesellschaft schon etwas im Auge?

Ehwald: Hierzu ist die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen. Eine Idee geht in Richtung einer gezielten Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschafterinnen auf deren Weg in die wissenschaftliche Unabhängigkeit, beispielsweise am Ende der Qualifizierungsphase oder der Habilitation.

Sie sprachen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an. Kann Ihre Gesellschaft denn die Karriere des Nachwuchses beeinflussen?

Ehwald: Wie eine Studie zeigte, korreliert der berufliche Erfolg bei Akademikern stärker mit Auszeichnungen, wie etwa Stipendien oder Preisen, als mit der Abschlussnote. Seit mehreren Jahren verleiht die DBG im Zwei-Jahres-Turnus drei Preise für herausragende Arbeiten junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Dies ist zum einen der vom Elsevier-Verlag gestiftete Strasburger-Preis - in Anlehnung an den Klassiker der botanischen Lehrbücher, nämlich „Strasburger Lehrbuch der Botanik“. Zudem zeichnen wir junge Forscherinnen und Forscher mit dem Horst-Wiehe- und mit dem Wilhelm-Pfeffer-Preis aus. Übrigens gehen zwei der drei diesjährig zu verleihenden Preise an Nachwuchswissenschaftlerinnen!

Unterstützt die DBG auch anderweitig den Nachwuchs?

Appenroth: Die DBG gewährt jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die mit einem Vortrag oder einem Poster an der Botanikertagung teilnehmen, einen Reisekostenzuschuss. Die Botanikertagung, ist der alle zwei Jahre stattfindende Kongress der Gesellschaft. Ferner fördern wir in letzter Zeit vermehrt auch kleinere wissenschaftlichen Treffen oder Workshops finanziell, die hauptsächlich von den Sektionen der DBG organisiert werden, um auch jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Teilnahme daran zu ermöglichen. Darüber hinaus unterstützt die DBG finanziell das RISE Programm des DAAD. Das ist ein erfolgreiches undergraduate Stipendium für nordamerikanische Studenten, die für drei bis vier Monate unter der Betreuung hiesiger Doktoranden an einer deutschen Hochschule arbeiten. Davon profitiert auch der hiesige Nachwuchs. 

Im September dieses Jahres findet die Botanikertagung in Hamburg statt. Welchen Stellenwert hat diese Tagung?

Flügge: Die Botanikertagungen werden im zweijährigen Rhythmus von einem lokalen Komitee an einer deutschen Universität organisiert, mit Unterstützung der DBG. Die letzten Botanikertagungen in Freiburg und Braunschweig, mit jeweils etwa 1000 Teilnehmern, haben in eindrucksvoller Weise den hohen internationalen Stellenwert und die hohe Reputation der deutschen pflanzenwissenschaftlichen Forschung belegt. Bemerkenswert finde ich auch die große Zahl von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, auch bei der Hamburger Tagung. Gerade die jungen Leute bekommen hier einen breiten Überblick über pflanzenwissenschaftliche Themen und können frühzeitig Kontakte untereinander und zu erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern knüpfen. Für 2009 ist übrigens Leipzig als Tagungsort vorgesehen.

In welcher Weise unterstützt die DGB diese Tagung?

Appenroth: Die Botanikertagung fördern wir vor allem finanziell und beraten bezüglich auszuwählender Themen oder einzuladender internationaler Sprecher. Wir achten immer darauf, dass möglichst alle botanischen Disziplinen vertreten sind.

Sie haben jetzt viel über den Nachwuchs und den wissenschaftlichen Austausch auf Kongressen berichtet. Ist die DBG auch an der Entscheidung über die Förderung von Forschungsprojekten beteiligt?

Flügge: Ja, zum Beispiel fungieren viele Mitglieder der Gesellschaft als Sondergutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Europäische Union oder andere Institutionen. Unser wichtigster Drittmittelgeber ist die DFG. Dort werden Anträge auf Forschungsförderung im so genannten Fachkollegium Pflanzenwissenschaften entschieden. Dieses Gremium ist mit 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Reihen unserer Gesellschaft besetzt, die das gesamte Spektrum der pflanzenwissenschaftlichen Forschung vertreten. Im November 2007 stehen Neuwahlen für alle Fachkollegien an, und das Vorschlagsrecht für die Benennung der Kandidatinnen und Kandidaten für das Fachkollegium Pflanzenwissenschaften liegt bei unserer Gesellschaft bzw. bei ihrem Präsidenten.

Haben Sie in der Gesellschaft bereits entschieden, wen sie vorschlagen werden?

Flügge: Die Vorschlagsliste wurde bereits in diesem Frühjahr erstellt und die DFG hat soeben die Gesamtliste aller Kandidierenden veröffentlicht. Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Nominierung von Wissenschaftlerinnen für unser Fachkollegium bei rund 30 Prozent liegt, was eine beträchtliche Steigerung sowohl gegenüber der jetzigen Zusammensetzung des Fachkollegiums und als auch gegenüber dem Anteil der Wissenschaftlerinnen unter allen Kandidierenden bedeutet.

Im Mai wurde der VBIO, der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin, gegründet. Er entstand aus der Fusion des vbbm (Verbund biowissenschaftlicher und biomedizinischer Gesellschaften) mit dem VdBiol (Verband deutscher Biologen und biowissenschaftlicher Fachgesellschaften). Ihre Gesellschaft war Gründungsmitglied des vbbm. Wie steht sie nun zu dieser Fusion?

Flügge: Der VBIO ist der Dachverband aller Lebenswissenschaften und vereint erstmals fast alle Biowissenschaftler. Mit seinen mehr als 35.000 Mitgliedern wird er sich zu einer starken Stimme der Biowissenschaften und der Biomedizin und zu einem zentralen Ansprechpartner für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft entwickeln - nicht nur in der Forschung, sondern auch in Fragen der Ausbildung. Auch wir Pflanzenwissenschaftler fühlen uns hier gut aufgehoben.

In der Vergangenheit wurden Ihre Mitglieder in den „Actualia“, speziellen Seiten in Ihrer Zeitschrift „Plant Biology“, über die neuesten Entwicklungen in der Gesellschaft informiert. Wenn die Zeitschrift in Zukunft woanders verlegt wird, erwägen Sie auch eine neue Form der Informationspolitik?

Ehwald: Neben den „Actualia“ versendeten wir Informationen auch per E-mail an unsere Mitglieder. Wir denken darüber nach, die „Actualia“ zukünftig hauptsächlich online auf der Website der DBG zu publizieren. Dies bietet die Möglichkeit, die Informationen auch wirklich aktuell zu halten. Darüber hinaus möchten wir unser Intranet weiter ausbauen, wir denken an eine Art Forum, in dem allgemeine, aber auch speziellere Fragen, beispielsweise aus dem Laboralltag, diskutiert werden können. Hier sollen auch weitere allgemein interessierende Vorträge oder Vorlesungen als „Downloads“ platziert werden. Manche Sektionen betreiben zudem eine Jobbörse mit Informationen über freie Stellen, die bislang per E-mail an die Sektionsmitglieder versandt werden. Wir denken daran, diese Informationen allen DBG Mitgliedern auf der Internet-Seite der DBG zugänglich zu machen.

Herr Professor Flügge, Herr Professor Ehwald und Herr Dr. Appenroth, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte die Redakteurin Dr. Esther Schwarz-Weig am 6.8.2007

Zum Thema auf den DBG-Seiten
|
Zum Thema im Internet
Von der DBG geförderte Tagungen
Nachwuchsförderung der DBG
Förderpreise
Weiteres zur Mitgliedschaft
Die DBG ist Mitglied im VBIO
Die DBG wird 125 Jahre

alle Pressemitteilungen

|

Botanik-News

Jede Woche neu: Forschung, Lehre, Tagung & mehr
21.10.2014

DBG-News

Jobmarkt

Termin

Botanikertagung:
30.8. - 3.9.2015