Benno Parthier, geboren 1932, studierte von 1952 bis 1957 Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und fertigte seine Promotionsarbeit unter Leitung von Prof. Dr. Kurt Mothes am Institut für Allgemeine Botanik an. Der Einfluß von Kurt Mothes hat ihn wissenschaftlich und persönlich nachhaltig geprägt. 1967 legte er seine Habilitationsschrift vor, erhielt die Venia legendi und wurde Leiter der Molekularbiologischen Abteilung des Institutes für Biochemie der Pflanzen der Akademie der Wissenschaften in Halle.
1975 wurde er zum Professor für Molekularbiologie berufen. Von 1984 bis 1986 war er stellvertretender Direktor des Institutes für Biochemie der Pflanzen in Halle und von 1990/1991 an bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1998 Direktor des neu gegründeten Instituts für Pflanzenbiochemie. Er ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien und war ab 1987 Vizepräsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina and von 1990 bis 2003 deren Präsident. Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.
Jasmonate richtungsweisend charakterisiert
Herr Parthier hat die Herausforderungen und die Perspektive molekularbiologischer Methoden früh erkannt. Er hat sich wissenschaftlich überaus erfolgreich mit der Zelldifferenzierung durch endogene und exogene Faktoren, mit dem Wirkmechanismus der Phytohormone und Jasmonate, mit der Chloroplastenbiogenese, der Wechselwirkung zwischen Zellkompartimenten und der Regulation der Biosynthese von Nukleinsäuren und Proteinen beschäftigt. Vor allem seine Untersuchungen zur molekularen Wirkungsweise und Biosynthese pflanzlicher Streßhormone, der Jasmonate, waren wegweisend.
Einer der ersten SFB in den neuen Bundesländern
Aus seiner Feder stammen 124 Publikationen zu experimentellen Arbeiten und 70 Übersichtsarbeiten. Herr Parthier hat in den 70iger und 80iger Jahren maßgeblich mit der ihm eigenen Zivilcourage dazu beigetragen, daß ein hohes wissenschaftliches Niveau und nicht eine dem sozialistischen System dienende ideologische Ausrichtung charakteristisch für das Institut für Pflanzenbiochemie in Halle blieb. Unter seiner Leitung fand das Institut seinen anerkannten Platz in der Wissenschaftslandschaft des vereinigten Deutschland. An der Martin-Luther-Universität in Halle wurde einer der ersten Sonderforschungsbereiche (SFB) auf dem Gebiet der pflanzlichen Zellbiologie in den neuen Bundesländern eingerichtet.
Herr Parthier hat sich um die Entwicklung der Pflanzenwissenschaften auch durch seine Mitgliedschaft in Herausgebergremien mehrerer wissenschaftlicher Zeitschriften verdient gemacht.
Um seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Biochemie und Physiologie der Pflanzen und seinen Einsatz für die Entwicklung der Pflanzenwissenschaften zu würdigen, verleiht die Deutsche Boanische Gesellschaft Herrn Professor Dr. Dr. h.c. Benno Parthier die Ehrenmitgliedschaft.
Text und Copyright:
PD Dr. Klaus-Jürgen Appenroth